Aktualisiert 12.12.2006 21:05

Giganten-Duell in Basel

Die erste Schwergewichts-WM-Kampf in der Schweiz wird vom organisierenden deutschen Sauerland-Boxstall unter das Motto «Nacht der Leidenschaft» gestellt.

Am 20. Januar werden in der Basler St. Jakobshalle der russische Titelhalter Nikolai Walujew (33) und der Herausforderer Jameel McCline (36) aus den USA über zwölf angesetzte Runden um den WBA-WM- Titel kämpfen. Das Budget der Veranstaltung beläuft sich inklusive der Börsen der beiden Boxer auf rund vier Millionen Franken.

Mit dem «Giganten-Duell» zwischen Walujew (2,13 mg/147 kg) und McCline (1,98 m/rund 115 kg) gastiert erstmals seit Muhammad Alis Nicht-Titelkampf gegen Jürgen Blin vor dreieinhalb Jahrzehnten im Zürcher Hallenstadion wieder die grosse Schwergewichts-Welt in der Schweiz. In über 60 Ländern der Welt wird der Fight laut Veranstalter auf TV-Bildern zu sehen sein.

Zu einer ersten Medienkonferenz in Basel erschien Walujew mit rund einviertelstündiger Verspätung in hellbrauner Lederjacke. McCline hingegen, im eleganten Zweireiher mit rosafarbener Krawatte, stand schon vor dem offiziellen Termin für Auskünfte zur Verfügung. «Für mich ist dieser dritte WM-Kampf (nach Niederlagen gegen Wladimir Klitschko/Ukr 2002 um den WBO-Titel und 2004 gegen Chris Byrd/USA - Red.) die grösste und wohl letzte Chance «, betonte der Amerikaner. «Ich war noch nie in der Schweiz und möchte nach dem Kampf auch das Land kennen lernen», sagte Walujew. Auch der aus New York stammende McCline sprach davon, nach dem Kampf die «wunderschöne Schweizer Landschaft» ein wenig geniessen zu wollen.

Vom Dikuswerfen zum Boxen

Walujew war früher Diskuswerfer. Als ihm sein Trainer wiederholt Video-Sequenzen mit Muhammad Ali vorführte, kam Walujew auf den Geschmack und wechselte zum Boxen. Seit einem Jahr und dem umstrittenen Punktsieg gegen John Ruiz (USA) ist Walujew (46 Kämpfe, 45 Siege, davon 33 vorzeitig, ein Kampf ohne Wertung) WBA- Weltmeister im Schwergewicht.

In Basel wird Walujew den Titel freiwillig und zum dritten Mal verteidigen. Der Russe begann mit der Vorbereitung auf den Kampf gegen McCline in St. Petersburg mit seinem Heimtrainer Manuel Gabrieljan. Demnächst wird er das Training mit Sparring in Berlin fortsetzen. McCline wird sich bis zu seiner Rückkehr in die Schweiz vorwiegend an seinem Wohnort in West Palm Beach, Florida, vorbereiten. «Ich suche noch Sparringpartner im Grössenbereich von 2,10 m. Wer Lust hat, kann sich melden», sagte McCline, der wie Walujew gut eine Woche vor dem Kampf in Basel eintreffen will.

Walujews Promoter Wilfried Sauerland betrachtet seinen Schützling wegen dessen überragender Physis als derzeit überragende Figur im Schwergewicht. Fakt ist zwar, dass der Koloss bislang unbesiegt ist, die kritischen Stimmen über ihn als Boxer sind jedoch noch längst nicht verstummt. «Was um alles in der Welt ist mit dem Boxen los, wenn ein Mensch, der einfach nur gross ist, der beste Boxer der Welt ist?» fragte sich beispielsweise die Zeitung «Chicago Sun Times» nach Walujews letzter Titelverteidigung in den USA am 7. Oktober (TKO-Sieg in Runde 11 gegen Monte Barrett).

Als klare Nummer im Schwergewicht 1 wird deshalb von den Experten der Ukrainer Wladimir Klitschko (IBF-Titelhalter) eingestuft. Weitere ernst zu nehmende Schwergewichtler sind der WBC- Champion Oleg Maksajew (Kas/Russ) und dere WBO-Titelhalter Shannon Briggs (USA). Briggs war seinem New Yorker Rivalen McCline (38:6 Siege, 3 Remis) in einem Nicht-Titelkampf im April 2002 über zehn Runden nach Punkten unterlegen.

Don King in Basel

Neben Walujew wird in Basel auch der am WM-Kampf partizipierende Don King die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Der charismatische Dauerlächler mit der «Starkstrom-Frisur» ist der bekannteste Promoter der Welt. Der Amerikaner war beispielsweise 1974 Veranstalter des legendären «Rumble in the jungle» in Kinshasa, Zaire, wo Muhammad Ali sensationell George Foreman entthronte und zum zweiten Mal Schwergewichts-Weltmeister wurde. Ali, Foreman und andere Koryphäen auch ausserhalb des Schwergewichts befanden sich schon unter Kings Fittichen. King selbst hatte Walujew in diesem Jahr in den USA im Rahmen einer PR-Tournee kurzerhand als «King Kong» präsentiert.

Nur marginal werden am 20. Januar Schweizer Boxer im Ring in Erscheinung treten. Im Rahmenprogramm mit rund sechs Kämpfen soll zumindest der international bestandene Burgdorfer Cruisergewichtler Nuri Seferi zum Zug kommen. Der Vorverkauf für das Meeting, das mit renommierten Music Acts veredelt werden soll, läuft seit Freitag. Ein Viertel der 8000 Tickets sind bereits abgesetzt worden. Karten sind in der Schweiz via Ticketcorner (Telefon 0900 800 800) erhältlich. Die günstigste kostet Fr. 49.50, ein Platz am Ring kommt auf 1000 zu stehen. Nach dem Kampf ist eine VIP-Party mit zahlreichen Schweizer Prominenten vorgesehen.

(si)

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