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AfghanistanGiftgas-Anschlag auf Mädchenschule

In Afghanistan sind in den vergangenen Tagen mehr als 80 Schülerinnen unter mysteriösen Umständen erkrankt. Die Regierung glaubt an einen Anschlag mit Giftgas.

Zunächst erkrankten am Mittwoch 23 Schülerinnen in der Provinz Kundus. Am Wochenende klagten dann weitere 60 Mädchen über Brechreiz und Schwindelgefühle. Alle berichteten, bevor die Beschwerden aufgetreten seien, habe es in ihren Klassenräumen eigenartig gerochen.

Der Direktor des örtlichen Krankenhauses sagte, zahlreiche Mädchen litten noch immer unter Schmerzen, Schwindel und Übelkeit. Erste Blutuntersuchungen seien wenig aufschlussreich gewesen, erklärte das Gesundheitsministerium in Kundus. Die Proben sollen nun für weitere Tests nach Kabul geschickt werden.

Taliban wollen es nicht gewesen sein

Ein Behördensprecher mutmasste, für die Beschwerden könnten Gegner eines Schulbesuchs verantwortlich sein, die einen Giftanschlag verübt hätten. Ein Sprecher des Präsidenten Hamid Karsai erklärte, jeder Versuch, Mädchen von der Schule fernzuhalten, sei ein «terroristischer Akt».

Ein Sprecher der radikal-islamischen Taliban wies eine Verwicklung in die Anschläge zurück und erklärte, möglicherweise steckten andere regierungsfeindliche Gruppierungen hinter den Angriffen.

Massenhysterie?

Bereits im vergangenen Jahr waren in der Provinz Kapisa zahlreiche Schülerinnen wegen Kopfschmerzen und Übelkeit ins Krankenhaus gebracht worden. Sie berichteten von einem ungewöhnlichen Geruch auf dem Schulhof.

Die Regierung machte daraufhin die Taliban für die Erkrankungen verantwortlich. Doch Untersuchungen ähnlicher Vorkommnisse in anderen Landesteilen kamen zu dem Ergebnis, dass es sich auch um Fälle von Massenhysterie gehandelt haben könnte. (sda/dapd)

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