Grande Finale am Lido: Goldener Löwe geht nach Russland
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Grande Finale am LidoGoldener Löwe geht nach Russland

Für die Interpretation von Goethes «Faust» bekam Regisseur Alexander Sokurow bei den Filmfestspielen in Venedig den Goldenen Löwen. Als bester Schauspieler wurde Michael Fassbender geehrt.

Mit seiner freien Interpretation des Goethe-Klassikers «Faust» hat der russische Filmemacher Alexander Sokurow bei den Filmfestspielen in Venedig den Goldenen Löwen gewonnen. Als bester Schauspieler wurde am Samstagabend der deutsch-irische Mime Michael Fassbender geehrt, der in Steve McQueens «Shame» einen sexsüchtigen Mann spielt. Fassbender erklärte, er habe nicht gezögert, die Rolle des 30-jährigen sexsüchtigen New Yorkers Brandon anzunehmen. Er habe volles Vertrauen in den Regisseur, seit er mit ihm 2008 «Hunger» gedreht habe.

Putin gratulierte per Telefon

«Faust» erzählt die Geschichte eines Professors, dargestellt von Johannes Zeiler, auf der Suche nach Wissen. Er verkauft schliesslich seine Seele für die Liebe der Margarete, gespielt von Isolda Dychauk. Der Film galt bei den Kritikern als einer der Favoriten für den diesjährigen Goldenen Löwen. Er bildet den Abschluss einer Reihe von vier Filmen, in denen Sokurow sich der Beziehung zwischen dem Menschen und der Macht widmet. Die Reihe begann 1999 mit «Moloch» über Hitler, ein Jahr später folgte «Taurus» über Lenin und 2005 «The Sun» über den japanischen Kaiser Hirohito.

Auf der Pressekonferenz nach der Verleihung appellierte Sokurow an die Regierungen, die Kulturförderung fortzuführen. «Kultur ist kein Luxus», sagte er. «Sie bildet die Grundlage für die Entwicklung der Gesellschaft.» Darüber habe er auch mit dem russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin gesprochen, der ihm telefonisch zum Goldenen Löwen gratuliert habe.

Zwei Preise für China

Der Preis für die beste Schauspielerin ging an die Chinesin Deanie Ip, die in «A Simple Life» der Regisseurin Ann Hui aus Hongkong ein alterndes Dienstmädchen verkörpert. Der Silberne Löwe für die beste Regie ging ebenfalls nach China: an den Regisseur Cai Shangjun für «People Mountain People Sea». Das Drama erzählt die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte eines Mannes, der den Mörder seines Bruders sucht. Mit dem Sonderpreis der Jury wurde die italienisch-französische Produktion «Terraferma» ausgezeichnet, die von dem Eintreffen von Flüchtlingen auf einer italienischen Insel handelt.

Die Auszeichnungen wurden unter dem Vorsitz von US-Regisseur Darren Aronofsky («Black Swan») vergeben. Im Wettbewerb der 68. Internationalen Filmfestspiele Venedig hatten 23 Beiträge um den Goldenen Löwen konkurriert. Das Festival ist das weltweit älteste Filmfest. Es zählt neben Cannes und Berlin zu den wichtigsten Filmfestivals der Welt.

(dapd)

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