Aktualisiert 05.05.2013 11:38

1:12-Initiative

Glencore-Chef droht mit Wegzug aus der Schweiz

Ivan Glasenberg will mit seinem Rohstoffmulti Glencore die Schweiz verlassen, falls die 1:12-Initiative durchkommt. Auch Stellenvermittler Adecco befürchtet das Schlimmste für den Wirtschafsstandort Schweiz.

von
egg
Glencore-Chef Ivan Glasenberg droht dem Wirtschaftsstandort Schweiz: «Es gibt genügend Länder, die uns gerne aufnehmen.»

Glencore-Chef Ivan Glasenberg droht dem Wirtschaftsstandort Schweiz: «Es gibt genügend Länder, die uns gerne aufnehmen.»

Ivan Glasenberg gilt als unnahbar und machtbewusst. Jetzt mischt sich der Chef des Rohstoff-Multis Glencore aus Baar ZG aber in die Schweizer Wirtschaftspolitik ein: Glasenberg droht damit, dass die Firma die Schweiz verlassen, falls die 1:12-Initiative vom Schweizer Volk angenommen würde.

Die Initiative, die verlangt, dass Top-Manager höchstens 12-mal mehr verdienen dürfen als der schlechtest bezahlte Mitarbeiter im gleichen Unternehmen, würde der Schweizer Wirtschaft grossen Schaden zufügen, sagte Glasenberg in der «SonntagsZeitung». Und er droht: «Wenn diese Vorlage angenommen würde, wären wir aber möglicherweise gezwungen, ins Ausland zu ziehen, obwohl wir dies nicht wollen.»

Alternativen vorhanden

Es gebe genügend Länder, «die uns gerne aufnehmen», fährt Glasenberg fort. Auch für andere international tätige Firmen wie Nestlé, Novartis und Roche wäre eine Annahme der Juso-Initiative «ein gewaltiges Problem». Ein Konzern wie Glencore würde die besten Talente verlieren: «Wir haben viele exzellente Leute hier in Baar, die deutlich mehr verdienen als ich», sagt Glasenberg.

Glasenberg hat nach eigenen Angaben im letzten Jahr 964'000 Dollar verdient, einen Bonus erhält er keinen. Der gebürtige Südafrikaner, der seit 30 Jahren Partner von Glencore ist, hält aber beträchtliche Aktienanteile an der Firma.

Adecco würde trotzdem bleiben

Auch der Chef des Arbeitsvermittlers Adecco, Patrick De Maeseneire, glaubt, dass die Schweiz mit der 1:12-Initiative im Abseits stünde. «Standorte wie Singapur und Dubai buhlen weltweit um Firmen, auch in der Schweiz, und sind bereit, dafür grosse Zugeständnisse zu machen», warnt er in der «SonntagsZeitung». De Maeseneire mache sich zwar Sorgen um die Arbeitsplätze, ein Wegzug aus der Schweiz stehe deswegen aber nicht zur Debatte.

Bei den Initianten stossen die Drohungen von Glencore-Chef Glasenberg auf wenig Verständnis. Initiator und SP-Nationalrat Cédric Wermuth gibt sich unbeeindruckt: «Dann sollen sie eben gehen», schrieb er in einer am Sonntag veröffentlichten Stellungnahme. Aus seiner Sicht sind die Rohstoffhändler langfristig für die Schweiz kein Verlust, «weder politisch noch ökonomisch». (egg/sda)

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