25.09.2018 17:45

Neue StudieGlyphosat soll doch schuld am Bienensterben sein

Bisher hat es geheissen: Für Bienen stellt das Unkrautvernichtungsmittel kein Problem dar. Doch das ist falsch, wie US-Forscher vermelden.

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Die Biene ist aufgrund ihrer Bestäubungsleistung nach Rind und Schwein unser drittwichtigstes Nutztier.

Die Biene ist aufgrund ihrer Bestäubungsleistung nach Rind und Schwein unser drittwichtigstes Nutztier.

Alex Wild/University of Texas at Austin
Doch die Zahl der Insekten nimmt dramatisch ab. Auch wenn die Auslöser vielzählig sein dürften: ...

Doch die Zahl der Insekten nimmt dramatisch ab. Auch wenn die Auslöser vielzählig sein dürften: ...

Alex Wild/University of Texas at Austin
... Ein Schuldiger ist laut Forschern der University of Texas in Austin identifiziert: das umstrittene Unkrautvertilgungsmittel Glyphosat.

... Ein Schuldiger ist laut Forschern der University of Texas in Austin identifiziert: das umstrittene Unkrautvertilgungsmittel Glyphosat.

Keystone/AP/Patrick Pleul

Wenige Chemikalien sind dieser Tage so umstritten wie der Unkrautkiller Glyphosat, der in der Landwirtschaft grossflächig eingesetzt wird und so seinen Weg in unsere Lebensmittel findet.

Das Problem: Das Pestizid steht in Verdacht, für den Menschen krebserregend und für das weltweite Bienensterben mitverantwortlich zu sein. Doch stichhaltige wissenschaftliche Beweise fehlten dafür – zumindest bisher.

Zu einem Umdenken könnte nun eine im Fachjournal «Pnas» veröffentlichte Studie von Forschern der University of Texas in Austin sorgen. Darin kommt das Team um Nancy A. Moran und Erick S. Motta zu dem Schluss, dass Glyphosat die Bienen – indirekt zwar – sehr wohl schädigt.

Deutlicher Rückgang schützender Darmbakterien

Für die Studie hatten die Forscher Honigbienen Glyphosatkonzentrationen ausgesetzt, denen die Tiere auch in ihrem Alltag – auf Feldern, in Gärten und am Strassenrand – begegnen können. Je nach Dosis wurden die Insekten mit einem bunten Punkt auf dem Rücken markiert, um sie später zuordnen zu können.

Nach drei Tagen fingen die Wissenschaftler sie wieder ein, analysierten ihre Darmflora und verglichen die Daten mit denen unbehandelter Bienen.

Glyphosat doch Schuld am Bienensterben?

Bisher hiess es: Für Bienen stellt das Unkrautvernichtungsmittel kein Problem dar. Doch das ist offenbar falsch, wie US-Forscher vermelden. (Video: Vivian Abagiu/University of Texas at Austin)

Für die Studie wurde eine Vielzahl von Honigbienen untersucht. (Video, ohne Ton: Vivian Abagiu/University of Texas at Austin)

Ergebnis: Bei den behandelten Bienen waren bei vier von acht untersuchten Darmbakterienarten starke Verluste zu verzeichnen. Am stärksten betroffen war dabei die Bakterienart Snodgrassella alvi. Das ist laut Moran und ihren Kollegen besonders problematisch, weil diese den Bienen hilft, Nahrung zu verarbeiten und sich gegen Krankheitserreger zu schützen.

90 Prozent überleben gängigen Erreger nicht

Dass sich die Veränderung der Darmflora für die Insekten negativ auswirkt, zeigte ein weiteres Experiment. In diesem konfrontierten die Forscher die Bienen mit einem gängigen Erreger: Serratia marcescens.

Von den zuvor nicht dem Glyphosat ausgesetzten Honigbienen lebte nach acht Tagen noch rund die Hälfte. Die markierten Tiere aber starben zu 90 Prozent. «Das belegt, dass Glyphosat den Schutzeffekt der Darmflora verringert», so die Forscher in einer Mitteilung. Weiter zeige es, dass das Glyphosat den Bienen indirekt schadet – indem es ihre Darmflora und ihre Infektionsabwehr stört.

Glyphosat keinesfalls auf blühende Pflanzen sprühen

Die Forscher appellieren daher an alle Landwirte, Gärtner und Hausbesitzer, Glyphosat keinesfalls auf blühenden Pflanzen einzusetzen, um Honigbienen und andere heimische Bienenarten wie Hummeln oder Wildbienen zu schützen, deren Darmflora der der untersuchten Tiere ähnelt.

Zwar sei Glyphosat sicher nicht die einzige Ursache für das Bienensterben und den Rückgang vieler Bestäuberinsekten, so Motta. «Aber es ist definitiv etwas, über das sich die Leute Gedanken machen sollten, denn Glyphosat ist inzwischen überall.»

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Pestizide schützen die Ernten vor Schädlingen und Krankheiten. Doch viele Wirkstoffe stellen eine Gefahr für Mensch und Tier dar, wie Umweltschutzorganisationen betonen.

Pestizide schützen die Ernten vor Schädlingen und Krankheiten. Doch viele Wirkstoffe stellen eine Gefahr für Mensch und Tier dar, wie Umweltschutzorganisationen betonen.

Keystone/Arno Balzarini
Das meistverkaufte Herbizid Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Dennoch soll es in der EU für weitere 10 Jahre zugelassen werden.

Das meistverkaufte Herbizid Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Dennoch soll es in der EU für weitere 10 Jahre zugelassen werden.

epa/Patrick Pleul
Insektizide der Gruppe der Neonicotinoide werden für das sogenannte Bienensterben der letzten Jahre verantwortlich gemacht. Da Bienen eine entscheidende Rolle bei der Bestäubung der Pflanzen einnehmen, hätte ein Massensterben fatale Folgen für die Lebensmittelproduktion.

Insektizide der Gruppe der Neonicotinoide werden für das sogenannte Bienensterben der letzten Jahre verantwortlich gemacht. Da Bienen eine entscheidende Rolle bei der Bestäubung der Pflanzen einnehmen, hätte ein Massensterben fatale Folgen für die Lebensmittelproduktion.

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Darum wirkt Glyphosat auf die Bienen

Glyphosat reduziert Unkräuter, weil es das Enzym 5-Enolpyruvylshikimat-3-phosphat-Synthase – kurz EPSPS – blockiert. Dieses befindet sich allerdings nicht nur in Pflanzen, sondern auch in einigen Darmbakterien von Insekten. Diese wiederum sind in der Lage, eigenes EPSPS zu korideren, was sie potenziell anfällig für Glyphosat macht.

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