Aktualisiert 08.08.2016 09:46

Dornfinger

Giftige Spinne beisst auch in der Schweiz zu

Sie ist 1,5 Zentimeter gross und wehrt sich, wenn man ihr zu nahe kommt: Die Dornfingerspinne kann uns beissen und schlägt mehrmals pro Jahr zu.

von
ann
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Diese Spinne sorgt derzeit in Deutschland für Aufregung.

Diese Spinne sorgt derzeit in Deutschland für Aufregung.

Wikimedia commons
Die Ammen-Dornfinger-Spinne kommt eigentlich aus dem Mittelmeerraum, ist aber schon lange auch in unseren Gefilden heimisch.

Die Ammen-Dornfinger-Spinne kommt eigentlich aus dem Mittelmeerraum, ist aber schon lange auch in unseren Gefilden heimisch.

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Die Spinne ist nicht sonderlich gross und sieht auf den ersten Blick harmlos aus.

Die Spinne ist nicht sonderlich gross und sieht auf den ersten Blick harmlos aus.

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In Berlin geht derzeit die Angst vor der giftigen Dornfingerspinne um. Das deutsche Tropeninstitut meldet eine Häufung von Bissvorfällen. Ein Berliner Spinnenexperte warnt, dass die Spinnenweibchen, die sich gern im hohen Gras aufhalten, derzeit zubeissen, weil sie ihr Nest beschützen.

Auch in der Schweiz kommt die Spinne vor. Laut Hugo Kupferschmidt, Direktor von Toxinfo Suisse, verzeichnet der Giftnotruf im Durchschnitt einen gesicherten Fall eines Bisses durch eine Dornfingerspinne pro Jahr. Man habe aber um die fünfzig Meldungen von mutmasslichen Spinnenbissen. Kupferschmidt geht zudem von einer gewissen Dunkelziffer aus. «Leute, die von einer Spinne gebissen werden, sich dessen aber nicht bewusst sind und uns darum nichts melden.»

Biss ist nicht gefährlicher als Bienenstich

Der Biss einer Dornfingerspinne sei deshalb aussergewöhnlich, weil diese es mit ihren beachtlichen Klauen schaffe, tief in unsere Haut einzudringen und ihr Gift zu injizieren. «Das unterscheidet sie von den anderen Spinnen hierzulande.» Denn die meisten Spinnen in der Schweiz seien giftig. «Aber ausser der Dornfingerspinne schaffen es nur ganz wenige, in der Regel aussergewöhnlich grosse Exemplare, uns wirklich zu beissen», so Kupferschmidt.

Der Biss einer Spinne sei nicht gefährlicher als ein Stich einer Wespe oder Biene. «Die meisten spüren ein Stechen und Brennen und dann schwillt es um die Bissstelle herum etwas an.» Wie bei den Bienen und Wespen könne es im Ausnahmefall aber zu gefährlichen Reaktionen kommen. «Von einer sehr starken Schwellung über eine Blutvergiftung bis hin zu einer extremen allergischen Reaktion.»

Die Dornfingerspinne lebt gern in Wiesen

«In der Schweiz kommen sieben Arten der Dornfinger-Spinne vor», sagt Wolfgang Nentwig, Biologie-Professor an der Uni Bern. In der Regel handelt es sich bei der Art, die gelegentlich Menschen beisst, um die Cheiracanthium punctorium, die sogenannte Ammen-Dornfinger. Sie wird etwa 1,5 Zentimeter gross und ihr Körper hat eine rot-orange Warnfarbe.

Diese Art ist in der Schweiz weit verbreitet und lebt mit Vorzug in niedriger Vegetation. «Das kann eine Wiese, am Waldrand, im Rebberg oder im eigenen Garten sein.» Gelegentlich werde die Ammen-Dornfinger auch in Gebäuden gefunden.

Diese Art könne Menschen beissen, vor allem wenn man versuche, das Tier zu fangen oder es versehentlich quetsche. Nentwig: «Der Biss verursacht einen sofortigen stark brennenden Schmerz, vergleichbar mit einem Wespenstich.»

Bei einer zweijährigen Spinnenbissstudie in der Schweiz wurden 2011/12 alle Schweizer Ärzte gebeten, alle Spinnenbisse zu melden. Nentwig: «Das ergab in zwei Jahren 14 überprüfbare Meldungen, von denen vier auf Dornfinger entfielen.» Nentwig geht von einer beträchtlichen Dunkelziffer aus.

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