Bis 36 Grad: Gluthitze fast wie im Rekordsommer 2003

Aktualisiert

Bis 36 GradGluthitze fast wie im Rekordsommer 2003

Diese Woche erwartet uns eine Hitzewelle mit Rekordtemperaturen. Die Stadt Thun fordert die Bürger bereits auf, wegen des vielen Ozons das Auto stehen zu lassen. Und die Fischer bangen um Äschen und Co.

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Am Wochenende erreichen die Temperaturen Höchstwerte. Damit steigt auch der Ozongehalt in der Luft und das Risiko, dass Fische sterben. Bild: Colourbox

Am Wochenende erreichen die Temperaturen Höchstwerte. Damit steigt auch der Ozongehalt in der Luft und das Risiko, dass Fische sterben. Bild: Colourbox

Jetzt wird es richtig heiss. Gemäss Meteo Schweiz sind die Temperaturen die ganze Woche hoch – und klettern am Samstag in Zürich bis auf 33 Grad, in Schaffhausen auf 34 und in Luzern sogar auf 35 Grad Celsius. «Es ist zu erwarten, dass wir an gewissen Stationen sogar bis zu 36 Grad messen werden», sagt Michael Kasper von Meteo Schweiz. Am heissesten werde es in den tiefsten Regionen der Schweiz, beispielsweise in Basel, Aargau und im Zürcher Unterland. «Wir sind nicht mehr weit von den Rekordwerten aus den Jahren 2003 und 1983 entfernt», so Kasper. Damals kletterte das Quecksilber in verschiedenen Regionen auf 38 Grad.

Bei derart hohen Temperaturen kommen die Schattenseiten des Sommers zum Vorschein: Ein Aspekt zeigt sich in den hohen Ozonwerten. Die Stadt Thun hat am Montag die Bevölkerung aufgefordert ihre Autos stehen zu lassen und via öV zu reisen. Damit soll die Luftverschmutzung reduziert werden. Ausserdem wolle man die Bevölkerung schützen, wie Christoph Diez, Umweltbeauftragter der Stadt Thun, sagt: «insbesondere Schwangere und Leute mit Atemwegproblemen.» Generell gehe es darum die Bevölkerung fürs Thema Ozonüberschreitungen im Zusammenhang mit Verkehr zu sensibilisieren und allgemeines umweltbewusstes Verhalten zu fördern.

«Ozon ist ein giftiges Gas»

Hans Gygax von der Schweizerischen Gesellschaft der Lufthygiene-Fachleute spricht ebenfalls von hohen Werten. «Der Grenzwert von 120 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m3) wurde mittlerweile überall in der Schweiz überschritten.» Zurzeit werden Maximalwerte zwischen 140 und 160 µg/m3 beobachtet, im Tessin ist es meistens etwas mehr. Ab 180 µg/m3 müssen die Behörden die Bevölkerung informieren.

Thun sei da ein bisschen voreilig gewesen, grundsätzlich könne eine solche Warnung aber nicht schaden, so Gygax. «Jede Emission ist eine zu viel.» Ausserdem sei es denkbar, dass wir in den nächsten Tagen die 180 µg/m3- Limite überschreiten. Dann sei es wichtig, dass man nicht am Nachmittag – wenn die Ozonwerte am höchsten sind – Sport treibe oder sich sonst in der Sonne körperlich betätige. «Ozon ist ein hoch reaktives, giftiges Gas», so Gygax. Zudem befänden sich noch andere Substanzen als Feinstaub in der Luft, die für Menschen schädlich sein können. «Im schlimmsten Fall kommt es zu Atemproblemen und einer eingeschränkten Leistungsfähigkeit.»

«Wir befürchten, dass sich alles wiederholt»

Sorgen aufgrund der kommenden Hitzewelle macht sich auch Roman Kistler, Leiter der Jagd- und Fischereiverwaltung Thurgau. «Im 2003 starben 50'000 Rheinäschen, ein Restbestand von 3 Prozent blieb übrig.» Er sei durchaus besorgt, dass sich das jetzt alles wiederhole: «Wir müssen bereits in verschiedenen kleinen Gewässern Notabfischungen durchführen.» So seien der Steinenbach, der Tanneggerbach und der Oberlauf der Murg im Hinterthurgau fast ausgetrocknet. «Wir blicken mit einem Stirnrunzeln auf die nächsten Wochen», so Kistler. 26 Grad Wassertemperatur sei für die Rheinäsche und die Forelle, die beide kalte Gewässer bevorzugen, das Todesurteil. Im Rhein wurde gemäss dem Bundesamt für Umwelt zurzeit bereits über 24 Grad gemessen, Tendenz steigend.

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