Attentat von Tucson: Giffords gedenkt Opfer und denkt an Comeback

Aktualisiert

Attentat von TucsonGiffords gedenkt Opfer und denkt an Comeback

Vor einem Jahr wurde die US-Abgeordnete Gabrielle Giffords bei einem Attentat in Tucson lebensgefährlich verletzt. Sie ist nach wie vor stark handicapiert, will aber zurück nach Washington.

von
pbl
Gabrielle Giffords und Ehemann Mark Kelly bei der Einweihung eines Gedenkwegs für ihren beim Attentat erschossenen Mitarbeiter Gabe Zimmerman.

Gabrielle Giffords und Ehemann Mark Kelly bei der Einweihung eines Gedenkwegs für ihren beim Attentat erschossenen Mitarbeiter Gabe Zimmerman.

Am 8. Januar 2011 hatte der 22-jährige Jared Loughner bei einem Treffen Giffords' mit Bürgern ein Blutbad angerichtet, bei dem sechs Menschen ums Leben kamen – darunter ein neunjähriges Mädchen – und 13 verletzt wurden. Gabrielle Giffords wurde aus nächster Nähe in den Kopf geschossen. Der festgenommene Schütze hat sich für nicht schuldig in insgesamt 49 Anklagepunkten erklärt. Bei ihm wurde eine manisch-depressive Erkrankung diagnostiziert.

Ein Jahr danach nahmen am Sonntag hunderte Menschen an einem Gedenkgottesdienst in Tucson teil. Um 10.11 Uhr morgens (18.11 Uhr MEZ), der Uhrzeit, zu der der Schütze vor einem Jahr das Feuer eröffnet hatte, läuteten die Glocken. Viele der versammelten Menschen fielen sich in die Arme und weinten. Bereits am Samstag hatten Giffords und ihr Mann, der ehemalige Astronaut Mark Kelly, den Tatort vor einem Einkaufszentrum besucht.

Obama würdigt Giffords

Kelly veröffentlichte ein Foto auf Twitter und schrieb, seine Frau habe sich an die Stelle erinnert, an der sie am Tag des Attentats ihr Auto geparkt hatte. Zudem besuchte das Ehepaar die Klinik, in der Gabrielle Giffords behandelt worden war. In einer Mahnwache am Sonntagabend leistete die noch immer stark handicapierte Politikerin den amerikanischen Treueschwur gemeinsam mit den Zuhörern der Gedenkveranstaltung an der Universität von Arizona. Ihr Mann trat mit ihr aufs Podium und half ihr, die Hand zum Schwur zu heben.

US-Präsident Barack Obama sprach Giffords in einem Telefongespräch am Sonntag seine Unterstützung aus, wie das Weisse Haus mitteilte. Der Präsident habe Giffords als Inspiration für seine Familie und alle Amerikaner gewürdigt. Mit intensiver Physio- und Sprechtherapie hat Giffords grosse Fortschritte erzielt. Über ihren mühsamen Weg schrieb die 41-Jährige gemeinsam mit ihrem Mann und einem Ghostwriter das Buch «Gabby: A Story of Courage and Hope» (Eine Geschichte von Mut und Hoffnung).

An einer Abstimmung teilgenommen

Offensichtlich denkt Gabriele Giffords an eine Rückkehr nach Washington. Sie sei hoch motiviert, sagen Ehemann Mark Kelly und andere ihr nahestehende Personen. Allerdings wird ihr politisches Comeback von ihrer weiteren Genesung abhängen. In ihrem bislang einzigen Fernsehinterview zehn Monate nach dem Attentat wurden ihre Fortschritte für die Öffentlichkeit sichtbar – aber auch, wie weit der vor ihr liegende Weg noch ist. Sie sprach nicht in vollständigen Sätzen und wiederholte ihre Worte, um sie zu betonen. «Nein, besser. Hm. Besser, besser», antwortete sie auf die Frage nach ihrer Rückkehr nach Washington.

Seit dem Attentat nahm Giffords nur an einer einzigen Kongressabstimmung teil. Im August überraschte sie ihre Kollegen im Kapitol, als sie für das Votum über die Erhöhung der Schuldenobergrenze der USA nach Washington kam. Die Debatte war die am härtesten geführte Auseinandersetzung des Jahres. Giffords Mitarbeiter führen die Arbeit ihres Kongressbüros weiter. Bei wichtigen Themen sprechen sie sich mit der Abgeordneten ab. Inzwischen nimmt sie auch einmal die Woche an einer Telefonkonferenz mit ihren Mitarbeitern teil.

Schicksal bewegt die Menschen

Anfang der Weihnachtswoche waren bereits 24 880 Briefe aus aller Welt in Giffords Büro eingegangen. Ihr Schicksal bewegt die Menschen. Schüler aus 428 Schulen schickten Genesungswünsche per Postkarte. Viele der Briefe enthalten kleine Präsente wie Bilder, Bücher oder CDs mit der Lieblingsmusik des Absenders. «Fast jeden Tag erhalten wir mehr Geschenke», sagt Giffords Sprecher Mark Kimble. Auch Giffords Abgeordnetenkollegen haben sie nicht vergessen. Bei mehreren Spendensammlungen für ihren möglichen Wahlkampf kamen bis Ende September über 800 000 Dollar zusammen.

«Wir freuen uns darauf, sie hoffentlich bald zurück begrüssen zu dürfen», liess die Fraktionsvorsitzende der Demokraten, Nancy Pelosi, Giffords ausrichten. Bis zum 30. Mai muss sich Giffords entscheiden, ob sie bei den Wahlen im November antritt. Sie werde aber nicht bis zum letzten Moment warten, sagte Mark Kelly Medienvertretern in Arizona. Möglicherweise werde sie aber auch erst 2014 wieder antreten. (pbl/dapd)

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