Aktualisiert 03.05.2006 17:04

Giro d'Italia wohl eine italienische Angelegenheit

In den vergangenen Jahren gaben im Giro d'Italia die Italiener den Ton an. Dies wird auch ab kommendem Samstag wieder der Fall im Verlaufe der 3526 km langen Fahrt sein. Doch mit fünf Anwärtern auf den Gesamtsieg ist eine ungleich grössere Spannung angesagt.

Das grösste Interesse wird Ivan Basso und Damiano Cunego entgegengebracht. Die italienischen Medien stilisieren dieses Duell hoch, weil es sich um die beiden Verlierer der letztjährigen Austragung handelt. Basso quälte sich mit einer Magenverstimmung über das Stilfserjoch und wurde später für seinen heroischen Duchhaltewillen mit zwei Etappensiegen belohnt. Jungstar Cunego litt, wie sich später herausstellte, an Pfeiffer'schem Drüsenfieber und kam deshalb nicht auf Leistung.

Basso wagt sich erneut an das Double Giro/Tour, obwohl er sich zuerst gegen die neuerliche Teilnahme an der Rundfahrt durch sein Heimatland ausgesprochen hatte. Sein Teammanager Bjarne Riis überzeugte ihn davon, die dreiwöchige Belastung werde ihm im Juli bei der Tour de France von Nutzen sein. Basso war heuer schon früh in guter Verfassung (Triumph am Critérium International), Cunego bestätigte seinen Aufwärtstrend in der Trentino-Rundfahrt und mit seinem 3. Platz in Lüttich - Bastogne - Lüttich.

Vorjahressieger Paolo Savoldelli gab in der Tour de Romandie einen guten Einstand, wurde dann aber durch eine Magenverstimmung zurückgeworfen. Dass bei Savoldellis Sportgruppe Discovery Channel alles unternommen wird, um dem Bergamasken zu einem neuen Erfolg zu verhelfen, wird durch die Tatsache erhärtet, dass mit Wjatscheslaw Jekimow, José Luis Rubiera, Benoit Joachim, Manuel Beltran und Pavel Padrnos fünf Helfer nominiert wurden, die in den letzten Jahren Lance Armstrong bei dessen Tour-Triumphen assistierten.

Um den letztjährigen ProTour-Ersten Danilo Di Luca blieb es in den vergangenen Wochen still. Er lernte letztes Jahr, dass er sich auch in grossen Rundfahrten behaupten kann. Diese Erfahrung möchte er nun zum grossen Schlag ummünzen. Es bleibt als Fünfter im Bunde Gilberto Simoni, der im Alter von 35 Jahren die wahrscheinlich letzte Gelegenheit wahrnimmt, auf die Jahre 2001 und 2002 einen dritten Giro-Gesamtsieg folgen zu lassen.

Die Südamerikaner José Rujano und Ivan Parra werden ihre Kletterkünste im Hochgebirge zeigen. Vielleicht lässt auch der letztjährige Tour-Bergkönig Michael Rasmussen sein Können aufblitzen. Der Däne unterstrich bisher, er betrachte den Giro lediglich als vorbereitung. In den ihrer Ansicht nach zu geringen Zahl an Massenankünften wird erneut das Duell Alessandro Petacchi gegen Robbie McEwen auflodern.

Zum zweiten Mal nach 2001 nimmt Jan Ullrich die Italien-Rundfahrt in Angriff. Er dürfte wie die Handvoll Schweizer eher im Hintertreffen zu finden sein. Für Ullrich steht die Vorbereitung auf die Tour im Vordergrund. Die Schweizer leisten Helferdienste, im Falle von Phonak für den Teamcaptain Victor Hugo Peña (Kol). Rubens Bertogliati wäre bei Saunier Duval zur Unterstützung von Simoni vorgesehen gewesen. Nach dem Kniescheibenbruch des Tessiners in der Tour de Romandie entfallen diese Pläne.

Der Auftakt zur Fahrt über 21 Etappen erfolgt in Wallonien. Dies als Hommage an die zahlreichen Exil-Italiener im französischsprachigen Teil Belgiens, dann aber auch zur Erinnerung an das schlimme Grubenunglück von Marcinelle vor 50 Jahren. Nach dem Transfer auf italienisches Staatsgebiet haben die Sportgruppen das heikle Mannschaftszeitfahren in Cremona (38 km) zu überstehen, von dem die Zeiten integral ins Gesamtklassement übernommen werden. Die zweite Prüfung gegen die Uhr führt nach dem zweiten Ruhetag in Pontedera über 50 km.

Im Trainigsgebiet von Danilo Di Luca erfolgt schon in der 8. Etappe bei der Bergankunft auf Maielletta/Passo Lanciano der erste Kräftevergleich unter den Gesamtbesten. Unheimlich hart wird insbesondere die dritte Giro-Woche. Auf die Bergankunft auf dem Monto Bondone (16. Etappe) folgt die ein grosses Spektakel verheissende Ankunft auf Kronplatz. Die letzten 4 km bestehen aus Naturrstrasse, und ein kurzer Abschnitt 1100 m vor dem Ziel ist 24 Prozent steil. Die Bergankunft auf dem Passo San Pellgrino (18.) leitet über zur Entscheidung im Veltlin mit dem Gavia-Pass und dem Ziegenpfad hinauf zum Mortirolo vor dem Ziel in Aprica.

Während 160 km wird dieser Giro d'Italia auch auf Schweizer Strassen rollen. Im Verlaufe der 14. Etappe mit Start in Aosta kommt der Tross durch den Tunnel des Grossen St. Bernhard ins Wallis. Nach der Anfahrt im Talgrund erklettern die Fahrer ab Brig den Simplon-Pass und erreichen das Ziel in Domodossola. Mit dieser Streckenführung wollen die Veranstalter an die Eröffnung des Simplon-Tunnels vor 100 Jahren erinnern.

(si)

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