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Tödliche TherapiesitzungGiftarzt machte Ausbildung in der Schweiz

Tödliches Ende einer mysteriösen Psycho-Therapiesitzung in Berlin: Ein 50-jähriger Arzt hat eingeräumt, seinen insgesamt zwölf Opfern verschiedene Substanzen und Drogen verabreicht zu haben. Dabei starben zwei Männer, ein weiterer liegt im Koma. Seine Ausbildung absolvierte der deutsche Arzt beim Solothurner Psychiater Samuel Widmer.

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Bei einem Drogenexperiment in einer mysteriösen Psycho-Therapiesitzung in Berlin sind ein 59- und ein 28-Jähriger getötet worden. Ein 55-jähriger Mann schwebt noch in Lebensgefahr, die anderen neun Sitzungsteilnehmer sind mittlerweile wieder aus den Spitälern entlassen worden (20 Minuten Online berichtete). Der nach dem Gifttod festgenommene deutsche Arzt Garik R. räumte ein, seinen insgesamt zwölf Opfern verschiedene Substanzen und Drogen verabreicht zu haben, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft gegenüber der Nachrichtenagentur AP sagte.

Gegen den Arzt ermittelt nun eine Mordkommission. Die Ermittler gehen allerdings von einem ärztlichen «Kunstfehler» aus. Es werde nicht angenommen, dass der 50-jährige Arzt jemanden vorsätzlich habe töten wollen. Er bleibe aber vorläufig in Haft, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Ausbildung bei Schweizer Psychiater

Der Arzt wirbt mit tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie, psycholytischer Psychotherapie, Körper- und Gestalttherapie sowie Hilfe bei spirituellen Krisen. Bei der psycholytischen Psychotherapie werden Substanzen wie LSD genutzt, um Unterbewusstes ans Tageslicht zu befördern. Diese Methoden eignete sich R. beim Schweizer Psychiater Samuel Widmer an.

Widmer gilt als Hauptvertreter der «psycholytischen Psychotherapie». Dabei soll bei Patienten, die an existentiellen Ängsten und Suchterkrankungen leiden, mit «bewusstseinserweiternden Substanzen» psychische Blockaden gelöst und ins Unterbewusstsein vorgedrungen werden. Widmer bestätigte zunächst gegenüber der «Mittelland Zeitung», den Berliner Arzt vor zehn Jahren in seine Methode eingeführt zu haben.

Widmer ist im solothurnischen Nennigkofen vor allem wegen seiner «Kirschblütengemeinschaft» bekannt - eine Gruppierung, die sich mit «den grossen Lebensfragen um Liebe, Nähe, Beziehung, Unverbrüchlichkeit, befreiter Sexualität, Erziehung, Glücksfähigkeit und Erleuchtung» beschäftigt. Widmer sorgte mit seinen Äusserungen zu Inzest für Aufruhr: Vater und Tochter sowie Bruder und Schwester sollen sich uneingeschränkt lieben können, wenn sie füreinander bestimmt sind, meint er.

Wie es zu den Todesfällen in Berlin kommen konnte, wisse Widmer auch nicht. Er habe gehört, dass R. mit einer neuen Substanz arbeite, für die er aber eine Bewilligung habe. Widmer selber hatte bis 1993 eine Bewilligung vom Bund, um Substanzen wie LSD oder Ecstasy verabreichen zu dürfen. Heute benutze er aber nur legale Substanzen wie Ketamin und Ephedrin. Dass der Vorfall in Berlin seine Methode in Verruf bringen könnte, macht ihm Sorgen. «Das ist ein Rückschlag für den Einsatz von bewusstseinserweiternden Substanzen in der Psychotherapie.»

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