18.10.2020 13:40

Grüne Welle im Aargau GLP und Grüne gewinnen die Grossratswahlen

Im Kanton Aargau fanden am Sonntag Wahlen statt. Während die SP um einen Regierungssitz kämpfte, befand sich die SVP auf dem Prüfstand.

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Der Aargauer Grosse Rat tagte seit Mai wegen der Corona-Pandemie in einem Saal in Spreitenbach AG. (Archivbild)

Der Aargauer Grosse Rat tagte seit Mai wegen der Corona-Pandemie in einem Saal in Spreitenbach AG. (Archivbild)

Keystone-SDA
Gruppenbild ohne Frau: Der Aargauer Regierungsrat mit Jean-Perre Gallatti (SVP), Alex Hürzeler (SVP) Markus Dieth (CVP), Dieter Egli (SP,neu) und Stephan Attiger, FDP (von links).

Gruppenbild ohne Frau: Der Aargauer Regierungsrat mit Jean-Perre Gallatti (SVP), Alex Hürzeler (SVP) Markus Dieth (CVP), Dieter Egli (SP,neu) und Stephan Attiger, FDP (von links).

KEYSTONE/ALEXANDRA WEY
Auf Anhieb in den Aargauer Regierungsrat gewählt: Dieter Egli (SP).

Auf Anhieb in den Aargauer Regierungsrat gewählt: Dieter Egli (SP).

zvg

Darum gehts

  • Im Kanton Aargau wurden am Sonntag der Regierungsrat und der Grosse Rat neu gewählt.

  • Die grossen Gewinner bei den Parlamentswahlen: GLP und Grüne.

  • Verlierer sind die SP, SVP und FDP.

  • Im Regierungsrat sitzen weiterhin nur Männer.

Bei den Aargauer Grossratswahlen hat die GLP 6 Sitze gewonnen und kommt neu auf 13 Mandate. Die Partei legte um 4,0 Prozentpunkte auf 9,2 Prozent zu. Die Grünen gewannen 4 Sitze und haben nun 14 Mandate, was einem Plus von 3,0 Punkten auf 10,0 Prozent entspricht.

Die GLP sprach auf Twitter von einem «Erdrutsch».

«Ein tolles Resultat»: Das schrieben die Grünen Schweiz ebenfalls auf Twitter.

SVP weiterhin grösste Fraktion

Mit einem Minus von 4 Sitzen ist die SP die grösste Verliererin. Sie kommt auf 23 Mandate. Sie büsste 2,4 Punkte ein und liegt noch bei 16,6 Prozent Wähleranteil. Vor vier Jahren war die SP mit einem Plus von fünf Sitzen noch die Wahlsiegerin gewesen.

Die SVP muss 2 Sitze abgeben, bleibt jedoch mit 43 Sitzen die grösste Fraktion. Sie büsste um 1,6 Prozentpunkte ein und liegt nun bei 30,3 Prozent.

Die FDP verlor einen Sitz und kommt noch auf 21 Mandate. Sie büsste 1,3 Punkte ein und landete bei 14,7 Prozent. Die CVP legte um einen Sitz auf 18 Mandate zu, was einem Plus von 0,7 Punkten auf 12,8 Prozent entspricht.

Die neue Sitzverteilung: SVP 43 (-2), SP 23 (-4), FDP 21 (-1), CVP 18 (+1), Grüne 14 (+4), GLP 13 (+6), EVP 6 (-), EDU 2 (-). Die Wahlbeteiligung betrug 33,0 Prozent.

Der Anteil der Frauen im Kantonsparlament sank im Vergleich zu vor vier Jahren auf 31,4 Prozent. 44 Frauen wurden nun ins Parlament gewählt. Das Durchschnittsalter aller Gewählten stieg auf 49 Jahre. Insgesamt wurden 31 Kandidierende neu in den Grossen Rat gewählt.

Kantonsregierung besteht aus fünf Männern

Der Aargauer Kantonsregierung besteht in den kommenden vier Jahren aus fünf Männern. SP-Fraktionspräsident Dieter Egli hat den den freien SP-Sitz auf Anhieb verteidigt. Die Kandidatin der Grünen übersprang das absolute Mehr. Sie scheidet jedoch als Überzählige aus.

Die Wählenden setzten auf Kontinuität. Dem Regierungsrat gehören weiterhin zwei SVP-Vertreter an sowie je ein Vertreter von CVP, FDP und SP. Die vier bisherigen Regierungsräte wurden im Amt bestätigt.

Das beste Resultat erzielte Finanzdirektor Markus Dieth mit 95'611 Stimmen, dicht gefolgt von Baudirektor Stephan Attiger mit 95'404 Stimmen. Das absolute Mehr von 57'198 Stimmen übersprangen ebenfalls Bildungsdirektor Alex Hürzeler mit 87'413 Stimmen und Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati mit 74'492 Stimmen. Er ist erst seit Dezember im Amt.

Neu in den Regierungsrat gewählt wurde SP-Fraktionspräsident Dieter Egli. Der 50-jährige Kommunikationsleiter der Gewerkschaft Syna erhielt 69'747 Stimmen. Er übernimmt den freiwerdenden Sitz von SP-Regierungsrat Urs Hofmann, der nicht mehr antrat. Egli dürfte das Volkswirtschaftsdepartement übernehmen.

«Das ist nicht mehr zeitgemäss»

Der Kantonsregierung gehört weiterhin keine Frau an. Die Kandidatin der Grünen, Christiane Guyer, übersprang zwar das absolute Mehr von 60'103 Stimmen. Die Stadträtin von Zofingen scheidet aber als Überzählige aus.

Sie zeigte sich über den Ausgang der Wahl sehr enttäuscht. Es ärgere sie, dass der Aargau weiterhin eine Männerregierung habe, sagte Guyer im Radio SRF: «Das ist einfach ein Rückschritt – und es ist einfach nicht mehr zeitgemäss.»

Es sei schade, dass die Grünen gemeinsam mit der SP nicht zwei Sitze in der Regierung erobert hätten, sagte Grünen-Präsident Daniel Hölzle: «Es ist halt der Aargau.»

Der Aargau als bevölkerungsmässig viertgrösster Kanton ist kein Sonderfall. Auch den Regierungen in den Kantonen Luzern und Uri gehören einzig Männer an.

Frauen haben schweren Stand

Das gleiche Schicksal wie Guyer hatte vor 20 Jahren bereits die damalige FDP-Regierungsrätin Stéphanie Mörikofer ereilt. Nach acht Jahren schaffte sie die Wiederwahl nicht. Sie überschritt das absolute Mehr – und belegte ebenfalls den sechsten Platz.

Dem Regierungsrat gehörten neben Mörikofer bislang nur zwei Frauen an. Das waren Susanne Hochuli (Grüne), die während acht Jahren im Amt war. Die glücklose Franziska Roth (Ex-SVP) trat nach kurzer Amtszeit im Juni 1999 zurück. Die SP versuchte mehrfach mit einer Frau, einen zweiten Sitz in der Regierung zu erobern.

(SDA)

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