Eurovision Song Contest: Girlies, Gays und Grosis
Aktualisiert

Eurovision Song ContestGirlies, Gays und Grosis

Bei diesen drei Zielgruppen muss man ankommen, will man beim Eurovision Song Contest punkten. Heuer werden diese mit geigenden Vorzeige-Schwiegersöhnen, tanzenden Matrosen und Disco-Divas gut bedient. Nur etwas fehlt weitgehend: der Humor.

Will man den Eurovision Song Contest (ESC) knacken, dann muss man bei den drei G's gut ankommen: Girlies, Grosis, Gays. Letzteren, einer besonders treuen Fangemeinde des ESC, wird in Moskau wie schon im letzten Jahr in Serbien der Krieg erklärt. Sie werden dringend aufgefordert, ihre sexuelle Orientierung nicht zu demonstrieren. Die von Schwulenorganisationen beantragte Gay-Pride-Parade quer durch Moskau wurde von Bürgermeister Juri Luschkow als «satanisch» bezeichnet. Schlechte Vorzeichen für ein friedliches Gelingen ...

Ob die Songbeiträge weniger «satanisch» sind, entscheidet wohl eher das Auge des Betrachters beziehungsweise das Ohr des Zuhörers. Jedenfalls sind dieses Jahr drei Haupttrends zu beobachten: stampfender Euro-Dance wie er vor zehn Jahren eigentlich schon ausser Mode war, mit klirrendem Operngesang gepaarter Bombast-Rock sowie ethnisch gefärbter Folk-Pop, der aber aus einem anderen Land zu stammen scheint als dem des Vortragenden - so macht der norwegische Geiger einen auf Russisch, während es irgendwo in Kroatien ein griechisches Restaurant gibt, das nun keine Musik hat:

Krieg und Frieden

Trotz allem versprechen die Veranstalter einen «olympiareifen» Wettbewerb im Olympjski Stadion, wo zu den Halbfinals am Dienstag und Donnerstag und zum Final am Samstag je 23 000 Zuschauer erwartet werden. Nach dem Ausscheiden Georgiens, das mit dem Songtitel «We Don't Wanna Put in» das Gastgeberland mit dem Vorschlaghammer vor den Kopf stiess, sind noch 42 Länder im Rennen.

Einen schönen Ausgleich zu Georgiens offensivem Akt der Putin- Beschimpfung bietet heuer Israel: Das Land schickt das jüdisch- palästinensische Duo Noa und Mira Awad mit der friedlichen Aufforderung «There Must Be Another Way» ins Rennen.

Kriegerisch kommt dagegen der Beitrag aus Bulgarien daher. Das Video zeigt mit Streitäxten bewaffnete Krieger, ein Schloss voller Zirkus-Freaks und eine nackte Dame, die antiseptische Kräfte besitzt – anscheinend hat Krassimir Avramov gründlich bei Lordi, den finnischen Siegern von 2006, recherchiert und setzt auf den durchkonzipierten Fantasy-Approach. Die bulgarische Delegation wird übrigens per Autostop nach Moskau reisen müssen, denn sie hat ihr gesamtes Budget in ebendieses Video gesteckt:

Geiger und Vergeiger

Hochprofessionelle Musiker sind dieses Jahr keine Seltenheit. So hat beispielsweise die Musicalgrösse Andrew Lloyd Webber den britischen Beitrag komponiert, und Superstar Ronan Keating hat am dänischen Song mitgeschrieben - beide Songs übrigens grauenhaft langweilige Balladen. Und Patricia Kaas aus Frankreich hat als Leistungsausweis 15 Millionen verkaufte Tonträger vorzuweisen. Bei ihrem auf Französisch gesungenen Chanson versteht Resteuropa vielleicht Bahnhof, nimmt ihr aufgrund ihrer leidenschaftlichen Performance trotzdem jedes Wort ab:

Slowenien und Estland schicken Geigen-Quartette nach Moskau, eins männlich, eins weiblich. Und auch einer der Favoriten, der Norweger Alexander Rybak, ist ein ausgebildeter Violinist. Dazu kommt je ein Beitrag eines Opernsängers und einer Opernsängerin: Der erwähnte Krassimir Avramov hat als studierter Countertenor einen Stimmumfang von vier Oktaven, und die Malena Ernman aus Schweden - sie könnte mit ihrem Lungenvolumen wohl manchen Kamin entstopfen könnte - ist unter anderem schon in der Zürcher Tonhalle aufgetreten:

«Die Schweiz covert U2»

Und die Schweiz? Seit die Basler Lovebugs vor vier Jahren als Aufwärmer der Rolling Stones auftraten, werden sie auch als «beste Vorband der Welt» bezeichnet. In Moskau allerdings vergeigten sie ihre erste Probe. Ob sie zumindest den Final erreichen werden, wird sich am Dienstag zeigen. Man darf aber optimistisch sein: Google prophezeit unseren Jungs nämlich Platz 21 und basiert seine Einschätzung auf der Auswertung der entsprechenden Suchanfragen aus den beteiligten Ländern.

In den vielen internationalen ESC-Fan-Sites haben sie bisher aber wenig Wellen geworfen, ausser zur Erkenntnis verholfen, dass «mehr als nur ein bisschen U2 im Schweizer Beitrag» sei, wie es der Showbiz-Blog «Popbitch» ausdrückt:

Die dieses Jahr verbreitete Seriosität geht natürlich auf Kosten des Humors: Transvestiten und Nonsens-Songs, die früher oft trotz mangelndem Niveau hohe Wertungen bekamen, sucht man heuer vergeblich. Das lustigste, was der Moskauer ESC zu bieten hat, sind je ein Elvis- und ein Freddie-Mercury-Verschnitt.

«Didai Didai Dai Rimi Rimi Ley Düm Tek Tek»

Musikalische Qualität garantiert aber keinen guten Platz. Die internationale Fangemeinde etwa favorisiert die Türkei, die ihrer langen Tradition onomatopoetischer Songtitel huldigt (1985 waren sie mit «Didai Didai Dai», 1989 mit «Bana Bana» und 2005 mit «Rimi Rimi Ley» im Rennen): Hadises «Düm Tek Tek» ist so langweilig wie es tönt, und die Sängerin konnte bisher noch nicht einmal eine Casting-Show gewinnen. Böse Zungen behaupten, ihr geschmeidiger Hüftschwung trage sie zum Sieg:

Heimlicher Favorit bleibt aber Serbien. Als die Mitglieder der europäischen Rundfunkunion sich anno 1955 zusammensetzten und beschlossen, einen internationalen TV-Event zu schaffen, bei dem alle Länder ihre kulturellen Differenzen beiseite lassen und mittels der universellen Sprache der Musik zusammenfinden konnten, träumten sie da von farblosem und austauschbaren Disco-Pop?

Nein. Sie träumten davon:

(obi/SDA)

Die Halbfinals zum ESC werden am Dienstag 12. und Donnerstag 14. Mai um 21 Uhr ausgetragen. Das Final findet am Samstag 16. Mai um 21 Uhr statt. 20 Minuten Online wird das erste Halbfinal (wo der Schweizer Beitrag antritt) am live am TV begleiten. (Falls die Lovebugs es ins Finale schaffen, wird auch das Final auf 20 Minuten Online live begleitet).

Die Halbfinals zum ESC werden am Dienstag 12. und Donnerstag 14. Mai um 21 Uhr ausgetragen. Das Final findet am Samstag 16. Mai um 21 Uhr statt. 20 Minuten Online wird das erste Halbfinal (wo der Schweizer Beitrag antritt) am live am TV begleiten. (Falls die Lovebugs es ins Finale schaffen, wird auch das Final auf 20 Minuten Online live begleitet).

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