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Homeoffice-RS«Meine Freundin freut sich, dass wir uns trotz RS häufig sehen können»

Wegen Corona bestreitet ein Teil der Rekruten die ersten drei RS-Wochen zu Hause. Bei den betroffenen Rekruten sorgt vor allem die angekündigte Eintrittsprüfung für Nervosität.

von
Daniel Krähenbühl
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Simon (19) freut sich, dass er während der Home-RS seinen Trainingsrhythmus einhalten kann.

Simon (19) freut sich, dass er während der Home-RS seinen Trainingsrhythmus einhalten kann.

Privat
Rund 5000 Rekruten verbringen die ersten drei Wochen der RS im Homeoffice.

Rund 5000 Rekruten verbringen die ersten drei Wochen der RS im Homeoffice.

20 Min / Michael Scherrer
Kontrolliert werden sie während den drei Wochen aber nicht. Erst beim Einrücken gibt es eine Prüfung. «Wir setzen auf die Eigenverantwortung», sagt Armeesprecher Daniel Reist. 

Kontrolliert werden sie während den drei Wochen aber nicht. Erst beim Einrücken gibt es eine Prüfung. «Wir setzen auf die Eigenverantwortung», sagt Armeesprecher Daniel Reist.

20 Min / Michael Scherrer

Darum gehts

  • Die Armee führt die erste Rekrutenschule des Jahres gestaffelt durch. Rund 5000 Rekruten müssen erst am 8. Februar in die Kasernen einrücken.

  • Die RS startet für alle trotzdem am 18. Januar. Diejenigen Rekruten im Homeoffice müssen sich selbständig Grundkenntnisse des Militärs aneignen.

  • Nicht alle Rekruten freuen sich über die Corona-Massnahme.

Homeoffice und E-Learning statt Kaserne und Drillübungen: Rund 5000 Rekruten verbringen ab dem 18. Januar die ersten drei Wochen der RS aufgrund der Coronapandemie zu Hause. In der Homeoffice-RS müssen sie sich selbständig Grundkenntnisse des Militärs und des militärischen Alltags aneignen. Kontrolliert werden sie während den drei Wochen aber nicht. Erst beim Einrücken gibt es eine Prüfung. «Wir setzen auf die Eigenverantwortung», sagt Armeesprecher Daniel Reist. Nicht alle, die am 18. Januar mit der RS starten, freuen sich jedoch über den gestaffelten Start:

Volkan (20): «Ich werde im Homeoffice wohl nicht viel für die RS lernen»

«Als ich davon gehört habe, dass ich erst drei Wochen später in die Kaserne einrücken muss, habe ich mich natürlich gefreut. Dann habe ich gesehen, was man alles lernen und können muss. Wenn man bei der Prüfung durchfällt, muss man die Wochenenden in der Kaserne bleiben – das will ich natürlich auch nicht. Letztendlich denke ich aber schon, dass man sich in der Kaserne besser lernen und vorbereiten kann als zu Hause. Vor allem für den praktischen Teil, wie etwa das Training an der Waffe, sehe ich schwarz. Das kann man am PC nicht wirklich üben.»

Volkan absolviert die RS in den Nachschub Schulen 45 in Fribourg.

Simon (19): «Meine Freundin freut sich»

«Über den gestaffelten RS-Start und darüber, dass ich die ersten Wochen daheim verbringen darf, freue ich mich sehr. Für mich als Athleten bedeutet das, dass ich für einige Wochen länger meinen gewohnten Trainingsrhythmus einhalten kann und an den Volleyball-Matches teilnehmen kann. Auch meine Freundin freut sich darüber, dass wir uns trotz RS häufig sehen können.

Zu Hause werde ich sicher genug für das Militär lernen, damit ich die Prüfung bestehe. Ob ich – wie empfohlen – jeden Tag sechs Stunden büffle, glaube ich aber nicht. Jedoch habe ich das Gefühl, dass es sicher viele Rekruten geben wird, die es schleifen lassen und danach einige Wochenenden in der Kaserne verbringen müssen.»

Simon ist für die Luftwaffe in Dübendorf eingeteilt, muss aber erst am 8. Februar dort einrücken.

Mario (20): «Ich würde lieber direkt in die Kaserne einrücken»

«Ich halte nicht viel davon, dass ein Teil der Rekruten die ersten Wochen der RS Zuhause absolvieren müssen. Erstens sollten alle Rekruten gleich behandelt werden. Zweitens weiss ich aus eigener Erfahrung, dass ich im Homeoffice nie gleich viel lernen werde, wie wenn ich in der Kaserne stationiert wäre. Während den Wochenenden in der Kaserne bleiben, weil ich in der Prüfung durchgefallen bin, will ich aber auch nicht. Ehrlich gesagt, würde ich es darum bevorzugen, direkt in die Kaserne einzurücken. Es ist schön und gut, dass man im eigenen Bett schlafen kann und unter der Woche auch weggehen kann – aber die Nachteile überwiegen für mich klar.»

Mario rückt am 8. Februar in die Genieschule in Brugg (AG) ein.

Geronimo (19): «Wir haben den besseren Deal erhalten»

«Für mich stellt sich die Frage, wie die RS im Homeoffice vonstatten gehen soll. Ich glaube, da kann sich niemand etwas darunter vorstellen. Im Gegensatz zu den Rekruten, die direkt in die Kasernen müssen, haben wir schon einen besseren Deal erhalten. Immerhin können wir im eigenen Umfeld bleiben und uns auch unter der Woche mit Kollegen treffen. Unfair ist es meiner Meinung nach aber nicht: Immerhin ist das ganze der Corona-Pandemie geschuldet.

Momentan kann ich mir aber noch nicht vorstellen, dass ich in der Home-RS genau so gut ausgebildet werde, wie in der normalen RS in der Kaserne. Jedoch bin ich gespannt, wie die 3 Wochen zu Hause werden.

Geronimo verbringt die ersten drei Wochen seiner RS als Unterstützungssoldat Zuhause – und nicht in der Kaserne in Thun.

Sandro (19): «Bin froh, dass ich den Test nicht selber schreiben muss»

«Grundsätzlich kann ich es gut nachvollziehen, dass die Armee die Rekruten ins Homeoffice schickt. Wir alle wollen gesund bleiben. Andererseits ist es für diejenigen, die direkt in die Kaserne müssen, schon ein wenig unfair. Andererseits bin ich froh, dass ich den Test nach drei Wochen Faulenzen nicht selber schreiben muss. Ich glaube nämlich nicht, dass sich die Rekruten im Homeoffice viel Mühe geben werden. Schliesslich habe ich noch nie jemanden kennengelernt, der motiviert ins Militär gegangen ist.»

Sandro muss als Fahrer planmässig am 18. Januar in die Kaserne Frauenfeld einrücken.

Michael (19): «Einige werden während Wochen nicht nach Hause gehen können»

«Mich stört es nicht, dass wir einrücken müssen, während andere drei Wochen zu Hause bleiben dürfen. Wer sich Zuhause nicht vorbereitet, wird es spätestens beim Eintrittstest in der Kaserne bereuen. Ich habe das Gefühl, dass einige diese Prüfung mehrmals wiederholen müssen und so während einigen Wochen gar nicht nach Hause gehen können. Was dazukommt: Die Militärmaterie im Selbststudium zu lernen, stelle ich mir viel anspruchsvoller vor, als wenn einem ein Profi die Infos vermittelt.»

Michael ist in Chur als Infanterist eingeteilt und wird regulär am 18. Januar einrücken.

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212 Kommentare
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mike_-

10.01.2021, 20:02

4tage à 6h gibt ja dann auch einen ganzen Diensttag..... schon ein bisschen eine sauerei

Sie werden es überstehen

10.01.2021, 15:22

Wer sagt denn, dass die jungen Männer am Wochenende Urlaub bekommen? Mein Sohn musste vor einem Jahr einrücken und Rekruten hatten ab März 6 Wochen keinen Urlaub wegen Corona. Und gegen Schluss durften sie nur noch alle 14 Tage nach Hause und das auch nur gestaffelt. Ein Teil am Wochenende und der andere Teil unter der Woche. Wegen Corona wurde vieles abgesagt oder stark gekürzt durchgeführt. Sogar die Märsche wurden gestrichen. Die Rekruten mussten nur einen 15 Km Marsch durchführen. Da die Beizen geschlossen sind, werden die Rekruten ihren freien Abend in der Kaserne verbringen müssen.

Hahahah

10.01.2021, 15:08

Wie ausgesprochen lächerlich das Ganze. Ich kann gar nicht so viel lachen wie ich möchte.