Aktualisiert 03.09.2019 17:35

Tamedia-Wahlumfrage

GLP und Güne sind im Umfrage-Hoch

Viele SVP-Wähler wünschen sich, dass die Partei ihre Klimapolitik überdenkt. Das bringe die SVP in ein Dilemma, sagt ein Politologe.

von
daw
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Von einem Klimanotstand will die SVP nichts wissen. (Im Bild: Klimastreik am 24. Mai in Zürich)

Von einem Klimanotstand will die SVP nichts wissen. (Im Bild: Klimastreik am 24. Mai in Zürich)

Keystone/Walter Bieri
49 Prozent der SVP-Wähler finden, dass die Partei ihre Positionen in der Klimapolitik überdenken und sich stärker für den Klimaschutz engagieren sollte.

49 Prozent der SVP-Wähler finden, dass die Partei ihre Positionen in der Klimapolitik überdenken und sich stärker für den Klimaschutz engagieren sollte.

Keystone/Ennio Leanza
Roger Köppel hält dagegen: «Ich bin gegen den Missbrauch des Klimawandels für eine rot-grüne Kommandowirtschaft mit Verboten und Verteuerungen, die dem Klima nichts bringen, aber unsere Freiheit und unseren Wohlstand zerstören.»

Roger Köppel hält dagegen: «Ich bin gegen den Missbrauch des Klimawandels für eine rot-grüne Kommandowirtschaft mit Verboten und Verteuerungen, die dem Klima nichts bringen, aber unsere Freiheit und unseren Wohlstand zerstören.»

Keystone/Alessandro Della Valle

Die Klimaparteien sind weiterhin im Hoch: Wären am vergangenen Wochenende Wahlen gewesen, hätte ein Linksrutsch resultiert. Laut der Tamedia-Wahlumfrage hätten GLP und Grüne kräftig zugelegt, während die übrigen grösseren Parteien tendenziell verloren hätten (siehe Box).

Grüne punkten bei den Jungen

Grüne punkten bei den Jungen

Während die FDP auf die Klimastreiks reagiert und eine grüne Kehrtwende vollzogen hat, spricht SVP-Präsident Albert Rösti von einem «Hype». Die Partei wehrt sich gegen höhere CO2-Abgaben, bremst beim Atomausstieg und bei der Flugticket-Abgabe.

«Die SVP steckt in der Zwickmühle»

Wie die Umfrage zeigt, spaltet die Klimapolitik jedoch die Basis der Volkspartei: So finden 49 Prozent der SVP-Wähler, dass die Partei ihre Positionen in der Klimapolitik überdenken und sich stärker für den Klimaschutz engagieren sollte. 48 Prozent sind eher nicht dieser Ansicht, während drei Prozent keine Meinung kundtaten.

Politologe Georg Lutz sagt, die SVP stecke «wenige Monate vor den Wahlen in der Zwickmühle». Die Parteistrategen hätten sich entschieden, an den alten Positionen festzuhalten. «Die Umfrage zeigt nun, dass sich ein Teil der SVP-Wähler sehr wohl Sorgen um das Klima macht.» Gerade den Bauern, die unter den Auswirkungen des Klimawandels litten, sei die abwartende Haltung nicht zu erklären.

Die Position kurz vor den Wahlen zu ändern, wie es die FDP gemacht habe, sei aber auch ein Risiko: «Man verliert an Glaubwürdigkeit und stösst einen Teil der Wähler vor den Kopf.» Die SVP könne nur noch hoffen, dass das Thema wieder von der Agenda verschwinde.

«Rot-grüne Kommandowirtschaft»

Das Ergebnis der Umfrage überrascht SVP-Stratege Roger Köppel nicht. «Wenn so vage gefragt wird, ist man immer dafür.» Die Klimabewegung und auch die grünen Parteien wollten aber den Systemwechsel. «Ich bin gegen den Missbrauch des Klimawandels für eine rot-grüne Kommandowirtschaft mit Verboten und Verteuerungen, die dem Klima nichts bringen, aber unsere Freiheit und unseren Wohlstand zerstören.»

Die Klima-Debatte habe hysterische Züge angenommen, sagt Köppel. So werde gefordert, dass die Schweiz kein CO2 mehr ausstosse, obwohl dies keinen messbaren Einfluss auf die Erdtemperatur habe. Die SVP tue gut daran, einen kühlen Kopf zu bewahren und an ihren Positionen festzuhalten. «Wir müssen uns an den unvermeidlichen Klimawandel anpassen und der Umwelt Sorge tragen, aber ohne eine grüne Klimanotstands-Diktatur.»

Bestätigt fühlt sich derweil SVP-Nationalrat und Bauer Andreas Aebi, der sich für mehr Klimaschutz ausgesprochen hat. Dass jeder zweite SVP-Wähler mehr Klimaschutz wünsche, sei ein «schönes Resultat». Statt vom Klimaschutz zu reden, brauche es Eigenverantwortung und konkrete Taten von jedem Einzelnen.

Zur Umfrage

19'018 Personen aus der ganzen Schweiz haben zwischen dem 22. und 23. Mai online an der 5. Tamedia-Wahlumfrage im Vorfeld der eidgenössischen Wahlen vom 20. Oktober 2019 teilgenommen. Die Umfrage wird in Zusammenarbeit mit der LeeWas GmbH der Politikwissenschaftler Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichten die Umfragedaten nach diversen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,4 Prozentpunkten. Weitere Informationen gibts hier.

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