Blick in die Kristallkugel: Kommt der Meister erstmals seit 2009 nicht aus Bern oder Basel?
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Blick in die KristallkugelKommt der Meister erstmals seit 2009 nicht aus Bern oder Basel?

Die Super League beendet die kurze Pause, und es ist Zeit, in die Kristallkugel zu schauen. Wer wird Meister, wer steigt ab? Teil 2: Das Titelrennen.

von
Eva Tedesco
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Zum dritten Mal in Folge holte YB am 3. August den Meistertitel. 

Zum dritten Mal in Folge holte YB am 3. August den Meistertitel.

Claudio de Capitani/freshfocus

Rang 5 – FC Luzern (letzte Saison: 6. Platz)

FCL-Trainer Fabio Celestini wünscht sich sechs neue Spieler. Zeit, die Wünsche zu erfüllen, hat der FCL genug: Das Transferfenster schliesst erst am 12. Oktober. 

FCL-Trainer Fabio Celestini wünscht sich sechs neue Spieler. Zeit, die Wünsche zu erfüllen, hat der FCL genug: Das Transferfenster schliesst erst am 12. Oktober.

Martin Meienberger/freshfocus

Zuzüge: Julian Hermann (U21), Ardon Jashari (U18), Lino Lang (U21), Mark Marleku (U21), Tyron Owusu (U18), Filip Ugrinic (Emmen/NED), Nenad Zivkovic (U21)

Abgänge: Shkelqim Demhasaj (GC), Blessing Eleke (Beerschot/BEL), Darian Males (Inter Milan), Ryder Matos (Udinese), David Mistrafovic (Kriens), Eric Tia (Xamax) Quelle: SFL

Aussicht: Der Start unter Trainer Fabio Celestini liess sich letzte Saison nicht schlecht an. Doch im Schlussspurt ging den Zentralschweizern die Luft aus. Um dem entgegenzuwirken und mehr Möglichkeiten für Auswechslungen zu haben, wünscht sich der FCL-Trainer sechs neue Spieler. Wunschspieler wie Guillaume Hoarau wird Sportchef Remo Meyer trotz Verkauf von Adrian Males für geschätzte drei bis vier Millionen Franken in die Serie A an Inter nicht stemmen können. Und Valentin Stocker (verlängerte beim FCB bis 2023) entschied sich um – sagte dem FCL ab. Bisher bekam Celestini erst den 25-jährigen Offensivmann Louis Schaub vom 1. FC Köln auf Leihbasis. Nachdem Eleke, Demhasaj und wohl auch Kakabadze (Vertrag bis 2021) Platz machten oder noch machen müssen, kann Celestini beginnen, ein Kader nach seinem Gusto zu formen, sofern sein Sportchef mitspielt. Aber auch ohne prominente Zuzüge sollte die Qualität der Luzerner reichen, um im vorderen Mittelfeld mitzuspielen – wenn ihnen nicht wieder die Puste ausgeht.

Rang 4 – Servette (letzte Saison: 4. Platz)

Servette startete mit dem Ziel Ligaerhalt in die letzte Meisterschaft und beendete sie als bester Aufsteiger (49 Punkte) seit dem Jahr 2013. 

Servette startete mit dem Ziel Ligaerhalt in die letzte Meisterschaft und beendete sie als bester Aufsteiger (49 Punkte) seit dem Jahr 2013.

Urs Lindt/freshfocus

Zuzüge: Alexis Antunes (Chiasso), Moussa Diallo (Cholet/FRA/3.D.), Arial Mendy (Lens/FRA/2.D.), Edin Omeragic (U21)

Abgänge: João Castanheira (Etoile Carouge), Michael Gonçalves (Winterthur), Dennis Iapichino (Sion), Steven Lang (?), Lucas Monteiro (Etoile Carouge), Jung-Bin Park (?), Christopher Routis (Stade-Lausanne-Ouchy), Rayan Souici (Saint-Etienne), Sébastien Wüthrich (?). Quelle: SFL

Aussicht: Neben dem FC St. Gallen war Servette die grösste Überraschung in der vergangenen Saison. Die Genfer starteten mit dem Ziel Ligaerhalt in die Meisterschaft und beendeten sie als bester Aufsteiger (49 Punkte) seit dem Jahr 2013. Obwohl man sagt, dass die zweite Saison nach einem Aufstieg die schwierigere ist, besteht wenig Gefahr, dass Servette sich im Abstiegskampf wiederfindet. Dazu ist das Fundament zu gefestigt, das Team zu eingespielt, und die Abgänge hielten sich bisher im Rahmen. Trainer-Routinier Alain Geiger wird wieder die passenden Mittel finden, um der Konkurrenz das Leben schwer zu machen. Gefordert ist der ehemalige Nationalspieler und neue Sportchef der «Grénats», Philippe Senderos, trotzdem: Er muss trotz Schmalhans in der Transferkasse für mehr Breite im Kader sorgen, damit der Mannschaft nicht wie am Ende der letzten Saison die Luft ausgeht. Vor allem in der Offensive ist Bedarf.

Rang 3 – FC St. Gallen (letzte Saison: 2. Platz)

Mit Spassfussball und unbändiger Offensivlust sorgte der FC St. Gallen in der abgelaufenen Saison für Spektakel und begeisterte die Fans.

Mit Spassfussball und unbändiger Offensivlust sorgte der FC St. Gallen in der abgelaufenen Saison für Spektakel und begeisterte die Fans.

KEYSTONE

Zuzüge: Orest Shala (Assistent/Union Berlin U15), Kwadwo Duah (Wil), Florian Kamberi (Hibernian/SCO), Basil Stillhart (Thun), Boubacar Traore (Hapoel Kfar Saba/ISR), Lukas Watkowiak (Wehen Wiesbaden/2.B.), Elie Youan (Nantes)

Abgänge: Ioannis Amanatidis (Assistent), Axel Bakayoko (Inter Milan), Moreno Costanzo (Rücktritt), Ermedin Demirovic (Freiburg), Silvan Hefti (YB), Cedric Itten (Glasgow Rangers/SCO), Slimen Kchouk (?), Jonathan Klinsmann (LA Galaxy/USA), Milan Vilotic (?). Quelle: SFL

Aussicht: Mit Spassfussball sorgte der FCSG in der abgelaufenen Saison für viel Spektakel und setzte die Favoriten aus Bern und Basel mächtig unter Druck. Erfolg aber macht sexy. Das mussten auch die Ostschweizer erfahren: Sie verloren mit Cedric Itten und Ermedin Demirovic ihr Offensiv-Powerduo, das zusammen 33 Tore erzielte. Zudem wechselte Leistungsträger und Captain Silvan Hefti in die Hauptstadt zum amtierenden Meister. Das Positive: Die Abgänge spülten wichtige Millionen in die Kasse. Sportchef Alain Sutter wirbelte und holte bereits sechs neue Spieler. Interessant: der Zuzug von Basil Stillhart vom FC Thun. Teleclub-Experte und ehemaliger FCB-Sportdirektor Marco Streller sagte zum Transfer auf bluewin.ch: «Stillhart ist einer, den ich auch bei YB oder Basel gesehen hätte. Ein toller Fussballer mit einem unglaublichen Auge. Da kann man dem FCSG zu diesem Transfer nur gratulieren. Das war ein kluger Schachzug, auch wenn er mit seinen 26 Jahren auch nicht mehr der Allerjüngste ist.» Dafür wird schon Trainer Peter Zeidler sorgen, der sein Team wie im Vorjahr energiegeladen nach vorne pushen wird. Ob es wieder zu ähnlichen viel Erfolg reicht, ist Kaffeesatzlesen, aber der Wille ist da, YB und den FCB wieder unter Druck setzen zu wollen.

Rang 2 – FC Basel (letzte Saison: 3. Platz)

FCB-Trainer Ciriaco Sforza legte sich fest und startet mit Djordje Nikolic als Nummer 1 in die Saison. Wetten, dass Neuverpflichtung Heinz Lindner nicht lange hinter dem Serben anstehen wird?

FCB-Trainer Ciriaco Sforza legte sich fest und startet mit Djordje Nikolic als Nummer 1 in die Saison. Wetten, dass Neuverpflichtung Heinz Lindner nicht lange hinter dem Serben anstehen wird?

Daniela Frutiger/freshfocus

Zuzüge: Ciriaco Sforza (Trainer/Wil), Daniel Hasler (Assistent/Wil), Konstantinos Dimitriou (Wil), Felix Gebhardt (U18), Albian Hajdari (U21), Aldo Kalulu (Swansea/ENG), Heinz Lindner (Wehen Wiesbaden/2.B.), Dimitri Oberlin (Zulte Waregem/BEL), Andrea Padula (Wil), Julian von Moos (Wil)

Abgänge: Marcel Koller (Trainer), Carlos Bernegger (Assistent), Thomas Janeschitz (Assistent), Emil Bergström (Utrecht/NED), Kevin Bua (?), Zdravko Kuzmanovic (?), Jonas Omlin (Montpellier), Eric Ramires (Bahia/BRA), Edon Zhegrova (Genk/BEL). Quelle: SFL

Aussicht: Ciriaco Sforza soll es als Nachfolger von Trainer Marcel Koller richten. Aber, um sportlich wieder den Tritt zu finden, muss der FCB erst zur Ruhe kommen. Denn die Turbulenzen im und um den Verein gehen auch an den Spielern nicht spurlos vorbei. Auch sportlich scheint der FCB nicht, was er einst war. «Verstärkungen» kamen bisher aus der Challenge League oder aus dem eigenen Nachwuchs. Aber der neue Trainer ist stolz, beim FCB zu sein. Bei Ciriaco Sforza ist die Stimmung gut, sind die Jungen gut und auch das Gefühl gut. Trotzdem ging Rotblau im einzigen Testspiel 1:5 gegen Saarbrücken unter – einem Drittligisten in Deutschland notabene. Die zwei Gesichter aus der Vorsaison unter Koller scheint der FCB auch unter dessen Nachfolger noch nicht abgelegt zu haben. Am Donnerstag sah es in der Europa-League-Qualifikation eine Halbzeit gut aus, am Ende zitterte sich Rotblau in Osijek aber zum knappen 2:1-Sieg. Bei einer Niederlage wäre Sforza wohl schon unter Druck gestanden. Aber ähnlich schwache Halbzeiten wären auch in der Liga gar wenig, um YB den Kampf anzusagen.

Rang 1 – BSC Young Boys (letzte Saison: Meister)

Der grösste Coup gelang Sportchef Christoph Spycher mit der Verpflichtung von Silvan Hefti.

Der grösste Coup gelang Sportchef Christoph Spycher mit der Verpflichtung von Silvan Hefti.

Claudio de Capitani/freshfocus

Zuzüge: Roger Assalé (Leganés/ESP), Guillaume Faivre (Thun), Silvan Hefti (St. Gallen), Quentin Maceiras (Sion), Nico Maier (U21), Joschua Neuenschwander (Köniz), Linus Obexer (Lugano), Taulant Seferi (Xamax), Léo Seydoux (Xamax), Jordan Siebatcheu (Stade Rennais/FRA)

Abgänge: Roger Assalé (Dijon/FRA), Samuel Ballet (Wil), Guillaume Hoarau (Sion), Saidy Janko (Porto/POR), Jordan Lotomba (Nizza/FRA), Dario Marzino (Winterthur), Pascal Schüpbach (Winterthur), Frederik Sörensen (Köln), Marco Wölfli (Rücktritt). Quelle: SFL

Aussicht: Gibt es erstmals seit 2009 einen Meister, der nicht aus Basel oder Bern kommt? Die einzigartige Kaderbreite in der Super League spricht einmal mehr für die Berner. Wie zuletzt immer in der jüngsten Vergangenheit hat der Double-Gewinner namhafte Abgänge antizipiert und gut kompensiert. Diese neuen Spieler bringen den nötigen Hunger mit. Der grösste Coup gelang Sportchef Christoph Spycher mit der Verpflichtung von Silvan Hefti. Der 22-Jährige hat sein Potenzial als FCSG-Captain angedeutet. Beim Meister kann er es weiter ausschöpfen und einen grossen Schritt vorwärts machen. Clever: YB schwächt so die Konkurrenz. Das grosse Plus neben der Kaderbreite: Bei YB herrscht Ruhe im Verein, und sie sind zu Hause eine Macht. Das Aus in der Champions-League-Qualifikation war der nötige Schuss vor den Bug, dass auch der Hinterletzte kapiert, dass die Meisterschaft auch für einen Serienmeister kein Selbstläufer wird. Für die Konkurrenz war das Versagen der Berner in Dänemark kein Vorteil. Es bleibt dabei: Es käme einer Überraschung gleich, wenn YB 2021 nicht Meister wird.

Deine Meinung

24 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

R. Asen

19.09.2020, 10:25

Natürlich wird YB Meister. Am Mittwoch haben die Berner klargestellt dass nur die Meisterschaft wichtig ist.

Fussballexperte

18.09.2020, 17:39

wäre GC erstklassig, wäre der Meister klar. So denk ich das Rennen ist offen

Fussball und SchiedsrichterVerband

18.09.2020, 17:31

Nein, es wird keinen anderen Meister als YB oder Basel geben. Dafür wird schon gesorgt. Siehe Vergangenheit.