06.12.2018 17:30

Neue Bundesrätinnen«Glanz & Gloria» sendet «sexistischen Seich»

In einer historischen Wahl wurden am Mittwoch zwei Frauen in den Bundesrat gewählt. Eine SRF-Sendung thematisierte aber hauptsächlich das Outfit und Aussehen der Politikerinnen.

von
doz

Viola Amherd sei «rund, weich und warm». (Video: SRF)

Bei den Bundesratswahlen am Mittwoch standen die Frauen im Mittelpunkt. So setzten sich Karin Keller-Sutter und Viola Amherd jeweils im ersten Wahlgang durch. Es handelt sich dabei um eine Premiere. Noch nie zuvor wurden zwei Frauen gleichzeitig in den Bundesrat gewählt. Dies bereitet Freude und ist ein kleiner Schritt in Richtung Gleichberechtigung in der Politik.

Für etwas weniger Freude sorgte die SRF-Sendung «Glanz & Gloria», die am Mittwoch kurz nach einem Dokumentarfilm über Frauen im Bundesrat ausgestrahlt wurde. Wie der «Tages Anzeiger» berichtet, liessen sich dort ein Kommunikationsexperte und ein Stilexperte über Keller-Sutters und Amherds Auftreten und Aussehen aus. Das ist per se natürlich erlaubt, die Frage drängt sich aber auf, ob die Sendung dies auch getan hätte, wären zwei Männer in den Bundesrat gewählt worden.

«Die Stilkritik ist sexistischer Seich»

Die Beurteilungen der Experten waren auch dementsprechend deplatziert. Amherd wurde beispielsweise als mütterlich und «rund, weich, warm» beschrieben. Ausserdem habe ihre Stimme bei der Annahme der Wahl gezittert. Keller-Sutters Kleidung könne hingegen mehr Spass vertragen und sei zu streng.

Die «Glanz & Gloria» Stilkritik für Karin Keller-Sutter

Die neue FDP-Bundesrätin wird als «streng» bewertet. (Video: SRF)

Video: SRF

Diese auf Äusserlichkeiten bezogene Kritik findet auch der Schauspieler Mike Müller nicht angebracht. Auf dem Newsportal «Nau» kritisiert er die Sendung scharf: «Die Stilkritik ist sexistischer Seich. Es gehört offenbar immer noch zum Grundmuster, Frauen für ihre Kleider zu kritisieren. Einen Mann hätte man nicht nach Äusserlichkeiten bewertet.»

Ausserdem liess SRF den beiden neuen Bundesrätinnen durch eine Astrologin ein Horoskop verlesen. Auch darüber regt sich Müller auf: «Ein durch eine Mediensteuer finanzierter Sender soll sich von Sexismus und Esoterik fernhalten.»

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