Banker aufgepasst!: Gier macht blind und keineswegs besonnen
Publiziert

Banker aufgepasst!Gier macht blind und keineswegs besonnen

Wer zu viel will, macht vieles falsch. Denn lockt eine Belohnung, werden Risiken unterschätzt und Warnsignale ignoriert. Demnach fördern Boni nicht die Vernunft.

von
fee
Forscher haben jetzt bestätigt, was die Öffentlichkeit schon lange vermutet hat.

Forscher haben jetzt bestätigt, was die Öffentlichkeit schon lange vermutet hat.

Erst Immobilienkrise, dann Finanzkrise: Geschehnisse wie diese warfen die Frage auf, warum so viele Menschen auf einmal sämtliche Risiken ignoriert haben. War es die schiere Gier, die sie unvorsichtig werden liess, oder steckte noch mehr dahinter?

Diesen Fragen sind Forscher der Universität Würzburg nachgegangen. Für ihre Studie liess das Team um Johannes Hewig Wirtschaftsstudenten zunächst einen Fragebogen ausfüllen, mit dem der Grad ihrer Gier festgestellt werden sollte. Diese war nach Definition der Forscher durch die Bereitschaft gekennzeichnet, dass das Streben der Teilnehmer nach mehr auf Kosten von anderen geht.

Platzt er oder platzt er nicht?

In einem weiteren Test wurde die Risikobereitschaft und die Fähigkeit der Probanden, aus ihren Fehlern zu lernen, ermittelt. Dafür sollten sie einen virtuellen Luftballon so weit wie möglich aufpumpen. Dabei galt: Je praller der Ballon, desto grösser war die Belohnung. Platzte er jedoch, verloren sie alles.

Um zu sehen, was während der Risiko-Aufgabe im Kopf der Teilnehmer vor sich geht, zeichneten Hewig und seine Kollegen deren Hirnströme auf. Die Auswertung ergab, dass nicht alle Gehirne rund 280 Millisekunden nach der Beendigung des Experiments (Platzen oder Nicht-Platzen des Ballons)mit einer sogenannt feedbackbezogenen Negativierung reagierten. Diese zeigt normalerweise an, ob ein Ereignis besser oder schlechter als erwartet ist. Sie ist zudem Teil des Denkprozesses und ermöglicht uns, aus Fehlern zu lernen.

Ignorant und risikoliebend

Doch bei den Teilnehmern, die sich im ersten Test als gierig entpuppt hatten, trat diese Veränderung im Gehirn nicht auf. Unabhängig vom Ergebnis hatten sie die gleiche Hirnaktivität. Das könnte bedeuten, dass gierige Menschen Schwierigkeiten haben, aus Fehlern zu lernen und ihr Verhalten anzupassen, schreiben die Forscher im Fachjournal «Social Neuroscience».

Das deute darauf hin, dass Gier riskantes Verhalten fördert. Dabei sei der Effekt besonders stark, wenn die Gier zuvor geweckt worden sei – beispielsweise durch die Aussicht auf eine Belohnung. Solche aktivierenden Einflüsse könnten beispielsweise ein hoher Bonus auf finanzielle Erfolge oder auch Aspekte der Unternehmenskultur sein.

Warum das so ist, ist noch offen. Möglich sei aber, dass gierige Personen, die wenig Rücksicht auf andere nähmen, negative Reize oder Warnsignale schlichtweg ignorierten.

Wer den Film «The Wolf of Wall Street» (2013) gesehen hat, ist von den Studienergebnissen nicht überrascht. (Video: Youtube/Paramount Pictures)

Deine Meinung