GM und Ford sind Investitionsrisiken
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GM und Ford sind Investitionsrisiken

Schwerer Schlag für die US- Autohersteller General Motors und Ford: Standard & Poor's (S&P) hat die Unternehmen auf den Status einer «Ramsch»-Investition herabgestuft.

S&P stufte die langfristige Kreditwürdigkeit bei GM von «BBB» auf «BB» herab. Bei Ford wurde die Bonitätseinstufung von «BBB» auf «BB&» herabgesetzt.

Anleihen solcher Firmen gelten als mit einem gewissen Risiko behaftet und werden nur Anlegern empfohlen, die sich des spekulativen Elements bewusst sind. Allerdings wird das wirtschaftliche Umfeld dabei insgesamt noch als gut eingestuft

In diesen Kategorien dürfen viele Investmentfonds nicht mehr investieren. Das dürfte zu milliardenschweren Verkäufen von Anleihen beider Hersteller führen, die zusammen für rund 10 Prozent der Gesamtverschuldung von US-Unternehmen stehen.

Kredite werden teurer

Mit der Herabstufung wird die künftige Kreditaufnahme für die Opel-Mutter GM und den Konkurrenten Ford auch deutlich teurer, weil ein höheres Risiko bezahlt werden muss. Betroffen sind bei beiden Autobauern mehr als 450 Mrd. Dollar.

Die Agentur begründete ihren Entscheid mit Zweifeln daran, ob beide Konzerne auf Dauer in der Lage seien, mit ihren Schuldenbergen fertig zu werden.

S&P-Analyst Scott Sprinzen kritisierte die Abhängigkeit von sportlichen Geländewagen mit hohem Spritverbrauch. Dort seien die Verkäufe «abgestürzt», weil die Nachfrage auch wegen der hohen Benzinpreise zum Stillstand gekommen und die Konkurrenz stark gestiegen sei. Neue Modelle seien bei beiden Konzernen erst ab 2006/07 zu erwarten, so dass keine schnelle Besserung in Sicht sei.

Beträchtliche Verluste

GM mache ausserhalb der USA schon seit 1999 kein Geld mehr, stellte S&P fest. Die Verluste würden in diesem Jahr deshalb «beträchtlich» sein. Selbst im boomenden China sei die Nachfrage nach GM-Autos deutlich zurückgegangen.

Ähnlich fiel die Bewertung für Ford aus. «Das Unternehmen hat versucht, bei seiner Preisstrategie diszipliniert und bei Rabatten selektiv zu sein, aber es kann Marktanteilsverluste nicht unbegrenzt ertragen.»

Sowohl GM als auch Ford erklärten, die Bewertung entspreche nicht den tatsächlichen finanziellen Gegebenheiten.

«Tritt vors Schienbein»

«Das ist eindeutig ein Tritt vors Schienbein», sagte Art Hogan vom Finanzhaus Jeffries and Co. Eine Überraschung sei der Entscheid aber nicht, denn an den Märkten sei schon länger damit gerechnet worden.

Kein Experte geht davon aus, dass einer der Autobauer ernsthaft in Gefahr geraten wird oder gar von einer Pleite bedroht sein könnten. S&P selbst betonte, es gebe keinerlei Zweifel an der kurzfristigen Finanzkraft der Autobauer.

«Wenn Sie es aber nicht schaffen, profitabel Autos zu verkaufen, ist es schwer im Geschäft zu bleiben», sagte Douglas Karson, Analyst von JP Morgan.

Kerkorian stockt auf

Noch am Mittwoch hatte GM nach dem Milliardenverlust im ersten Quartal einen kräftigen Vertrauensbeweis bekommen. US-Milliardär und Spekulationslegende Kirk Kerkorian hatte angekündigt, seinen Anteil an GM von knapp 4 auf 9 Prozent aufzustocken.

Danach war die GM-Aktie noch um 18 Prozent gegenüber dem Vortag nach oben geschossen. Am Donnerstag ging es dann wieder 5,9 Prozent auf 30.86 Dollar nach unten, während Ford ein Minus von 4,5 Prozent auf 9.70 Dollar hinnehmen musste.

(sda)

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