Aktualisiert 02.06.2014 10:15

Bieler Altdeponie«Gleiche Werte wie bei Fukushima»

Greenpeace ist schockiert über die Menge an radioaktivem Radium in der Bieler Altdeponie. Weil die Behörden nicht informiert haben, könnte das Risiko gestiegen sein.

von
Deborah Onnis
Wenn Radium nah an der Oberfläche wäre, würde es eine «unmittelbare Gefahr» für den Menschen sein.

Wenn Radium nah an der Oberfläche wäre, würde es eine «unmittelbare Gefahr» für den Menschen sein.

Auf der Altdeponie mitten im Bieler Wohnquartier wurde eine grosse Menge an radioaktivem Radium gefunden. Deren Strahlungswerte werden von Experten als «sehr hoch» eingestuft. Die lokalen Behörden und der Bund werden nun heftig kritisiert, weil die Bevölkerung nicht informiert wurde.

Bis zu 300 Mikrosievert pro Stunde wurden laut der «SonntagsZeitung» an einigen Stellen der Bieler Altdeponie gemessen, auf der auch Wohnhäuser gebaut wurden. Diese Werte schockieren Florian Kasser, Zuständiger für Atomenergie und Mitglied der Strahlenschutz-Gruppe von Greenpeace: «Eine solche Menge konnten wir bisher nur in der Nähe von Reaktorkatastrophen wie in Japan oder in der Ukraine feststellen.» Die potentielle Gefahr sei sehr gross.

«Viele Altdeponie müssten schon lange saniert werden»

Dass die Behörden bei einer solchen Strahlung die Bevölkerung nicht umgehend informiert haben, sei nicht akzeptabel. «Mit den richtigen Vorsichtsmassnahmen kann man sich vor der Strahlung schützen. Deshalb haben die Behörden die Pflicht, die Bevölkerung über solche Befunde zu informieren.» Falls das Radium nah an der Oberfläche wäre, könne es ein unmittelbares Risiko für die Bevölkerung darstellen. «Insbesondere wäre sicherzustellen, dass Kinder, die oft im Freien herumtollen, nicht mit solchen radioaktiven Quellen in Kontakt kommen.» Sie reagierten auf Radioaktivität empfindlicher als Erwachsene.

«Es überrascht mich aber nicht, dass in Altdeponien radioaktives Material oder Chemieabfälle gefunden werden», so Kasser. Bis Mitte der 60er Jahre wurde Radium vor allem von der Uhrenindustrie für die Leuchtanzeigen benutzt. Die Standorte von Altdeponien seien zwar meistens bekannt, ihre Zusammensetzung jedoch oft nicht. «Es gibt viele Altdeponien, die schon lange saniert werden müssen.» Deshalb sei es gut möglich, dass noch viele andere Orte betroffen sind.

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