Bars und Stehlokale - Glarner ruft zum Boykott von Covid-Zertifikat-Betrieben auf
Publiziert

Bars und StehlokaleGlarner ruft zum Boykott von Covid-Zertifikat-Betrieben auf

Die Zertifikatspflicht wird in den Nachbarländern ausgeweitet – hierzulande fordert Nationalrat Andreas Glarner derweil einen Boykott der Betriebe, die ein Covid-Zertifikat verlangen.

von
Christina Pirskanen
1 / 8
Er wolle auf keinen Fall den Restaurants schaden – sondern sie schützen: «Die Betriebe müssen sich gegen die Zertifikatspflicht wehren. Wenn sie das nicht fertig bringen, sind sie selber Schuld.», sagt SVP-Nationalrat Andreas Glarner.

Er wolle auf keinen Fall den Restaurants schaden – sondern sie schützen: «Die Betriebe müssen sich gegen die Zertifikatspflicht wehren. Wenn sie das nicht fertig bringen, sind sie selber Schuld.», sagt SVP-Nationalrat Andreas Glarner.

Tamedia
«Gnadenlos boykottieren!», solle man Betriebe, die ein Zertifikat fordern, schreibt Andreas Glarner auf Twitter.

«Gnadenlos boykottieren!», solle man Betriebe, die ein Zertifikat fordern, schreibt Andreas Glarner auf Twitter.

20min
 «Wir sind wie ein Club, es ist klein und eng. Ausserdem haben wir keine Tische, sondern sind eine Stehbar», sagt Elena Nierlich von der Olé Olé Bar.

«Wir sind wie ein Club, es ist klein und eng. Ausserdem haben wir keine Tische, sondern sind eine Stehbar», sagt Elena Nierlich von der Olé Olé Bar.

Tamedia AG

Darum gehts

  • Nationalrat Andreas Glarner fordert via Twitter zum Boykott der Gastronomen und Gastronominnen auf, die ein Covid-Zertifikat verlangen – zu ihrem eigenen Schutz, wie er sagt.

  • Derzeit müssen in der Schweiz Tanzlokale, aber auch viele Bars ein Covid-Zertifikat verlangen, wollen sie die Sitz- und Maskenpflicht umgehen.

«Jedes Restaurant, jeden Wirt, jedes Mitglied des Gastroverbandes welche ein Zertifikat fordern, sollten wir alle gnadenlos boykottieren!», verkündet Glarner via Twitter am Montagmorgen. Dies, nachdem Italien und Frankreich die Regeln in der Gastronomie in den letzten Tagen verschärft haben.

Er wolle auf keinen Fall den Restaurants schaden – sondern sie schützen: «Diese müssen sich gegen die Zertifikatspflicht wehren. Wenn sie das nicht fertig bringen, sind sie selber Schuld.» Denn er befürchte, dass die Kunden und Kundinnen in Zukunft ausbleiben könnten. «Wenn ein Wirt freiwillig eine Zertifikatspflicht einführt, ist das sein Bier. Er läuft damit aber Gefahr, dass die Covid-Tests plötzlich kosten. Dann wird er seine ungeimpften Gäste verlieren.» Seine Alternative: Die Aufhebung aller Massnahmen.

«Boykotte sind nicht zielführend», sagt Patrik Hasler-Olbrych, Kommunikationsverantwortlicher bei Gastrosuisse. Der Verband spricht sich zwar gegen eine Ausweitung des Covid-Zertifikats aus – aber trotzdem müsse jeder Betrieb selber entscheiden, ob er das Zertifikat einführen oder Massnahmen wie Maske und Sitzpflicht einhalten wolle. «Diese unternehmerische Freiheit gilt es zu respektieren.»

Covid-Zertifikat auch bei Bars

Die Zertifikatspflicht betrifft aber nicht nur Clubs sondern auch Gastrobetriebe wie Bars und Stehlokale, welche die Masken- und Sitzpflicht umgehen wollen. «Wir sind wie ein Club, es ist klein und eng. Ausserdem haben wir keine Tische, sondern sind eine Stehbar», sagt Elena Nierlich von der Olé Olé Bar an der Zürcher Langstrasse. Personen ohne Zertifikat dürften nur im Aussenbereich sitzen. Dieses Konzept komme gut an bei den Gästen – das würde wohl Glarners Aussage auch nicht ändern. «Die Adresse anzugeben, nur um ein Bier zu trinken, wie es letzten Sommer der Fall war, wollen die Gäste nicht.»

Auch im Pirates in Hinwil werden von den Gästen Covid-Zertifikate verlangt. Im Netz werde gewütet, vor Ort sehe die Lage aber anders aus. «Bei vielen jungen Leuten ist das Covid-Zertifikat kein Thema. Wir haben viele Komplimente zur Einführung bekommen», sagt Andy Gröbli, Mitinhaber des Pirates. Mit Zertifikat, dürfe er auf die restlichen Massnahmen wie Masken und Sitzpflicht verzichten. Das sei ein «riesen Gewinn». «Ich bin kein Fan vom Schutzkonzept, aber es ist die Gesetzgebung. Das steht nicht zur Diskussion. Einen Boykott braucht es nicht, solchen Druck auszuüben finde ich grundsätzlich falsch», so Gröbli.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

933 Kommentare