Tiktoker nutzen Glycolsäure statt Deo – kann das funktionieren?
Glaubt man diversen Berichten, bleiben Achseln statt mit Deo auch mit Hilfe von Glykolsäure trocken. Wir haben nachgefragt, was am Trend dran ist. 

Glaubt man diversen Berichten, bleiben Achseln statt mit Deo auch mit Hilfe von Glykolsäure trocken. Wir haben nachgefragt, was am Trend dran ist.

Unsplash/Trevin Rudy
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Eine Expertin klärt aufGlykolsäure statt Deo – kann das funktionieren?

Ohne Deo aus dem Haus? Für die meisten von uns unvorstellbar. Bei Tiktok aber haben gerade jede Menge Nutzerinnen und Nutzer ihr Deo gegen Glykolsäure eingetauscht. Eine sinnvolle Alternative?

von
Malin Mueller

4.9 Millionen Aufrufe auf Tiktok konnte der Hashtag #glycolicacidasdeodorant bislang sammeln. Dahinter steckt ein Trend, bei dem Userinnen und User ihr Deo gegen ein Mittel eintauschen, das viele von uns bereits im Beauty-Schrank haben: Glykolsäure. Die soll nicht nur üble Gerüche fernhalten, sondern uns auch weniger schwitzen lassen. Das alles auf natürliche Weise und ohne den verschrienen Inhaltsstoff Aluminium.

Klingt klasse – aber ist am Trend auch etwas dran? Wir haben bei Dr. med. Malgorzata Rylska, Fachärztin FMH für Dermatologie und Venerologie bei Skinmed in Olten nachgefragt.

Dr. med. Malgorzata Rylska ist Fachärztin FMH für Dermatologie und Venerologie.

Dr. med. Malgorzata Rylska ist Fachärztin FMH für Dermatologie und Venerologie.

skinmed.ch

Welcher Gedanke steckt dahinter?

Zunächst mal zur Theorie – denn irgendwann muss irgendwer ja auf die Idee gekommen sein, die Säure, die üblicherweise in chemischen Peelings steckt und unsere Gesichtshaut sanft von abgestorbenen Hautschüppchen befreit, auf seine Achseln zu tupfen.

«Glykolsäure hat einen pH-Wert zwischen 3 und 4, unsere Haut liegt bei etwa 5,5. Nutzen wir sie, verringert sich dadurch auch der pH-Wert unserer Haut», erklärt Dr. med. Rylska. «Dadurch haben es die Corynebakterien, die sonst für den Schweissgeruch verantwortlich sind, schwer zu überleben.» Okay, das macht Sinn und scheint vielversprechend.

Hilfe bei dunklen Achseln

Und Achtung, es wird noch besser: «Durch die Exfoliation der abgestorbenen Hautzellen und die Minderung des pH-Werts kann Glykolsäure sogar präventiv gegen den Anstieg der geruchsproduzierenden Bakterien wirken.»

Die Dermatologin merkt ausserdem an, dass die Säure, die zu den Alphahydroxysäuren (AHA), gehört, durch ihre exfolierenden Eigenschaften bei eingewachsenen Haare und Hyperpigmentierungen der Achsel (zum Beispiel durch die Nutzung parfümierter Deos) helfen kann.

Wieviel Säure brauchts?

«Wenn man sich wirklich entscheidet, Glykolsäure zu nutzen, empfehle ich eine niedrige Konzentration. Etwa einen Toner mit 8 bis 10 Prozent. Man sollte ihn ausserdem mit einem Wattepad auftragen, um sicherzustellen, dass er genau da ankommt, wo er soll», so Dr. med. Rylska.

Zu früh gefreut?

Und, bist du auch schon auf dem Weg ins Bad zu deinem Fläschchen mit AHA? Stopp! Es gibt da nämlich einen Haken: «Auch wenn viele Tiktok-Creator behaupten, dass Glykolsäure ein guter Ersatz für ein klassisches Deo sei – die Achseln werden durch sie leider nicht trockener. Um als Antitranspirant zu wirken, braucht es zwingend einen aluminiumhaltigen Bestandteil. Und der ist hier nicht gegeben.»

Welche Risiken gibt es?

Die Expertin warnt ausserdem: «Glykolsäure ist für den täglichen Gebrauch nicht zu empfehlen. Man sollte sie maximal ein bis zweimal pro Woche anwenden.» Je nach Hauttyp reagiert unserer Körper nämlich gern mal mit Irritationen auf die Säure-Behandlung.

Dr. med Rylska: «Insbesondere im Bereich der Achseln, wo Haut auf Haut liegt, kann es schnell zu Rötungen oder sogar Hautausschlägen kommen. Auch darum rate ich eher zu einer niedrigen Konzentration der AHA. Je weniger enthalten ist, desto niedriger das Risiko. Ausgeschlossen ist es dadurch aber nicht.»

Das Fazit

«Wenn man wirklich mit eingewachsenen Haaren oder Verfärbungen unter den Achseln kämpft und Glykolsäure nutzen möchte, aber unsicher ist oder es Unklarheiten gibt, empfehle ich eine Beratung bei der Dermatologin oder beim Dermatologen. Glykolsäure ist zwar ein etabliertes Mittel, zur Nutzung als Deo gibt es aber bislang keine Studien.»

Hast du schon vom Trend gehört oder ihn sogar ausprobiert? Verrate es uns in den Kommentaren!

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