Eingung am Runden Tisch: Glasfaser-Wildwuchs abgewendet
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Eingung am Runden TischGlasfaser-Wildwuchs abgewendet

Das Glasfasernetz in der Schweiz soll koordiniert und ohne Doppelspurigkeiten ausgebaut werden. Der Runde Tisch mit Telekom-Anbietern, Elektrizitätswerken und Kabelnetzbetreibern hat sich auf ein Netz mit mehreren Glasfasern und technische Standards verständigt.

Die Glasfaser kann deutlich grössere Datenmengen transportieren als das herkömmliche Kupferkabel und ist damit geeignet, den immer höheren Bedarf - beispielsweise für neue Internetanwendungen oder hochauflösendes Fernsehen - zu decken. Um den flächendeckenden Aufbau dieser Infrastruktur der Zukunft möglichst effizient zu gestalten und zu vermeiden, dass sich einzelne Unternehmen quasi ein Monopol sichern, hat die Eidgenössische Kommunikationskommission ComCom schon vor rund einem Jahr entschieden, die Marktakteure an einen Runden Tisch zu bringen.

In diesen Diskussionen über die Erschliessungsform sind die Telekom-Anbieter, Elektrizitätswerke und Kabelnetzbetreiber nun einen wesentlichen Schritt weitergekommen, wie ComCom-Präsident Marc Furrer am Dienstag in der Sendung «Rendez-vous» von Schweiz Radio DRS erklärte. Dies namentlich bei der Koordination des Netzausbaus. Nachdem sich - vor allem in Städten - sowohl Elektrizitätswerke wie auch die Swisscom bereits engagiert haben, bestand die Gefahr einer doppelten Infrastruktur. Nun einigten sich die Akteure aber darauf, den Bau paralleler Netze zu vermeiden. Es sollen vielmehr, wie von der Swisscom favorisiert, mindestens vier Glasfasern in jede Wohnung verlegt werden, um mehreren Netz- und Dienstanbietern den Zugang zum Kunden zu ermöglichen. Wer das Netz wo baut, ist damit aber noch nicht entschieden. Die Betreiber einigten sich zudem auf einen einzigen Steckertyp für die Steckdosen in den Haushalten, um den Kunden den Wechsel des Anbieters zu erleichtern.

Zugang für alle zu gleichen Bedingungen

Einig waren sich die Teilnehmer des Runden Tischs auch darin, dass alle Anbieter zu gleichen Bedingungen und auf verschiedenen Netzebenen Zugang zum Glasfasernetz erhalten müssen. Das soll den Wettbewerb sicherstellen und gewährleisten, dass die Konsumenten ihren Telekom-Anbieter weiterhin frei wählen können. Technisch wird der Netzzugang so eingerichtet, dass der Wechsel zu einem anderen Anbieter auf dem gleichen Glasfasernetz für den Kunden ohne Probleme möglich ist. Noch nicht geregelt ist der Preis für den Netzzugang. Hier hofft Furrer, dass sich die Akteure untereinander einigen und die Behörde nicht eingreifen muss.

Mit den aktuellen Beschlüssen sind die Diskussionen der Akteure am Runden Tisch sowie in den Arbeitsgruppen der ComCom und des Bundesamts für Kommunikation (BAKOM) noch nicht abgeschlossen. Man habe jetzt quasi eine gemeinsame Strategie, sagte Furrer. Wie das konkret umgesetzt werde, sei aber noch offen. Er geht aber davon aus, dass sich die Beteiligten grundsätzlich an die gefassten Beschlüsse halten werden. Die ComCom ihrerseits wird prüfen, welche neuen Regulierungsinstrumente notwendig sind.

Sunrise und Swisscable begrüssen Entscheid

Die Firma Sunrise begrüsste grundsätzlich die Empfehlungen des Runden Tischs, wobei sie Multifasermodelle mit parallelen Netzen ausserhalb von Gebäuden weiter für möglich hält. Swisscable, der Branchenverband der Schweizer Kabelnetzunternehmen, begrüsste die Koordinationsbemühungen ebenfalls, plädierte aber gleichzeitig dafür, die bestehenden Kabelnetze auszubauen, statt einseitig auf die teuren Glasfasernetze zu setzen. Ausgebaute Kabelnetze könnten problemlos jedem Haushalt Breitbandinternet, Telefon, Analog-TV, Digital-TV, HDTV, Filme auf Abruf und weitere Dienste anbieten. (dapd)

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