Kantonsschule Wettingen: Glarner setzt 1000 Fr. Kopfgeld auf Teenager aus
Aktualisiert

Kantonsschule WettingenGlarner setzt 1000 Fr. Kopfgeld auf Teenager aus

Aargauer Gymischüler sollen ein SVP-Plakat verunstaltet haben. Auf Facebook postete Glarner ein Bild der «Plakat-Zerstörer».

von
daw
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Dieses Foto wurde vor der Kantonsschule Wettingen geschossen. SVP-Politiker Andreas Glarner veröffentlichte es unzensiert.

Dieses Foto wurde vor der Kantonsschule Wettingen geschossen. SVP-Politiker Andreas Glarner veröffentlichte es unzensiert.

Leser-Reporter
Glarner ruderte später zurück und löschte den Post wieder. Das Plakat war am Sonntag verschwunden.

Glarner ruderte später zurück und löschte den Post wieder. Das Plakat war am Sonntag verschwunden.

Keystone/Anthony Anex
Dass Vandalen Plakate beschädigen, kommt öfter vor.

Dass Vandalen Plakate beschädigen, kommt öfter vor.

Keystone/Walter Bieri

Eine Gruppe von Jugendlichen wurde dabei fotografiert, wie sie sich an einem Plakat der SVP zu schaffen machte. Zwei junge Frauen hantieren darauf mit einem Blatt und einem Leimstift, zwei Jungs stehen um sie herum. Abgespielt hat sich die Szene direkt neben der Kantonsschule Wettingen.

Das Foto hat der Aargauer SVP-Nationalrat Andreas Glarner am Samstag auf Facebook veröffentlicht, ohne die Gesichter unkenntlich zu machen und ohne zu wissen, ob das Plakat effektiv beschädigt worden war. Dazu schrieb er: «Die Plakat-Zerstörer am Werk bei der Kanti Wettingen – wer kennt diese Personen? Zweckdienliche Hinweise bitte an mich. Für die Ergreifung der Täter setze ich eine Belohnung von CHF 1000.- aus.»

«Glarner schiesst über das Ziel hinaus»

Am Sonntagnachmittag war das Plakat ganz verschwunden, wie ein Augenschein vor Ort zeigte. Kritik an der Aktion übt die Wettinger SP-Nationalrätin Yvonne Feri: «Auch meine Plakate wurden schon heruntergerissen oder übermalt. Das ist ärgerlich. Mit seinem Pranger schiesst Glarner aber weit über das Ziel hinaus.»

Die Gymischüler zu outen, sei unverhältnismässig. «Für solche Fälle kann er zur Polizei gehen.» Glarner habe offenbar nichts aus dem Fall der Lehrerin gelernt, deren Handynummer er im Netz veröffentlicht hatte (siehe Box).

Glarner löschte Post wieder

Zu 20 Minuten sagt Glarner, dass er ein Zeichen gegen den Vandalismus an Plakaten habe setzen wollen: «Jeder SVP-Kandidat, der Plakate aufhängt, ist davon betroffen.» Leider habe er bislang keine Hinweise bekommen.

Glarner hat den Post inzwischen wieder gelöscht. «Angeblich wollten die Schüler nur Hausaufgaben erledigen und das Plakat als Unterlage benutzen. Das glaube ich jedoch nicht. Es ist immer das Gleiche: Erst manipuliert man ein Plakat, dann redet man sich raus.» Da er aber keine Gymischüler zu Unrecht beschuldigen möchte, habe er den Post entfernt. Der Rektor der Kanti Wettingen war für 20 Minuten am Sonntag nicht zu erreichen.

Im März hatte bereits die Baselbieter SVP Jagd auf Plakat-Vandalen gemacht und Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Die Partei veröffentlichte allerdings gepixelte Bilder. Sie begründete den Aufruf gegenüber SRF damit, dass die Polizei nicht genügend Ressourcen habe, um auf Plakat-Vandalen zu fokussieren.

Lehrerin geoutet

Es ist nicht zum ersten Mal, dass Glarner mit öffentlichen Aufrufen aneckt. Im Juni veröffentlichte er die Handynummer einer Zürcher Lehrerin im Internet – mit dem Aufruf, ihr die Meinung zu sagen. Diese hatte entsprechend den Vorgaben der Behörden in einem Elternbrief geschrieben, dass muslimische Schüler wegen Bayram, dem Ende des Ramadan, keinen Jokertag einziehen müssten. Glarner entschuldigte sich später bei der Lehrerin und einigte sich aussergerichtlich mit ihr.

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