Yakin & Yakin: Glanz & Gloria für den FC Luzern
Aktualisiert

Yakin & YakinGlanz & Gloria für den FC Luzern

Murat Yakin wird der Chef seines Bruders Hakan beim FC Luzern. Familienbande zwischen Trainer und Spieler sind schwierig. Bruderliebe auch.

von
Eva Tedesco

Die Konstellation kann man wohl als Novum im Schweizer Fussball bezeichnen. Speziell ist sie auf jeden Fall. Murat und Hakan Yakin ist bewusst, dass sie in Zukunft unter genauer Beobachtung stehen werden.

Eine «Spezialbehandlung» wird es für den Spieler Yakin von Trainer Yakin nicht geben. Erwartungshaltung und Dauerbeobachtung zwingt die Yakins eher dazu, noch gezielter, noch härter und noch erfolgreicher zu arbeiten. Und das sie zusammen erfolgreich wirken können, beweisen die grossartigen Jahre, die die Yakin-Brüder als Spieler gemeinsam beim FC Basel erlebt haben. Die Euphorie um die magischen Nächte in der Champions-League und nationalen Titeln im Multi pack ist noch in bester Erinnerung und auch, welch grossen Anteil die Yakins daran hatten.

Murat ist aber nicht nur der Ältere, er ist auch der dominante, der immer ein Auge auf den um zwei Jahre jüngeren Bruder hatte und stets eine schützenden Hand über ihn gelegt hat. Von Kindheit an. Das hat sich auch im Erwachsenenalter nicht verändert. Muri befahl, Haki führte aus. Haki trampte ins Fettnäpfchen, Muri trocknete es auf. Bei Familien mit türkischer Herkunft ist dieser Zusammenhalt tief verankert. Aber Murat ist nicht nur der grosse Bruder, er ist zusammen mit Ertan, dem ältesten der acht Yakin-Geschwister, Vaterfigur gegenüber den jüngeren. Murat ist Mutter Emines wichtigste Bezugsperson. Haki ihr Nesthäckchen.

Yakins bringen die Prise Glanz

Der «FC Yakan» holt sich mit den Münchensteinern zum Einzug ins neue Stadion die Prise Glanz ins Haus, die Luzern-Präsident Walter Stierli für die Vermarktung der neuen Arena noch gebraucht hat. Wo die Yakins auftreten, ist Glanz & Gloria nicht weit. Wo die Yakins auftreten, ist Prominenz nicht weit. Und dennoch: Es gibt kaum einen Spieler – ausser vielleicht Alex Frei – der so stark polarisiert, wie die beiden Brüder. Die Yakins findet man gut. Oder eben nicht. Ein Dazwischen gibt es nicht. Mit den Yakins holt man sich aber auch zwei «Typen» ins Haus, die für Aufmerksamkeit sorgen, die man argwöhnisch beobachtet und jedes Detail (medial) ausschlachtet.

Viele Fans und Fussballer denken, dass die Verpflichtung von Murat Yakin ein Risiko und sein gutes Image als Trainer in Gefahr ist. Denn Muri hat in den zwei Jahren in Thun hervorragende Arbeit geleistet. Er führte die Berner Oberländer im ersten Amtsjahr in die Super League, wo der Ligaerhalt zu keiner Zeit gefährdet war. Nebenbei hat sich der Jungtrainer, der in seiner Aktivkarriere als trainingsfaul galt, stets weitergebildet und hat in den Ferien zum Beispiel beim FC Barcelona «hospitiert». Spieler, egal ob von Concordia, der GC-U21 oder in Thun, sind begeistert von seinen Trainingsmethoden und dem Führungsstil. Yakin ist schlicht zu clever, dass er nicht schon für die Zeit in Luzern vorgebaut und mögliche Stolpersteine ausgemacht hat.

Hakan wird in Bestform auflaufen

Zum Beispiel seinen Bruder: Kriegt er den Spielmacher in den Griff? Er hat ihn schon im Griff. Unter Murat wird Hakan in Bestform auflaufen. Haki, der laut Gerüchten heftig am Trainerstuhl von Rolf Fringer gesägt haben soll, hat eine ganz besondere Beziehung zu seinem Bruder und lässt sich uneingeschränkt von ihm führen. Hakan wird sich zerreissen, damit der Bruder an der Linie Erfolg hat. Und Muri wird so geschickt führen, dass Hakan keinen Anlass zu Kritik geben wird.

Die Konstellation kann klappen. Und das sehen die User von 20 Minuten gleich: Auf die Frage, ob Murat seinen Bruder in den Griff bekommt, sagten 59 Prozent ja.

Deine Meinung