Polizei hege «ernst zu nehmende Zweifel» - Gil Ofarim trug womöglich doch keine Davidstern-Kette im Hotel
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Polizei hege «ernst zu nehmende Zweifel»Gil Ofarim trug womöglich doch keine Davidstern-Kette im Hotel

In einem Instagram-Video erzählte der Musiker kürzlich, wie er aufgrund seines Schmuckstücks antisemitisch angefeindet wurde. Ein Überwachungsvideo wirft nun Fragen auf.

von
Lara Hofer

Dieses Überwachungsvideo zeigt, dass der Rockmusiker seine Kette mit dem Davidstern-Anhänger zum Zeitpunkt des Hotelbesuchs offenbar nicht sichtbar trug.

Invideo/Instagram/gilofarim/Hotel Westin

Darum gehts

  • Gil Ofarim (39) veröffentlichte vor rund zwei Wochen ein Video auf Instagram, in dem er einem Rezeptionist eines Leipziger Hotels Antisemitismus vorwarf.

  • Der Angestellte habe ihm den Check-in aufgrund seiner Davidstern-Halskette verweigert.

  • Nun zeigt ein Überwachungsvideo, dass der 39-Jährige die Kette an diesem Abend womöglich gar nicht sichtbar trug.

  • Die Polizei hege «ernst zu nehmende Zweifel» am ursprünglich geschilderten Ablauf der Ereignisse.

  • Ofarim sagt dazu: «Es geht nicht darum, ob die Kette im Hotel zu sehen war oder nicht. Sondern es geht darum, dass ich antisemitisch beleidigt worden bin.»

Sein Instagram-Video empörte zahlreiche Menschen: Der Musiker Gil Ofarim erzählte kürzlich, wie er in einem Leipziger Hotel antisemitisch angefeindet wurde. Ein Mitarbeiter soll ihn aufgefordert haben, seine Davidstern-Halskette einzupacken – erst dann dürfe er einchecken.

Gil Ofarim (39) wandte sich kürzlich an die Öffentlichkeit, nachdem er wegen seiner Davidstern-Kette von einem Hotel abgewiesen worden sein soll.

Invideo/Instagram/gilofarim

Nun liegen allerdings Zweifel vor, ob der Vorfall tatsächlich so abgelaufen ist, wie Ofarim ihn geschildert hat. Ein Überwachungsvideo, welches der «Bild am Sonntag» vorliegt, zeigt, wie der Rockmusiker das besagte Hotel betritt, mit einem Rezeptionisten diskutiert und das Gebäude dann wieder verlässt. Seine geöffnete Lederjacke und sein graues T-Shirt sind auf dem Video gut zu erkennen – nicht zu sehen ist jedoch die Kette mit dem Davidstern-Anhänger. Auch die «Leipziger Volkszeitung» berichtet, dass in dem Clip keine Kette zu sehen ist, obschon die Qualität der Aufnahmen verbessert und Details kenntlich gemacht wurden.

Polizei hegt Zweifel

Laut «Bild am Sonntag» habe die Leipziger Polizei «ernst zu nehmende Zweifel» am ursprünglich geschilderten Ablauf der Ereignisse. In seiner Vernehmung soll Ofarim ausgesagt haben, dass er nicht sagen könne, ob er die Kette an jenem Abend sichtbar trug. In seinem Instagram-Video, das inzwischen mehr als drei Millionen Mal angeschaut und kurz nach dem Vorfall aufgenommen wurde, trug er sie allerdings gut sichtbar und betonte, dass sie der Auslöser für die antisemitischen Anfeindungen war.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Antisemitismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Auch das Hotelpersonal soll sich gegenüber der Zeitung geäussert haben. Ihre Aussage: Der Rezeptionist habe drei Gäste vorgelassen, woraufhin der Musiker wütend geworden sei. Es sei zu einem Streit gekommen, woraufhin Ofarim gebeten worden sei, das Hotel zu verlassen.

«Es geht hier nicht um die Kette»

Der 39-Jährige hat nun Stellung zum Überwachungsvideo genommen. Gegenüber der deutschen Zeitung sagte er: «Der Satz, der fiel, kam von hinten. Das heisst, jemand hat mich erkannt. Da ich oft mit dem Davidstern im Fernsehen zu sehen bin, wurde ich aufgrund dessen beleidigt.» Und fügte an: «Es geht hier nicht um die Kette. Es geht um was viel Grösseres. Es geht nicht darum, ob die Kette im Hotel zu sehen war oder nicht. Sondern es geht darum, dass ich antisemitisch beleidigt worden bin.»

Ofarim hat kürzlich auf Instagram mitgeteilt, dass er Strafanzeige gegen den Mitarbeiter des Hotels gestellt habe. Auch der beschuldigte Rezeptionist soll Anzeige erstattet haben. Er wirft Ofarim Verleumdung vor und schildert nach früheren Angaben der Polizei die Vorkommnisse deutlich anders als der Künstler.

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