Methylquecksilber: Gift macht Ibisse schwul
Aktualisiert

MethylquecksilberGift macht Ibisse schwul

Ein weit verbreitetes Umweltgift macht Weisse Ibisse homosexuell. Dadurch sinkt logischerweise der Bruterfolg der gesamten Kolonie. Ausserdem brüten auch heterosexuelle Vögel weniger.

Umweltgift macht Ibisse schwul.

Umweltgift macht Ibisse schwul.

In Kolonien, in denen die Vögel experimentell über Jahre dem sogenannten Methylquecksilber ausgesetzt waren, kommt es laut Forschern zu einer merklichen Zunahme von rein männlichen Brutpaaren.

Dadurch sinke der Bruterfolg der gesamten Kolonie, schreibt ein Team um Peter Frederick von der Universität von Florida in Gainesville im Fachmagazin «Proceedings of The Royal Society B». Auch die heterosexuellen Paare zögen weniger Jungvögel gross als solche, die dem Schadstoff nicht ausgesetzt sind.

Methylquecksilber ist die biologisch aktivste Form von Quecksilber. Es kann etwa das Nervensystem schädigen oder den Hormonhaushalt durcheinanderbringen. Die Forscher hatten Weissibisse (Eudocimus albus), gefangen und in grossen Volieren mehr als drei Jahre mit Futter gefüttert, das mit Methylquecksilber versetzt war.

Weniger Nester und Eier

Die Konzentrationen in den drei Versuchsgruppen entsprachen Dosierungen, die auch freier Wildbahn vorkommen. Eine vierte Gruppe von Ibissen bekam schadstofffreies Futter. Es zeigte sich, dass es in den einzelnen Kolonien mit steigender Quecksilberdosis mehr Männerpaare gab, ihr Anteil betrug bis zu 55 Prozent.

Von einer solchen Auswirkung des Methylquecksilbers sei bisher nicht berichtet worden, schreiben die Forscher. In einer Kolonie wildlebender Ibisse, die nur sehr geringen Quecksilber-Dosen ausgesetzt sei, sei über vier Brutsaisons kein einziges homosexuelles Paar beobachtet worden.

In den drei Versuchsgruppen gab es auch insgesamt weniger Nester mit Eiern als in der Kontrollgruppe. Zum Grossteil lag dies an den homosexuellen Paaren, aber auch die heterosexuellen Paare bekamen weniger Junge. Die Forscher berichten weiter, dass die männlichen Tiere der Versuchsgruppen ein verändertes Paarungsverhalten an den Tag legten.

Weniger aggressiv

Dieses veränderte Paarungsverhalten hatte Folgen: Den Männchen näherten sich ihnen weniger weibliche Tiere. Die Vogelmännchen waren auch weniger aggressiv als die der Kontrollgruppe. Dennoch sei ihr Verhalten als typisch männlich zu bezeichnen.

Wenn das Methylquecksilber auch im Freiland die Zahl männlicher Paare steigere, könne es die Entwicklung der gesamten Vogelkolonie verändern. Das Umweltgift reichert sich etwa in Raubfischen und Vögeln an und hat zahlreiche schädliche Wirkungen auf Wirbeltiere einschliesslich des Menschen. (sda)

Deine Meinung