Aktualisiert 22.08.2018 08:44

Ehering-Ankauf

Goldhändler umgarnt frisch getrennte Ehepaare

Was soll man mit dem Ring tun, wenn die Ehe zerbricht? In den See werfen, eingraben oder verkaufen? Ein Goldhändler wirbt bei geschiedenen Personen für den Barankauf.

von
dk
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Mit diesem Bild suchte die Stadtpolizei Zürich vor einer Woche nach dem Eigentümer dieses Eherings. Der Ring wurde bei einem Tauchgang zufällig im See gefunden.

Mit diesem Bild suchte die Stadtpolizei Zürich vor einer Woche nach dem Eigentümer dieses Eherings. Der Ring wurde bei einem Tauchgang zufällig im See gefunden.

Stapo Zürich
Sobald die Ehe des Besitzers endet, hat der Ring ein Problem. Er wird im Müll entsorgt, auf Ebay versteigert, entschwindet in einem Schmuckkästchen der Erinnerung – oder landet im See.

Sobald die Ehe des Besitzers endet, hat der Ring ein Problem. Er wird im Müll entsorgt, auf Ebay versteigert, entschwindet in einem Schmuckkästchen der Erinnerung – oder landet im See.

Martin Gerten
Auf Facebook und in Trennungs-Foren finden geschiedene Personen die passende Inspiration: «Mein Ehering wurde zu Fischfutter im Zürichsee. Bringt ihn mir ja nicht wieder», schreibt S. K.*

Auf Facebook und in Trennungs-Foren finden geschiedene Personen die passende Inspiration: «Mein Ehering wurde zu Fischfutter im Zürichsee. Bringt ihn mir ja nicht wieder», schreibt S. K.*

Pexels

Sobald die Ehe des Besitzers endet, hat der Ring ein Problem. Er wird im Müll entsorgt, auf Ebay versteigert, entschwindet in einem Schmuckkästchen der Erinnerung – oder landet im See. Diese Erfahrung machte auch die Wasserschutzpolizei Zürich, die noch heute auf der Suche nach dem Eigentümers eines Eherings mit der Gravur «22.8.15» ist. Den Ring fanden Beamte bei einem Tauchgang zufällig im See. Es ist nicht der Einzige: «In heissen Sommerwochen fischen wir täglich einen Ring aus dem Wasser», heisst es bei der Wasserschutzpolizei auf Anfrage.

Auf Facebook und in Trennungs-Foren finden geschiedene Personen die passende Inspiration: «Mein Ehering wurde zu Fischfutter im Zürichsee. Bringt ihn mir ja nicht wieder», schreibt S. K.* «Ich habe meinen mal in den See geworfen, ich hoffe, er wird nicht gefunden», schreibt auch M. H.* Und R. P.* erzählt davon, dass sie ihren Ehering im Bach entsorgt hat. «Hauptsache, er ist jetzt weg.»

Den Ehering nach der Trennung als Ritual ins Wasser zu werfen, helfe teilweise, eine Scheidung zu verarbeiten, sagt Claudia Berthengi von der Fachstelle für Paar- und Familienberatung Kanton Schwyz. «Oft haben sich die Eheleute bei der Auswahl der Ringe viel überlegt und fänden es deprimierend, sie beim Goldhändler einzutauschen», sagt Berthengi. Für pragmatische Paare, die den Ring nicht als emotionalen, sondern als Wertgegenstand betrachten, sei der Weg zum Goldkäufer hingegen ökonomisch sinnvoll.

Flyerwerbung für Eheringe

Das sieht auch Fabio Luraschi so, der in Zürich die Goldankauf-Firma Erwin Dietrich AG betreibt. «Täglich kommen Leute mit Eheringen zu uns, um diese zu verkaufen. Viele teilen uns mit, dass sie den Ring in die Limmat werfen wollten, sich aber im letzten Moment anders entschieden hätten.»

Daher buhle er mit einem Flyer und mit Werbungen in Trams um Paare in Scheidung. «Statt mit den Eheringen die Limmat oder den See zu verschmutzen, könnten getrennte Eheleute mit dem Geld noch ein paar Cüpli trinken gehen – das hat es auch tatsächlich schon gegeben.»

«Schlussstrich ziehen»

Gemäss Luraschi seien die Ehering-Verkäufer oft einfach nur froh, sich des Rings entledigen zu können. Den grossen Reibach gebe es nicht, da nur der Materialwert erstattet werde, der in den meisten Fällen nicht über 200 Franken hinausgehe. «Den meisten geht es gar nicht ums Geld, sondern einfach darum, einen Schlussstrich ziehen zu können», sagt Luraschi. Das bestätigt auch Pascal Kommer vom Münzen- und Raritätenshop in Bern: «Wir haben fast täglich Personen hier, die uns ihre Eheringe verkaufen, um mit dem Vergangenen abzuschliessen.»

«Die meisten wollen tatsächlich ‹Altlasten› entsorgen», sagt Chantal Eichenberger von der Goldbörse Basel. «Einige geben sogar zu, dass sie den Ring am liebsten in den Rhein geworfen hätten, sich aber aus finanziellen Gründen umentscheiden haben.» Manchmal sei aber auch Rache im Spiel: «Erst letzte Woche hat uns ein Kunde seinen alten Ehering verkauft und zwar nur, weil seine Ex-Frau kurz zuvor ihren ebenfalls bei uns versetzt hat.»

*Name der Redaktion bekannt

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