Aktualisiert 19.08.2016 08:00

Zürich-WollishofenGlamour-Paar verkauft Villa neben Roter Fabrik

18 Räume auf 5 Etagen, privater Seeanstoss und das mitten in Zürich: Die Villa von Zahnärztin Haleh Abivardi und ihrem Ehemann ist zu haben. Wegen Lärm?

von
rom
1 / 4
So wird die Villa Mooser im Internet zurzeit angepriesen.

So wird die Villa Mooser im Internet zurzeit angepriesen.

Screenshot Web
Die Villa Mooser aus der Vogelschau - hier während Renovationsarbeiten im August 2012. Sie steht zum Verkauf.

Die Villa Mooser aus der Vogelschau - hier während Renovationsarbeiten im August 2012. Sie steht zum Verkauf.

Keystone/Alessandro Della Bella
Im See vor der Villa (im Hintergrund) führt der Cassiopeiasteg durch. Dieser wurde 2015 erbaut.

Im See vor der Villa (im Hintergrund) führt der Cassiopeiasteg durch. Dieser wurde 2015 erbaut.

Keystone/Ennio Leanza

«Grandezza am Zürichsee»: So übertitelt ein Immobilienmakler im Internet das Inserat für eine «aussergewöhnliche, denkmalgeschützte Liegenschaft» am Zürichsee. «Mit 2300 Quadratmetern Fläche das grösste von gerade vier privaten Grundstücken im Stadtgebiet von Zürich, die über einen eigenen Seeanstoss verfügen», heisst es weiter.

Doch die 85 Meter privater Seeanstoss mit eigenem Bootsanleger sind noch lange nicht alles. Die Villa aus dem Jahr 1912 enthält auf fünf Etagen nicht weniger als 19 Räume, verteilt auf 800 Quadratmeter. Der Makler schreibt: «Sie erleben ‹Grandeur› in lichtdurchfluteten Salons mit historischen Parkettböden, aufwändig tapezierten Wänden, Stuckdecken mit Kristall-Leuchten und einen magischen Blick aufs Wasser, dem man sich nicht entziehen mag.» Den Preis gibt es nur auf Anfrage.

Viertelmillion Baurechtszins pro Jahr

Bei dem Schmuckstück handelt es sich um die bekannte städtische Villa Mooser, unweit der Roten Fabrik in Wollishofen. Die Zahnärztin Haleh Abivardi (Swiss Smile Zahnarztpraxen) und der deutsche Investmentbanker Peter Frank Brönner hatten das Anwesen 2008 der Stadt Zürich für 3,2 Millionen Franken im Baurecht abgekauft. Sie leben dort mit ihren vier Kindern.

Der Baurechtsvertrag läuft über 60 Jahre mit einer Option für weitere 30 Jahre, danach gehen das Grundstück und die Villa wieder an die Stadt. Ihr bezahlt das Paar einen jährlichen Baurechtszins von einer Viertelmillion Franken. Der Gemeinderat hatte dem Verkauf und dem Vertrag 2009 mit 98 zu 0 Stimmen zugestimmt – bei 21 Enthaltungen.

Diesen Vertrag müsste ein Käufer zu den selben Konditionen übernehmen. Deshalb haben die Eigentümer einen allfälligen Käufer der städtischen Liegenschaftenverwaltung als Baurechtgeberin zum Einverständnis vorzulegen: «Damit wir einen Baurechtnehmer ablehnen würden, bräuchte es allerdings schon sehr triftige Gründe – etwa berechtige Zweifel an dessen Zahlungsfähigkeit», sagt Sprecher Kuno Gurtner.

Punkto Verkaufspreis können Abivardi und Brönner jedoch so viel verlangen, wie sie wollen. Eine Klausel seitens Stadt existiert nicht. Beim Verkauf damals monierten einige, diese habe die Villa viel zu günstig veräussert.

Wüster Nachbarschaftsstreit

Warum die Eigentümer das Haus loswerden wollen, ist nicht bekannt. Abivardi war für 20 Minuten nicht erreichbar. Fakt ist: Die Villa Mooser und die zwei benachbarten Villen liegen zwischen der Badi Wollishofen und der Roten Fabrik. Vor allem letztere wird von Anwohnern aus diesem Gebiet seit einiger Zeit mit Klagen eingedeckt. Es geht meist um Lärm. Das Ziegel oh Lac musste deswegen gar die Gartenwirtschaft verkleinern.

Aber auch der rund 300 Meter lange Cassiopeiasteg, der im See draussen von der Badi zur Roten Fabrik führt, ist einigen Anwohnern ein Dorn im Auge. Zweimal gingen sie deswegen bis vor Bundesgericht – vergeblich. Die Stadt hatte Abivardi und Brönner gemäss der Vorlage im Gemeinderat bereits beim Vertragsabschluss über die Pläne informiert, wonach vor ihrem Grundstück dereinst ein Fussgängersteg vorbeiführen wird.

In der Villa Mooser wohnte bis 2008 der damalige Schauspielhaus-Intendant Matthias Hartmann. Dieser bezahlte für die Villa bloss 7000 Franken Miete pro Monat – was für Kritik sorgte. Insbesondere deshalb, weil die Stadt das Anwesen zuvor für stolze 2,5 Millionen Franken hatte renovieren lassen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.