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Gastronomie in der Krise«Gibts kein Geld bis Ende Januar, kann ich die Miete nicht bezahlen»

Beizen sollen bis Ende Februar geschlossen bleiben, der Branchenverband warnt vor einer Konkurswelle. Beizer erzählen wie es ihnen geht und was eine erneute Schliessung für sie bedeutet.

von
Barbara Scherer
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Johanna von Ott betreibt eine Bar in Chur. Sie hat sich bereits für den Härtefallfonds angemeldet und hofft auf finanzielle Unterstützung bis Ende Januar.

Johanna von Ott betreibt eine Bar in Chur. Sie hat sich bereits für den Härtefallfonds angemeldet und hofft auf finanzielle Unterstützung bis Ende Januar.

Das Bistro mit Vinothek von Martin Huber schreibt trotz Take-away Minus.

Das Bistro mit Vinothek von Martin Huber schreibt trotz Take-away Minus.

Sandro Häfelis Kult Bar Remy steht vor dem Konkurs. Er hofft nun auf Unterstützung vom Bund.

Sandro Häfelis Kult Bar Remy steht vor dem Konkurs. Er hofft nun auf Unterstützung vom Bund.

Kult Bar Remy

Darum gehts

  • Gastrobetriebe sollen bis Ende Februar geschlossen bleiben.

  • Gastrosuisse warnt darum vor einer Entlassungswelle.

  • Vier Beizer erzählen, wie es ihnen im Moment geht.

Bis Ende März könnte die Hälfte aller Betriebe im Gastgewerbe eingehen, warnt Gastrosuisse. Der Bund müsse handeln, sonst komme es zu einer dritten Kündigungswelle in der Branche. Ein Entscheid über die finanzielle Entschädigung für betroffene Betriebe fällt aber erst am 13. Januar.

Betroffene Beizer erzählen, wie es ihnen im Moment geht und was eine Verlängerung des Gastro-Lockdowns bis Ende Februar für sie bedeutet:

Johanna von Ott: «Ich betreibe eine Bar im Welschdörfli in Chur und uns geht es ziemlich schlecht. Der Kanton hat die Lokale bei uns Anfang Dezember geschlossen, darum habe ich mich jetzt für den Härtefallfonds angemeldet. Ob und wie viel ich bekomme, weiss ich noch nicht. Fest steht, bekomme ich kein Geld bis Ende Januar, kann ich nicht mal mehr die Miete bezahlen, geschweige die anderen Rechnungen bei denen ich Stundungen beantragt habe.»

Sandro Häfeli: «Meine Kult Bar Remy in Sirnach steht vor dem Konkurs. Mit jeder Massnahme hat sich unsere finanzielle Lage verschlimmert. Inzwischen habe ich 95 Prozent Umsatzeinbussen. Wenn ich bis Februar nochmals zumachen muss, ist die Bar am Ende. Ich hoffe jetzt darauf, dass ich als Härtefall durchgehe und Unterstützung vom Bund bekomme, damit ich nicht für immer schliessen muss.»

Martin Huber: «Wir laufen auf dem Zahnfleisch. Unser Bistro mit Vinothek im Kanton Bern ist bereits geschlossen und wir verkaufen Take-away. Aber damit machen wir ein Minusgeschäft. Trotzdem bin ich um jeden Franken froh und hoffe inständig auf finanzielle Unterstützung vom Bund, sonst schaffen wir es wahrscheinlich nicht.»

Tom Krehenbühl: «Mein Restaurant ist nach 15 Jahren harter Arbeit wegen Corona zerstört und ich musste den Betrieb schliessen. Jetzt wandere ich mit meiner Freundin nach Kuba aus. Dort haben wir eine kleine Schweinezucht auf die Beine gestellt.»

2,5 Milliarden für Härtefälle

Das Härtefall-Programm zur Unterstüt­zung von Unternehmen in der Coronakrise wurde im Dezember um 1,5 auf 2,5 Milliarden Franken aufgestockt. Davon sollen 750 Millionen Franken gemeinsam von Bund und Kantonen getragen werden, wobei die Kantone 33 Prozent beisteuern sollen. 750 Millionen Franken soll der Bund nötigenfalls als Zusatzbeiträge an die kantonalen Härtefallmassnahmen einschiessen können, ohne dass die Kantone sich finanziell beteiligen. Damit soll der Bundesrat die Möglichkeit erhalten, gezielt jene Kantone zu unterstützen, die besonders stark von Massnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie betroffen sind.

Bist du oder jemand, den du kennst, von Schulden betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Hast du oder jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

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1645 Kommentare
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Entschlackung

11.01.2021, 22:24

Zum einen Hilfe sofort. Unbürokratisch. Wofür bezahlt man Steuern? Andererseits: "Wir machen mit Take-Away ein Verlustgeschäft"?..... jeder der Deckungsbeitragsrechnung gelernt hat weiss: ....aber es verringert die Verluste: Was ist besser 1000 am Tag Verlust zu machen und Geld vom Staat beziehen oder 300 Einnahmen und somit den Verlust auf 700 drücken? Und dann für den Rest Unterstützung bekommen? Soll heissen: Kreativität muss belohnt werden. Wer nicht "Thekenverkauf" machen kann: Ok, dann durchrechnen ob der Laden vorher auf einem soliden Fundament gestanden ist oder schon von Anfang an defizitär war. Sprich: Das tote Pferd weiter reiten bringt nichts. Und an die Wirte und Betreiber die es leider trifft: Changse nutzen und neu anfangen. Der Staat soll euch den Rücken für einen Neuanfang frei halten. Aber nicht einfach durchfüttern. Als dies bedeutet jedoch viel Bürokratie. Und das dauert Zeit. Und hilft den Leuten jetzt nicht. Geld sofort und wer betrügt: Hart anpacken.

Stefan Balz

11.01.2021, 20:25

Der Tenor hier in diesem Forum ist anscheinend klar. Ist allen egal wenn die Beizen Konkurs gehen. Dann stehen aber auch 250.000 Menschen beim RAV vor der Türe. Aha ja, und kochen müsst ihr dann für immer selber. Wünsche en Guete.

RentnerinSW

11.01.2021, 18:55

À-fonds-perdu-Beiträge möchte ich auch. Ich hatte viele zusätzliche Auslagen und musste neben der psychischen Belastung noch eine finanzielle bewältigen. Der Staat soll jedem älteren Bürger, die besonders betroffen sind, eine Entschädigung zahlen.