Grossbritannien: Glacéwerbung zu heiss für den Papst
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GrossbritannienGlacéwerbung zu heiss für den Papst

Wenn Papst Benedikt XVI. nach Grossbritannien reist, soll er ein blasphemisches Inserat eines Glacéherstellers nicht zu Gesicht bekommen. Die Firma will sich dem Verbot widersetzen.

von
pbl
Schwule Priester und schwangere Nonnen: Antonio Federici setzt auf blasphemische Sujets.

Schwule Priester und schwangere Nonnen: Antonio Federici setzt auf blasphemische Sujets.

«Eiscrème ist unsere Religion», lautet das Motto einer Werbekampagne des britischen Glacéherstellers Antonio Federici mit pikant-provokativen Inhalten. Letztes Jahr etwa sorgte eine Anzeige mit einem Priester und einer Nonne für Aufregung, die scheinbar kurz davor waren, sich zu küssen. Die Advertising Standards Authority (ASA), die Selbstregulierungsstelle der britischen Werbebranche, verbot die Blasphemie kurzerhand.

Nun provoziert Antonio Federici mit einem neuen Inserat: Es zeigt eine schwangere Nonne, die ein Glacé löffelt, und dazu die Textzeile «unbefleckt empfangen». Die Anzeige, die in diversen Magazinen erschienen ist, könne «als Verhöhnung des römisch-katholischen Glaubens» empfunden werden, urteilte die ASA. Sie ordnete die Einstellung der Kampagne an, und das unmittelbar vor dem Besuch von Papst Benedikt XVI. in Grossbritannien.

Für den Glacéhersteller ist dies ein gefundenes Fressen. Eine Sprecherin erklärte gegenüber britischen Medien, man werde das Verbot «umgehen» und entlang der päpstlichen Route zur Westminster Abbey in London Plakate aufhängen: «Wir sind daran, uns einige Plakatwände zu sichern.» Ob es sich um das Sujet mit der schwangeren Nonne handelt, wollte die Sprecherin nicht verraten. Es handle sich «um eine Fortsetzung» des Religions-Themas.

Eine weitere neue Anzeige aus der Federici-Kampagne zeigt zwei Priester in eindeutig-zweideutiger Position. Die Regulatoren haben sich dazu jedoch nicht geäussert – möglicherweise aus Angst, als schwulenfeindlich zu gelten.

Desinteresse und Wut begleiten Papst-Reise

Papst Benedikt XVI. trägt seine Kampagne zur Rechristianisierung Europas am Donnerstag nach Grossbritannien. Auf dem Programm stehen unter anderem eine Messe in Glasgow, ein Treffen mit Königin Elisabeth II. sowie mit dem Erzbischof von Canterbury. Ausserdem will der Papst den im 19. Jahrhundert verstorbenen Theologen John Henry Newman seligsprechen.

Benedikt wird in dem von jahrhundertealten antikatholischen Gefühlen geprägten Land auf eine Stimmung stossen, die zwischen Desinteresse und Wut über den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche schwankt. Ein Massenereignis wird der Besuch nicht. Zum Höhepunkt der viertägigen Reise, der Seligsprechung Newmans auf einer Messe am Sonntag, erwarten die Organisatoren nur rund 55 000 Besucher. Ursprünglich waren sie von 80 000 Gläubigen ausgegangen. (dapd)

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