Strafgericht BL - Vergiftungen waren erfunden – Strafgericht spricht Pflegerinnen von Mordanklage frei
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Strafgericht BLVergiftungen waren erfunden – Strafgericht spricht Pflegerinnen von Mordanklage frei

Am Donnerstag eröffnete das Baselbieter Strafgericht das Urteil gegen zwei Pflegerinnen. Sie wurden von der Staatsanwaltschaft beschuldigt, mehrfach versucht zu haben, eine Frau im Laufner Pflegeheim Rosengarten zu vergiften.

von
Lukas Hausendorf
Steve Last
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Im Altersheim Rosengarten in Laufen BL sollen zwei Pflegerinnen 2018 versucht haben, eine Bewohnerin mit Gift zu töten.

Im Altersheim Rosengarten in Laufen BL sollen zwei Pflegerinnen 2018 versucht haben, eine Bewohnerin mit Gift zu töten.

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Dazu soll die Hauptbeschuldigte Erdbeertörtchen mit Gift versehen haben.

Dazu soll die Hauptbeschuldigte Erdbeertörtchen mit Gift versehen haben.

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Die Seniorin landete zudem nach dem Morgentee auf der Intensivstation. Auch der soll vergiftet gewesen sein.

Die Seniorin landete zudem nach dem Morgentee auf der Intensivstation. Auch der soll vergiftet gewesen sein.

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Darum gehts

  • Eine 32-jährige Pflegerin stand unter Mordanklage, weil sie versucht haben soll eine Seniorin im Pflegeheim Rosengarten in Laufen vergiftet zu haben. Eine Arbeitskollegin wurde wegen Gehilfenschaft angeklagt.

  • Die Staatsanwaltschaft ging von mehrfachen versuchten Mordes sowie Gehilfenschaft aus und forderte eine zehn- und eine vierjährige Freiheitsstrafe für die Beschuldigten.

  • Die Verteidiger forderten Freisprüche. Es gebe keine Beweise für eine Vergiftung, das mutmassliche Opfer habe sich alles nur ausgedacht.

  • Das Strafgericht eröffnete am Donnerstag sein erstinstanzliches Urteil. Es ist noch nicht rechtskräftig.

Eine 32-jährige Pflegerin, die wegen mehrfachen versuchten Mordes angeklagt war, wurde am Donnerstag freigesprochen. Eine 45-jährige wegen Gehilfenschaft Mitbeschuldigte wurde ebenfalls freigesprochen. Ihr wurde zudem eine Wiedergutmachung über 12’000 Franken zugesprochen. Einen Schuldspruch gab es wegen Veruntreuung von 20’000 Franken. Diesen Anklagepunkt hatte die 32-jährige Beschuldigte zugestanden. Dafür wurde sie zu einer bedingten Freiheitsstrafe von neun Monaten und zur Rückzahlung der Summe zuzüglich fünf Prozent Zins verurteilt.

Die Staatsanwaltschaft warf den beiden Pflegerinnen des Altersheims Rosengarten in Laufen BL vor, Ende 2018 dreimal eine heute 80-jährige Bewohnerin vergiftet zu haben. Gegen die Hauptbeschuldigte (32) wurde Anklage wegen mehrfachen versuchten Mordes erhoben und eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren gefordert. Ihre mutmassliche Komplizin sollte wegen Gehilfenschaft für vier Jahre ins Gefängnis.

Die Verteidiger forderten für ihre Mandantinnen Freisprüche in den Hauptanklagepunkten. Sie verwiesen auf ein Gutachten, laut dem bei der Seniorin keine Rückstände der vermuteten Gifte gefunden wurden. Zudem zweifelten sie die Glaubhaftigkeit der 80-Jährigen an. Auch an der Anklageschrift liessen sie kein gutes Haar: Diese sei so breit gestreut, dass sich das Gericht am Ende irgendeinen Straftatbestand aussuchen könne.

Ersthafte Zweifel an Tatvorwürfen

«In der Anklage erschien zunächst alles klar», führte Gerichtspräsidentin Annette Meyer Lopez aus. Nachdem die alte, vermögende Dame von der Veruntreuung erfahren hatte, habe «im Nachhinein alles ein klares Bild» ergeben. Die Beschuldigte hatte Geldprobleme, eine von Gewalt geprägte Ehe, Selbstmordgedanken und im Internet über Giftpflanzen recherchiert und letztlich sogar Rizinus-Samen und Blauen Eisenhut erworben.

Das Gericht hatte schliesslich «ernsthafte Zweifel», dass es die vorgeworfenen Vergiftungen überhaupt gegeben hat. So hatte etwa das medizinisch-wissenschaftliche Gutachten keine Hinweise auf eine Vergiftung der alten Dame gefunden. Das Basler Institut für Rechtsmedizin hatte nach der Attacke mit einem vermeintlich vergifteten Tee am 1. Dezember 2018 eine Urinprobe des Opfers ausgewertet und keine Spuren der vermuteten Gifte Rizin und Blauer Eisenhut gefunden. Zudem hielt es fest, dass bei Vergiftungen zunächst immer Magen-Darm-Probleme auftreten würden, was hier nicht der Fall gewesen sei. Zum Zeitpunkt, als die alte Dame die vermeintlich vergifteten Brötchen und das Erdbeertörtchen erhalten hatte, konnte der Beschuldigten der Besitz der Giftpflanzen gar nicht nachgewiesen werden.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

Agredis, Gewaltberatung von Mann zu Mann, Tel. 078 744 88 88

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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