Murat Yakin: «Glück lässt sich erarbeiten»
Aktualisiert

Murat Yakin«Glück lässt sich erarbeiten»

Der FC Luzern ist als einzige Mannschaft noch ungeschlagen und führt die Tabelle souverän an. Trainer Murat Yakin scheint auch in seinem dritten Jahr als Cheftrainer alles richtig zu machen.

von
Eva Tedesco
Murat Yakin ist mit dem FC Luzern noch ungeschlagen und führt nach sieben Runden die Tabelle der Super League an. (Keystone/AP)

Murat Yakin ist mit dem FC Luzern noch ungeschlagen und führt nach sieben Runden die Tabelle der Super League an. (Keystone/AP)

Was immer Murat Yakin anpackt, es scheint aufzugehen. Dabei bleibt Yakin immer authentisch. Selbst als Schauspieler im Schweizer Film «Ferienfieber» (2004) spielte Yakin keine andere Rolle als sich selber. Diese Authentizität macht ihn so erfolgreich. Mit dem FC Thun schaffte der 36-Jährige in seinem ersten Trainerjahr den Aufstieg in die Super League. Die erste Saison in der höchsten Spielklasse beendete der Aufsteiger auf Rang 5 und qualifizierte sich für den Europacup. Wie jetzt mit Luzern blieb Yakin auch mit den Berner Oberländern sieben Spieltage (2 Siege, 5 Remis) lang ungeschlagen und verlor erstmals in der 8. Runde gegen den FCZ (1:3) – just der nächste Gegner der Luzerner nach der Natipause.

Laut Yakin bleibe die Aufgabe immer die gleiche – egal, ob in Luzern, Thun, Frauenfeld oder bei GC. Es braucht auch Glück. «Das kann man erzwingen und Glück kann man sich auch erarbeiten», so der 36-Jährige. Und Trainer Yakin arbeitet viel. «Die Vorbereitung auf ein Spiel, das Studium des Gegners, eine Strategie festlegen und an dieser im täglichen Training arbeiten, darauf kommt es an. Von nichts, kommt nichts», sagt Yakin. Neben der taktischen und technischen Arbeit mit der Mannschaft legt er auf eine Feststellung viel Wert. «Ich versuche, den Spielern ein positives und sicheres Gefühl mitzugeben.» In seiner Mannschaft soll Vertrauen und Solidarität vorherrschen.

Kein Schach ohne Strategie

Mentalen Aspekten schreibt Yakin eine grosse Bedeutung zu. Wichtig sei ein Gleichgewicht zwischen Anspannung und Entspannung. «Es bringt nichts, wenn ich die Spieler schon im ersten Training unmittelbar nach einem Spiel mit Details über den nächsten Gegner bombardiere.» Yakin fügt ein Beispiel an. «Unser nächstes Spiel gegen den FCZ findet erst in zwei Wochen statt. Ich habe mich mit DVDs zum Bayern-Spiel und auch der Begegnung zwischen den Zürchern und YB bereits eingestimmt und den Fokus auf den FCZ gerichtet.» Seine Arbeit als Trainer kann er nur mit einer genauen Vorbereitung gut verrichten. Am Spieltag an der Seitenlinie ist es zu spät.

«Das wäre, wie wenn ich Schach ohne eine Strategie spielen würde. Aber da gibt es einen Gegner, der versucht, deine Pläne zu durchkreuzen. Deshalb verlasse ich mich nicht auf ein oder zwei Spiele, sondern beobachte über einen Zeitraum hinweg und schliesse jedes Detail mit ein. Zum Beispiel, wie funktioniert und handelt der Trainer der Gegenseite? Das verlangt einen hohen Grad an Konzentration.»

Noch lange nicht da, wo Yakin sein will

Auffallend ist, dass Mannschaften, die von Yakin trainiert werden, defensiv stark auftreten. So war Thun (43 Tore) in der abgelaufenen Spielzeit das Team, das hinter Sion (36 Tore) die zweitwenigsten Treffer kassiert hat. Und der FCL hat in dieser Saison auch erst drei Gegentore erhalten. Das habe wohl auch damit zu tun, dass er in seiner Aktivkarriere einer der besten Abwehrspieler der Schweiz war. «Das kommt mir sicher entgegen, weil ich weiss, wie gewisse Abläufe funktionieren.»

In der Offensive kommt es auf Technik und Spielintelligenz an, weil der Ball dazu kommt. Die Balleroberung ist einfacher zu trainieren. Aber wie überall, käme es auch hier auf die Balance an. Yakin will einen gepflegten, attraktiven Fussball spielen lassen. Aber: «Jeder spricht vom zauberhaften Spiel des FC Barcelona, aber kaum einer registriert, dass Barça seit Jahren die wenigsten Gegentreffer kassiert. Italien hat an der WM 2006 bis zum Penaltyschiessen im Final auch nur zwei Tore erhalten, davon einen Penalty beim 1:1 gegen Frankreich.»

Yakin ist kein hemdsärmeliger Typ

Als Murat Yakin in Thun angefangen hat, habe man nichts mit Zauberfussball anfangen können. Mit der Mentalität in der Region sei man gewohnt gewesen, dass einer die Hemdsärmel hochkrempelt. «Dazu bin ich nicht der Typ. Bei mir muss alles mit Qualität passieren. Und das braucht Zeit.» Deshalb verweist er darauf, dass er mit Luzern noch lange nicht da sei, wo er sein möchte. Das spielerische zu entwickeln, dazu reichen zweieinhalb Monate nicht aus.

Und der Kader? «Das ist wie im Restaurant», sagt Yakin. «Der beste Wein kostet und ist einfach aus den anderen herauszufinden. Die Herausforderung ist doch, guten Wein für weniger Geld zu finden.» Und dafür riskiert Yakin den einen oder anderen Kater. Aber Yakin geht gerne ein gewisses Risiko ein. Aus Fehlern lernt man. Spieler, wie Trainer. Es gibt Dinge, die eben nicht nach Schema laufen. «Wenn das der Fall ist, bin ich mir aber nicht zu schade, dafür geradezustehen.»

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