Wahlen: GLP droht in der Ostschweiz ein Fiasko
Aktualisiert

WahlenGLP droht in der Ostschweiz ein Fiasko

Am Sonntag sind Parlamentswahlen. Zwei Polit-Experten erklären, wo es in der Ostschweiz zu Überraschungen kommen könnte.

von
Jeremias Büchel
Alle diese Köpfe wollen ins Parlament. Am Sonntag wissen wir, wer es geschafft hat. Wahlplakate in Gossau (15.10.2015)

Alle diese Köpfe wollen ins Parlament. Am Sonntag wissen wir, wer es geschafft hat. Wahlplakate in Gossau (15.10.2015)

Mit Spannung wird der 18. Oktober erwartet. In der Ostschweiz richten sich die Augen vor allem auf die Grünliberalen (GLP). Bei den Wahlen 2011 gewann die GLP in der Ostschweiz dank Listenverbindungen drei Sitze im Nationalrat. 2015 droht ihr aber ein Scherbenhaufen.

Denn dieses Jahr Jahr geht die GLP in der Ostschweiz ohne die weitreichenden Listenverbindungen von 2011 ins Rennen. Das wird sie wohl die Nationalratssitze in den Kantonen Thurgau, Graubünden und St. Gallen kosten. Freuen dürfen sich wohl bürgerliche Parteien.

«Im Bündnerland ist alles möglich»

Hoffnungslos ist die Situation im Kanton Thurgau. «Der Sitz von Thomas Böhni (GLP) ist weg und geht mit hoher Wahrscheinlichkeit an die FDP», so der Politologe Silvano Moeckli von der Universität St. Gallen. Die FDP könnte sogar zwei Sitze im Thurgau gewinnen, wenn es der grossen Listenverbindung gelingt, der SVP einen Sitz streitig zu machen. «Der dritte SVP-Sitz war 2011 ein Restmandat. Möglich, dass die SVP dieses verliert, da ihr das Zugpferd Peter Spuhler fehlt», so Politbeobachter Reto Antenen.

Auch im Kanton Graubünden besteht wenig Hoffnung für die GLP. Der Sitz von Josias Gasser kann kaum gehalten werden. Die Frage am 18. Oktober wird sein, ob der Sitz an die bürgerliche Listenverbindung von BDP, CVP und FDP geht oder an die SVP und somit wohl an Magdalena Martullo-Blocher, die Tochter von Alt-Bundesrat Christoph Blocher. «Im Bünderland ist alles möglich», so Moeckli. Die Frage sei, ob es die Bündner Martullo übel nehmen, dass sie ihren Wohnsitz nicht im Kanton hat und auch keinen Bünder Dialekt spricht.

Kessler muss zittern

Im Kanton St. Gallen muss Patientenschützerin Margrit Kessler (GLP) um ihren Nationalratssitz zittern. «Sie wird Mühe haben, den Sitz zu halten», so Politologe Moeckli. «Die GLP müsste etwa ein Viertel mehr Stimmen machen, um den Sitz zu verteidigen.» Das sei angesichts der negativen Prognosen unwahrscheinlich. Die Frage sei, wer davon profitieren könnte. Die SVP kommt für Moeckli weniger in Frage. «Da müsste sie kräftig zulegen. Und das ist bei der erwarteten mässigen Wahlbeteiligung unwahrscheinlich.» Das sieht auch Politbeobachter Reto Antenen so. Favoriten auf einen allfälligen fünften SVP-Sitz seien Mike Egger und Barbara Keller-Inhelder.

Zuallererst könnte die FDP profitieren, da ihr allgemein Gewinne prognostiziert werden. «Allerdings fehlt der Partei das Zugpferd. Walter Müller ist wegen der Kasachstan-Affäre angeschlagen und sonst ist kein Kandidat besonders hervorgestochen», so Moeckli. Da sei es auch denkbar, dass der Sitz an die CVP geht. Sie kann dank zwei Bisherigen auf Panaschierstimmen zählen und ist zudem eine Listenverbindung mit der BDP und der EVP eingegangen. Bei der CVP gibt es noch den Sitz der abtretenden Lucrezia Meier-Schatz zu besetzen. Antenen sieht hier die Kandidaten Thomas Ammann und Nicolo Paganini in der Pole Position.

Im Schlafwagen nach Bern

Im Kanton St. Gallen wird der Ständeratswahlkampf spannend.

Um die zwei Sitze buhlen neun Kandidaten. Karin Keller-Sutter (FDP) kann mit der sicheren Wiederwahl rechnen. Paul Rechsteiner (SP) muss wohl in einen zweiten Wahlgang. «Dann werden die Karten mit weniger und eventuell neuen Kandidierenden neu gemischt.» Einen Bisherigen zu schlagen, bleibe schwierig, meint Moeckli.

Im Schlafwagen nach Bern fahren die bisherigen Bündner Ständeräte: Die Bisherigen, Martin Schmid (FDP) und Stefan Engler (CVP), treten ohne Konkurrenz an. Auch Andrea Caroni (FDP) geht als einziger Kandidaten ins Rennen des Halbkantons Appenzell Ausserrhoden. Noch komfortabler hat es Ständerat Ivo Bischofberger aus Appenzell Innerrhoden: Er wurde bereits an der Landsgemeinde Ende April bestätigt. Auch in Mostindien wird es keine Überraschung geben: «Im Thurgau werden die Bisherigen wiedergewählt», meint Antenen.

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