Aktualisiert 30.03.2014 11:02

Zehn Tote pro JahrGleise überqueren kann teuer oder gar tödlich sein

Drei Männer werden gebüsst, weil sie im Hauptbahnhof Zürich verbotenerweise die Gleise überquert haben. Wie sie machen es jährlich Hunderte – vor allem in der Nähe von Schulen und Firmen.

von
Deborah Onnis

«Überschreiten der Gleise verboten» – so steht es an jedem Bahnhof. Drei Kollegen ignorierten das Schild am Zürcher Hauptbahnhof und wurden gebüsst, weil sie über zwei viel befahrene Gleise gelaufen waren. Einer wollte sich am Donnerstag vor Gericht dagegen wehren, liess den Prozess aber platzen. Jetzt muss er 80 Franken bezahlen.

Damit kommt er noch billig weg. Im Kanton Zürich entscheiden die Statthalter der Bezirke, wie hoch Busse und Gebühr ausfallen. In Dietikon ZH sind es bis zu 450 Franken. 348 Menschen wurden 2012 verzeigt, weil sie unerlaubt die Bahngleise überquert hatten – doppelt so viele wie im Vorjahr. Die meisten waren junge Männer unter 30 Jahren.

Die Gefahr ist nicht zu unterschätzen: Im Schnitt bezahlen rund zehn Personen pro Jahr die Abkürzung über die Bahngleise oder den Aufenthalt im Gleisbereich mit ihrem Leben. Im Dezember starben am Bahnhof Bern-Wankdorf innert drei Tagen vier Menschen auf den Gleisen. «Das unerlaubte Überqueren der Gleise ist eine der häufigsten Ursachen von tödlichen Unfällen im Bahnverkehr», sagt Andreas Windlinger vom Bundesamt für Verkehr. «Ungefähr ein Drittel der tödlichen Unfälle ist darauf zurückzuführen.»

Bei Schulen, Unternehmen und Wohnblöcken

Manchmal häufen sich die Fälle von illegalem Übertreten der Gleise an einem bestimmten Bahnabschnitt, wie zum Beispiel in Pfäffikon ZH in der Nähe einer Schule. Dort werden junge Erwachsenen oft beobachtet, wie sie die Bahngleise überqueren, um häufig das gegenüberliegende Landi schneller zu erreichen, wie Regio.ch berichtet. «Wenn in der Nähe der Gleise zum Beispiel eine Schule, ein Unternehmen oder neue Wohnblöcke stehen, beobachten wir häufiger, dass Leute die Gleise unerlaubt überqueren», sagt SBB-Sprecher Daniele Pallecchi.

In solchen Fällen wird die SBB aktiv. «In einem ersten Schritt nehmen wir Kontakt mit der Schule beziehungsweise dem Arbeitgeber oder Hausverwalter auf, um auf die tödliche Gefahr hinzuweisen.» Gleichzeitig werde auch die Präsenz der Transport- oder Gemeindepolizei erhöht. Bis jetzt hätten diese Massnahmen eine starke Wirkung gezeigt. Nur in seltenen Fällen sei es nötig, Zäune aufzustellen, um Menschen daran zu hindern, eine Abkürzung über die Gleise zu nehmen.

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