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Paketbomben-Alarm«Glaubhafte terroristische Bedrohung»

Nur Tage vor den Kongresswahlen in den USA haben britische und arabische Sicherheitsbehörden zwei Anschläge mit Paketbomben vereitelt. Die Pakete waren per Luftfracht unterwegs in Richtung USA.

Ermittler vermuten hinter den im Jemen aufgegeben Sendungen die Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel. Der Sprengstoff wurde am Freitag in zwei Frachtflugzeugen in England und Dubai entdeckt. Die Pakete waren an zwei jüdische Synagogen in Chicago adressiert.

Das auf dem Flughafen in Dubai entdeckte Paket enthielt nach Polizeiangaben einen Computerdrucker, in dem die Chemikalie PETN versteckt war, die auch als Sprengstoff verwendet wird. Gefunden wurden auch die SIM-Karte eines Mobiltelefons und der Stoff Bleiazid, der in Zündern zum Einsatz kommt.

PETN wollte auch Omar Farouk Abdulmutallab bei seinem gescheiterten Versuch zünden, an Weihnachten 2009 ein Passagierflugzeug über Detroit in die Luft zu jagen. Der «Unterhosenbomber» hatte gemäss US-Behörden Verbindungen zur Al- Kaida im Jemen.

Die Polizei in Dubai erklärte am Samstag, auch die Bauart der gefundenen Bombe deute auf «terroristische Gruppen wie Al-Kaida hin». Sie habe die Paketbombe nach Hinweisen anderer Geheimdienste gefunden.

Nach Angaben der US-Regierung kam der Tipp vom saudischen Geheimdienst. Die Al-Kaida im Jemen gilt schon länger als der aggressivste Arm der Extremistenorganisation.

Bombe sollte im Flugzeug explodieren

Das andere Paket wurde in einem Flugzeug auf dem englischen Flughafen East Midlands bei Birmingham entdeckt. Die britische Innenministerin Theresa May bestätigte am Samstag in London, dass das Paket einen funktionsfähigen Sprengsatz enthalten habe.

Premier David Cameron sagte am Abend, nach neusten Erkenntnissen sei die Bombe so präpariert gewesen, dass sie bereits im Flugzeug explodieren sollte.

Zuvor hatte die US-Ministerin für innere Sicherheit, Janet Napolitano, noch erklärt, es sei unklar, ob die Bomben noch an Bord der Flugzeuge oder an den Zielorten explodieren sollten. Napolitano sagte weiter, alles deutete auf die Terrororganisation Al-Kaida von Osama bin Laden hin.

US-Präsident Barack Obama sprach bereits am Freitag von einer «glaubhaften terroristischen Bedrohung». Nach Angaben seiner Regierung wurden die Sendungen via die US-Paketdienste United Parcel Service (UPS) und FedEx verschickt.

In den USA wurden darauf dutzende Frachtflugzeuge sowie ein UPS- Lastwagen durchsucht. Kanadische und US-Abfangjäger eskortierten zudem ein Emirates-Linienflugzeug mit Ziel New York. Die Fluggesellschaft dementierte darauf, dass sich Fracht aus dem Jemen an Bord befunden habe. mehrere Luftfrachtunternehmen und Staaten stoppten auch alle Lieferungen aus dem Jemen. London unterband auch die Direktflüge.

Absenderin verhaftet

Im Jemen selbst nahmen Sicherheitskräfte nach eigenen Angaben am Samstag die mutmassliche Absenderin der Pakete fest. Kurz zuvor hatte Präsident Ali Abdullah Saleh mitgeteilt, die Identität der Aufgeberin der Pakete sei bekannt und die Polizei habe ihr Haus umstellt.

Jemenitische Ermittler nahmen auch Mitarbeiter von Luftfrachtgesellschaften und der Frachtabteilung des internationalen Flughafens Sanaa fest, um sie zu vernehmen. Zudem untersuchten sie 26 weitere Sendungen auf Sprengstoff. Ob sie fündig wurden, blieb offen.

Kaum Einfluss auf US-Wahlen

Die Anschlagsversuche schrecken die Amerikaner kurz vor den Kongresswahlen am Dienstag auf. Der Wahlkampf wurde nicht vom Thema Terrorismus bestimmt, sondern von der schwachen Wirtschaft und der Arbeitslosigkeit.

Beobachter rechnen damit, dass die Demokraten im Repräsentantenhaus die Mehrheit verlieren werden. Die Republikaner könnten nach der Wahl auch den Senat dominieren. Es gilt als unwahrscheinlich, dass die jüngsten Anschlagspläne die Wahl entscheidend beeinflussen. «Die Wahl ist durch», sagte Politologe Larry Sabato von der Universität von Virgina.

(dapd)

US-Geheimdienste sagten Anschlagsversuch auf dem Postweg voraus

Die versuchten Terroranschläge mit Hilfe von Sprengstoffpaketen haben die USA nicht unvorbereitet getroffen. Die Geheimdienste warnten im September vor der Möglichkeit, dass Terroristen versuchen könnten, chemische oder biologische Kampfmittel für Anschläge auf dem Postweg zu befördern. Das geht aus einem Schreiben des US-Heimatschutzministeriums hervor, das der Nachrichtenagentur AP vorliegt. Auch andere westliche Länder könnten das Ziel derartiger Anschläge sein, hiess es weiter. In der Vergangenheit gab es des öfteren ähnliche Warnungen. (ap)

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