Gletscher-Phänomen: Einer passt nicht ins Muster
Aktualisiert

Gletscher-Phänomen: Einer passt nicht ins Muster

Viele Gletscher leiden unter der Erderwärmung und schmelzen langsam aber stetig dahin. Doch nicht alle. Einer der grössten Gletscher Argentiniens wächst sogar zusehends.

Die Gletscher auf der ganzen Welt schmelzen dahin aufgrund der Erderwärumung. Alle? Nicht ganz. Vor allem die Gletscher auf der Südhalbkugel bleiben in der Tendenz stabil. Ein Glacier, bei dem dies besonders augenfällig ist, ist der Perito Moreno. Beobachter können zusehen, wie der Gletscher fast stündlich wächst und das tiefere Ende sich Stück um Stück in einen See schiebt.

Und wächst und wächst

Der nach einem Erforscher Patagoniens benannte Gletscher in der argentinischen Region Santa Cruz blieb auch in den vergangenen warmen Jahren stets konstant. Die Eismassen des Gebietes, insgesamt 257 Quadratkilometer, werden nicht kleiner. Der Gletscher wächst auf der einen Seite genau so schnell nach, wie er auf der anderen schmilzt oder abbricht. Ein Grund dafür ist nach Ansicht des Schweizer Glaziologen Benedikt Schnyder, die hohe Niederschlagsmenge in dieser Region. Ein weiterer Faktor ist nach Meinung des Experten die Tatsache, dass bislang auf der Südhalbkugel noch keine Erderwärmung zu verzeichnen ist. «Die für den Gletscher günstigen Temperaturen und die häufigen Schneefälle im Nährgebiet des Gletschers fördern dessen stetiges Wachstum.»

Gewaltige Eisrampe

Der Perito Moreno, von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt, ist ein Naturwunder. Nicht nur für Wissenschaftler, auch für Touristen ist der Gletscher eine Attraktion. Bis zu 70 Meter hoch ragt die Eiswand des Gletschers über den Lago Argentino. Von einer Aussichtsplattform aus können Besucher beobachten, wie Eismassen in den See stürzen und dabei gewaltige Flutwellen auslösen. Einen Meter pro Tag schiebt sich der Gletscher weiter in den See hinein. Dabei macht das Eis Geräusche. Die abgeschiedene Eiswelt ist keine stille, sie knackt und kracht.

Alle vier bis zehn Jahre blockiert der Gletscher auf seiner Wanderung über den See einen Nebenarm des Lago Argentino. Dadurch steigt der Wasserspiegel im südlichen Teil des Sees so lange, bis die Eismassen zusammenbrechen. Im März 2006 war dieses gigantische Naturspektakel zum letzten Mal zu sehen.

Deine Meinung