Aktualisiert 31.10.2013 09:02

Nationalbank im Minus

Gold reisst SNB runter – 6,4 Milliarden Verlust

Die Neubewertung des Goldbestands der Nationalbank hat zu einem Jahresverlust von 6,4 Milliarden Franken für die ersten neun Monate geführt. Das ist weniger als noch zur Jahresmitte.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) benötigt ein sehr gutes viertes Quartal, um ein stark negatives Jahresergebnis doch noch abwenden zu können. Nach den ersten neun Monaten beträgt der Verlust 6,425 Mrd. Franken.

Dank der leichten Erholung des Goldpreises resultierte zwar im dritten Quartal ein Konzerngewinn von 854 Mio. Franken, wie die SNB am Donnerstag mitteilte. Damit konnte das Minus von 7,279 Mrd. Fr. des ersten Semesters aber bei Weitem noch nicht wettgemacht werden. Zum Vergleich: In den ersten neun Monaten 2012 hatte die SNB noch einen Gewinn von rund 17,3 Mrd. Fr. ausgewiesen.

Die SNB ist der Preisstabilität und nicht der Gewinnmaximierung verpflichtet. Die Währungshüter betonen stets, die Ergebnisse seien überwiegend von der Entwicklung der Gold-, Devisen- und Kapitalmärkte abhängig.

Starke Schwankungen seien deshalb die Regel und Rückschlüsse auf das Jahresergebnis, das als Basis für die Ausschüttung an Bund und Kantone dient, nur bedingt möglich. In drei Monaten kann sich noch viel verändern, sagte SNB-Sprecher Walter Meier auf Anfrage.

Die SNB hat zwar mit dem Eidgenössischen Finanzdepartement (EFD) vereinbart, bis 2015 jährlich 1 Mrd. Fr. an Bund und Kantone zu entrichten. Dies aber nur, wenn ihre Ausschüttungsreserve positiv ist. Diese beträgt knapp 5,3 Mrd. Franken, wobei das Jahresergebnis erst noch verrechnet werden muss.

Tieferer Goldpreis lastet schwer

Grund für die roten Neun-Monats-Zahlen ist der Bewertungsverlust auf dem Goldbestand von rund 10,7 Mrd. Franken. Die SNB musste ihr Gold wegen des Preisrückganges gegenüber Ende 2012 von rund 50,8 Mrd. auf 40,1 Mrd. Fr. abwerten.

Dagegen verzeichnete die SNB auf den Fremdwährungspositionen einen Gewinn von 4,0 Mrd. Franken. Die beiden wichtigsten Erfolgskomponenten Gold und Fremdwährungen fielen damit weniger extrem aus als noch im ersten Halbjahr.

Die Devisenanlagen haben sich von 432,2 Mrd. auf 443,1 Mrd. Fr. vergrössert. Von den Devisenreserven lauten 48 Prozent auf Euro und 27 Prozent auf US-Dollar, womit beide Anteile gegenüber dem Vorquartal unverändert blieben. 77 (Vorquartal: 78) Prozent sind in Staatsanleihen und 16 (15) Prozent in Aktien angelegt.

Einbussen beim Yen

Devisenkäufe zur Gewährleistung des Euro-Mindestkurses dürften nicht mehr nötig gewesen sein. Vielmehr gewann der Euro zum Franken seit Anfang Jahr 1,4 Prozent an Wert. Dies konnte die Verluste auf anderen Anlagewährungen, insbesondere auf dem japanischen Yen, nicht kompensieren. In der Folge verzeichnete die SNB wechselkursbedingte Verluste von 5,0 Mrd. Franken.

Die Kurse auf Obligationen und Aktien entwickelten sich unterschiedlich, wie die SNB schreibt. Auf Zinspapieren resultierte ein Minus von 6,8 Mrd. Franken. Die Beteiligungspapiere dagegen profitierten vom günstigen Börsenumfeld und trugen 9,3 Mrd. Fr. zum Erfolg bei. Hinzu kamen Zinserträge auf den Fremdwährungspositionen von 5,1 Mrd. Fr. und Dividenden von 1,3 Mrd. Franken.

Eine Gewinnquelle der letzten Zeit fällt bekanntlich weg: Der vor fünf Jahren eingerichtete Stabilisierungsfonds zur Rettung der Grossbank UBS hat im August das von der SNB gewährte Darlehen vollständig getilgt.

Die Nationalbank erwartet, dass die UBS noch in diesem Jahr die Kaufoption zur Übernahme des Stabilisierungsfonds ausüben wird. Experten gehen davon aus, dass dies der SNB im laufenden Quartal rund 3 Mrd. Fr. einbringen wird. Für die ersten neun Monate 2013 weist der Fonds einen Gewinn von 981 Mio. Dollar aus. Damit steuerte er 492 Mio. Fr. zum Gewinn der SNB bei. (sda)

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