Syrien: Giftgasattacke während UN-Besuch?
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SyrienGiftgasattacke während UN-Besuch?

Haben Assads Truppen einen Giftgas-Angriff gestartet? Laut Opposition wurden über 400 Menschen getötet. UN-Waffeninspektoren halten sich in Damaskus auf.

Nach Angaben der syrischen Opposition sind bei einer Giftgas-Attacke der Regierungstruppen im Grossraum Damaskus Dutzende Menschen getötet worden. Das in Grossbritannien ansässige oppositionelle Beobachtungszentrum für Menschenrechte berichtete, am Mittwoch seien Raketen mit Giftgas in den östlichen Vororten von Damaskus eingeschlagen. Betroffen sind demnach vor allem der Bezirk Al-Ghuta Al-Scharkija, der als Hochburg des Widerstandes gegen Präsident Baschar al-Assad gilt, sowie Moadhamijat al-Scham.

Lokale Revolutionskomitees gaben 468 Tote an. Die Angaben konnten von unabhängiger Seite zunächst nicht überprüft werden. Die syrische Regierung bestreitet die Vorwürfe.

Das in Grossbritannien ansässige oppositionelle Beobachtungszentrum für Menschenrechte berichtete, am Mittwoch seien Raketen mit Giftgas in den östlichen Vororten Samalka, Arbeen und Ein Tarma eingeschlagen. Dabei seien Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Von Regierungsseite war zunächst kein Kommentar zu erhalten.

UNO-Team in der Nähe

Die Berichte lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen. Betroffen seien vor allem der Bezirk Al-Ghuta Al-Scharkija, der als Hochburg des Widerstandes gegen Präsident Baschar al-Assad gilt, sowie Moadhamijat al-Scham, hiess es. Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter bestätigte die Angriffe unter Berufung auf eigene Informanten vor Ort, nannte jedoch keine Opferzahlen. Sie rief die Chemiewaffen-Experten auf, die bombardierten Dörfer zu besuchen.

In der syrischen Hauptstadt hält sich derzeit ein Team der UNO auf, das den Einsatz von Giftgas im syrischen Bürgerkrieg untersuchen soll. Die Regierung hat den Experten jedoch bislang nur gestattet, drei Orte aufzusuchen, in denen Chemiewaffen zum Einsatz gekommen sein sollen.

Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) stellt die Chemiewaffen-Inspektoren für die UNO-Mission. Sprecher Michael Luhen teilte auf Anfrage von 20 Minuten mit, dass sich die Organisation aus Gründen der Sicherheit nicht zu Details der Mission äussert, solange ihr Personal vor Ort ist.

Verdächtige Symptome

«Der angebliche Chemiewaffen-Angriff in Damaskus sieht schlimm aus», twittert Selfmade-Waffenspezialist und Syrienkenner Eliott Higgins. Auf den zahllosen Videos seien «wirklich entsetzliche» Szenen zu sehen: Symptome wie blaue Lippen, Schaum vor dem Mund, Krämpfe und Atemnot.

Auch Higgins ist gespannt darauf, wie die Waffeninspektoren der UNO reagieren werden, die sich nur wenige Kilometer entfernt in einem Hotel im Zentrum Damaskus aufhalten. «Bisher gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass sie ihr Hotel verlassen haben.» Wie der ehemalige Schweizer Waffeninspektor Stefan Mogl vergangene Woche im Interview mit 20 Minuten betonte, kann sich das Expertenteam nur mit einer bewaffneten Eskorte bewegen.

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