Aktualisiert 25.01.2013 12:33

Wo ist das Gold?Gold-Initiative bereitet der SNB Kopfzerbrechen

Muss die Schweiz ihr Gold aus dem Ausland heimholen? Der SVP-Initiative, die das fordert, fehlen nur noch 10'000 Unterschriften. Die SNB könnte in Teufels Küche kommen.

von
Lukas Hässig
Gold im Tresor der Nationalbank in Bern.

Gold im Tresor der Nationalbank in Bern.

Der Schlussspurt hat begonnen. «Schon im März 2013 läuft die Frist für die Einreichung der Goldinitiative ab», schreibt der St. Galler SVP-Nationalrat und Mitinitiant Lukas Reimann in seinem Newsletter. Zwar sei man mit rund 90'000 Unterschriften auf gutem Wege. «Aber um die notwendige 100'000er-Marke zu knacken, ist jetzt der Einsatz von allen gefragt.»

Wo liegen die 1040 Tonnen Gold der Schweizerischen Nationalbank? Die Frage wird nun auch bei uns ernsthaft diskutiert. Die Antwort der SNB bleibt aber nebulös. Das Meiste sei hier, ein Teil liege jedoch im Ausland, meint die Notenbank. «Präziser wollen wir nicht werden», sagt SNB-Sprecherin Silvia Oppliger. «Vielleicht werden wir uns genauer äussern, sollte die Gold-Initiative zustande kommen.»

Deutsche Gold-Repatriierung sorgt in USA für rote Köpfe

Auch die deutsche Bundesbank dachte anfänglich, sie brauche sich des emotionalen Themas nicht näher anzunehmen. Doch damit gab sich eine wachsende Schar aufgebrachter Bürger und Politiker nicht mehr zufrieden. Sie setzten die Zentralbank so lange unter Druck, bis diese kürzlich nachgab. Nun holen die Deutschen 674 Tonnen Gold aus den USA und aus Frankreich zurück in die Heimat. Das entspricht einem Gegenwert von derzeit 27 Milliarden Euro.

Die grosse Gold-Repatriierung unseres nördlichen Nachbarn sorgt für weltweite Schlagzeilen. «Germany Moving Its Gold Back Home To Satisfy The Paranoid», titelt die US-Internetzeitung Huffington Post; reiner Populismus zur Besänftigung einer Gespenster sehenden Bevölkerung also. In Deutschland hatten sich zuvor Zweifel breitgemacht an der tatsächlichen Existenz des Goldes, das in den Goldtresoren der Amerikaner lagern soll. Die Barren könnten ja auch mit einer dünnen Goldschicht überzogen sein und ansonsten aus billigem Eisen bestehen, wurde befürchtet.

SNB müsste für 100 Milliarden Gold aufkaufen

Interessanterweise hat die Schweiz schon vor den Deutschen und lange Zeit ohne öffentlichen Wirbel das Thema aufgegriffen. Kreise aus der Volkspartei lancierten vor 16 Monaten die Gold-Initiative. Weil das Vorhaben im Parlament chancenlos geblieben sei, würde halt als letztes verbleibendes Mittel eine Initiative gestartet, sagten die Initianten damals. Mittels Volksentscheid wollen sie die SNB zwingen, sämtliches Gold in der Schweiz zu lagern und keine einzige Tonne mehr zu verkaufen. Zudem soll die SNB innert 5 Jahren nach der Abstimmung ihren Goldbestand massiv aufstocken, so dass dieser im Minimum einen Fünftel der ganzen Bilanz ausmacht.

Bei den heutigen Preisen würde die Auflage ins Geld gehen. Derzeit liegt der Anteil des Goldes an sämtlichen Aktiven der Nationalbank nur noch bei 10 Prozent. Wenn die SNB ihre Bilanz nicht stark verkleinert, dann bleibt ihr nach einer allfälligen Annahme der Initiative nichts anderes übrig, als den Goldbestand auf 2000 Tonnen zu verdoppeln.

Eine Tonne Gold kostet aktuell rund 55 Millionen Dollar. Nun kann gerechnet werden: 2000 Tonnen kämen auf 110 Milliarden Dollar, das entspricht gut 100 Milliarden Franken. Zum Vergleich: Die SNB verfügt heute über ein Eigenkapital von rund 62 Milliarden Franken. Nicht eingerechnet sind höhere Goldpreise, die durch die Nachfrage der SNB entstehen könnten.

Kopfzerbrechen bei der Währungshüterin

Woher das viele Geld für die Goldkäufe kommen soll, ist nicht klar. Schön wäre es, den Berg von rund 170 Milliarden Euro abzubauen und dafür Goldbarren zu kaufen. Nur bräuchte es für die vielen Euros zuerst Käufer, und die Einheitswährung müsste erst noch derart stabil bleiben, dass Milliarden-Verkäufe der SNB nicht sofort den Franken relativ zum Euro wieder stärken würden. Allein diese Überlegung macht deutlich, dass die Gold-Initiative zwar bei vielen Schweizern ankommt, deren Umsetzung aber den Verantwortlichen grosses Kopfzerbrechen bereiten würde.

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