Liestal: Giesserei verweigert Sozialplan
Aktualisiert

LiestalGiesserei verweigert Sozialplan

Die Giesserei Erzenberg entlässt 50 ihrer 68 Arbeiter. Die Geschäftsleitung will keinen Sozialplan anbieten und sieht sich mit schweren Vorwürfen der Belegschaft konfrontiert.

von
Lukas Hausendorf
Die vor der Kündigung stehenden Mitarbeiter der Giesserei Erzenberg werfen der Geschäftsführung Misswirtschaft vor.  (Archivbild)

Die vor der Kündigung stehenden Mitarbeiter der Giesserei Erzenberg werfen der Geschäftsführung Misswirtschaft vor. (Archivbild)

Vor zehn Tagen wurde publik , dass die Liestaler Traditionsgiesserei Erzenberg fast vor dem Ruin steht und 50 der 68 Angestellten entlassen muss. Der Geschäftsleiter und Verwaltungsratspräsident Albert Lehmann sprach damals von einer menschlichen Tragödie. «Hinter jedem stehen mehrere Familienmitglieder, die alle mit betroffen sind», sagte er gegenüber dem «SRF Regionaljournal» damals.

Mittlerweile ist von der damals vorgeführten Empathie wenig übrig geblieben. Die Giesserei verweigert laut der Gewerkschaft Unia einen Sozialplan und stelle frühzeitige Pensionierungen in Frage. Tatsächlich ist die Giesserei Erzenberg nicht gesetzlich verpflichtet, einen Sozialplan auszuarbeiten, obwohl sie eine Massenentlassung vornimmt. Zwingend ist dies nur für Betriebe mit mehr als 250 Mitarbeitenden. Zudem ist die Firma keinem Gesamtarbeitsvertrag angeschlossen.

Arbeiter beklagen Misswirtschaft

Die 1840 gegründete Traditionsgiesserei kam nach eigenen Angaben ins Schlingern, weil sich seit Jahren das Massengeschaft mit Kanalisationsdeckeln nicht mehr kostendeckend betreiben lasse. Eine Begründung, die Hansueli Scheidegger, Sektionsleiter der Unia Nordwestschweiz, nicht gelten lässt. «Die Giesserei hat den Anschluss verpasst und Mitarbeiter sagen, dass über Jahre nichts in die Modernisierung des Betriebs investiert wurde.» Ein Eindruck, der auch entsteht, wenn man im Internet vergebens nach einer Präsenz der Firma sucht.

Die Mitarbeiter beklagten laut Scheidegger schon seit Jahren die fehlende Wandlungsfähigkeit und monierten Fehler in den Betriebsabläufen: «Dies stiess immer auf taube Ohren und wurde mit Einschüchterungen beantwortet.» Die Belegschaft fordert nun von der Geschäftsleitung die Herausgabe der Unternehmenszahlen, um Vorschläge für die Fortführung des Betriebs zu machen.

Geschäftsleitung weist Vorwürfe zurück

Die Geschäftsleitung wies sämtliche Vorwürfe zurück, als sie am Freitag von 20 Minuten damit konfrontiert wurde. Sie seien unhaltbar und nicht zielführend, weshalb sie nicht weiter kommentiert würden, schreiben die Verwaltungsräte Albert und Eveline Lehmann. Auch seien Frühpensionierungen nicht ausgeschlossen. Zuerst müssten aber technische Fragen in Zusammenhang mit dem gesamten Vorsorgewerk geklärt werden.

Lehmann steht zwar dazu, dass kein Sozialplan ausgearbeitet werde, verspricht aber, dass die Giesserei Erzenberg ihrer sozialen Verantwortung nachkommen wird. «Die negativen Folgen der Kündigungen werden durch einen patronalen Wohlfahrtsfonds gemildert. Daneben wird dieser auch Rückstellungen für Härtefälle bilden; Abgangsentschädigungen werden ausgerichtet, sofern sie gesetzlich vorgesehen sind», heisst es in einer schriftlichen Stellungnahme.

Bis Ende August würden nun auch die eingegangenen Vorschläge zur Weiterführung des Massenkanalisationsgeschäfts geprüft. Die Kündigungen würden Ende August unter Einhaltung der ordentlichen Fristen erfolgen.

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