Gottlose Schweizer?: «Glaube muss nichts mit Religion zu tun haben»
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Gottlose Schweizer?«Glaube muss nichts mit Religion zu tun haben»

Zwei Drittel der Schweizer – und damit mehr denn je – bezeichnen sich als nicht religiös. Die Umfrageergebnisse lösten unter den Lesern eine rege Debatte aus.

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Gemäss einer Erhebung des internationalen Meinungsumfrageinstituts WIN/Gallup geben nur noch 38 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer an, religiös zu sein. Die restliche Bevölkerung bezeichnet sich entweder als nicht religiös (46 Prozent), als atheistisch (12 Prozent) oder macht keine Angaben (4 Prozent).

Drei Jahre zuvor waren noch 50 Prozent der Schweizer Bevölkerung religiös. Im Jahr 2005 gar 71 Prozent. Die deutliche Abnahme löste unter den Leserinnen und Lesern eine rege Debatte aus. In über 500 Kommentaren tauschten sie sich über die Vor- und Nachteile einer Abwendung von der Religion aus und diskutierten die Gründe für den Rückgang.

«Ein Grund ist die Faulheit der Priester»

Viele Kommentierende möchten klarstellen, dass sie sich zwar als nicht religiös, aber dennoch als gläubig bezeichnen. So auch Leser «Religionslos»: «Glaube hat nicht zwangsweise mit Religion zu tun. Man kann auch gläubig sein, ohne in die Kirche zu gehen.»

Leser Martin Straub weiss auch, weshalb bei vielen Schweizern der institutionalisierte Glaube einem persönlichen Glauben weichen muss: «Die staatliche Finanzierung der Kirche durch Steuern führt zu einer unglaublichen Faulheit der Priester. Das ist mit ein Grund für die schwindenden Mitgliederzahlen.»

«Im Mittelalter war eine Religion sinnvoll»

Jerome begrüsst die Entwicklung: «Das sind hocherfreuliche Nachrichten. Im Mittelalter war eine Religion sinnvoll. Sie hielt als eine Art Staatssystem hin. Aber heutzutage benötigt es das nicht mehr.» Dennoch befürchtet er, dass mit der abnehmenden Religiosität auch ein Schwinden von Werten einhergeht: «Es sollten jedoch auch ohne Religion Ethik, Moral und Anstand herrschen. Das ist heutzutage ebenfalls kaum mehr zu finden.»

Mit dieser Befürchtung steht Jerome nicht allein da. Viele Leser sind der Meinung, dass mit der Religion auch die christlichen Werte schwinden: «Immer weniger Menschen in der Schweiz glauben und immer weniger Menschen leben die Werte wie Anstand, Moral und Mitgefühl. Ich bin mir selbst der Nächste – darauf läuft es doch heute hinaus, oder?», schreibt Paolo.

«Die Prinzipien sind geblieben»

Andere Leserinnen und Leser halten jedoch dagegen. Sie glauben nicht, dass durch die verstärkte Abkehr von der Religion auch die Moral verloren geht. Viel mehr sind sie der Meinung, dass Werte einfach durch neue Lebenseinstellungen gelebt werden: «Heute ist man halt vegan statt katholisch. Die Prinzipien sind aber geblieben», findet Hugo Studer.

Denken Sie, dass die Abkehr der Schweizerinnen und Schweizer von der Religion das tägliche Leben beeinflusst? Lesen Sie mehr Meinungen im Kommentarfeld und diskutieren Sie mit!

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