Glück des Vergessens
Aktualisiert

Glück des Vergessens

Die 47 kurzen Geschichten oder, wie es im Untertitel heisst, Ausschweifungen des 72-jährigen Ror Wolf handeln allesamt von Männern. Genauer: von einem bestimmten Typus Mann. Irgendwie gedankenumwölkt, irgendwie kopflastig. Es geht nicht wirklich um etwas. Denn Realismus ist die Sache des Autors nicht.

Und obwohl die Geschichten kurzweilig und mit leichter Ironie durchwirkt sind, sollte man nicht versuchen, den schmalen Band in einem Zug durchzulesen, denn auf die Dauer wirkt die gedankliche Linienführung doch etwas zu monoton. Nach der Lektüre fühlt man sich nämlich in etwa so wie der Erzähler: «Ein Mann, dessen Namen ich zum Glück vergessen habe, kam auf mich zu und sagte etwas, das ich zum Glück vergessen habe.» Was aber nicht heisst, dass das Glück während der Lektüre nicht dagewesen sei. Man hat es nur vergessen. Zum Glück?

pat

Info

Ror Wolf: Zwei oder drei Jahre später. Siebenundvierzig Ausschweifungen. Frankfurter Verlagsanstalt. Frankfurt am Main 2003, 122 Seiten, 31.70 Franken.

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