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Verräterische E-MailsGoldman Sachs: «Nichts falsch gemacht»

Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat an der von ihr mitverursachten Krise verdient, wie gestern veröffentlichte E-Mails zeigen. Sogar der Unternehmenssprecher findet deren Inhalt «befremdlich».

Dürfte so schnell nicht aus den Schlagzeilen kommen: Goldman-Sachs-CEO Lloyd Blankfein.

Dürfte so schnell nicht aus den Schlagzeilen kommen: Goldman-Sachs-CEO Lloyd Blankfein.

Der Investmentbank Goldman Sachs weht derzeit in den USA ein rauer Wind ins Gesicht. Kurz vor einer Anhörung am Dienstag im Senat wurden am Wochenende interne E-Mails aus den Krisenjahren 2007 und 2008 veröffentlicht, die belegen sollen, dass die Bank an der von ihr mitverursachten Krise gut verdiente.

Zwei Aktionäre verklagten die Führung der Investmentbank wegen Verletzung ihrer Aufsichtspflicht. Die US-Börsenaufsicht SEC hatte Goldman Sachs vor einer Woche schon wegen Betrugs angezeigt.

«Frankenstein»-Investments

In einer der E-Mails erklärte der Goldman-Sachs-Händler Fabrice Tourre, der zu den von der SEC Angezeigten gehört, die Investments, die er verkaufe, seien so ähnlich «wie Frankenstein, der sich gegen seinen Erfinder wendet». Er hatte die Anleihen in Zeiten zusammengestellt, in denen der Markt nach oben ging. Tourre soll die Wertpapiere aber auch dann noch weiter verkauft haben, nachdem die Krise begonnen hatte - wobei Goldman Sachs jetzt gegen sie wettete.

In einer E-Mail, die der US-Senat veröffentlicht hatte, freut sich im Oktober 2007 Goldman-Sachs-Manager Donald Mullen anscheinend über die Abwertung zahlreicher Anleihen und schreibt an einen anderen Manager, Michael Swenson: «Scheint, als ob wir richtig Geld machen.»

Swenson und Tourre müssen sich am Dienstag zusammen mit Goldman-Chef Lloyd Blankfein vor einem Unterausschuss des Kongresses verantworten. Vorstandschef Blankfein und der gesamte Verwaltungsrat werden auch in der am Donnerstag eingereichten Klageschrift namentlich genannt. Die Aktionäre werfen ihnen «systematisches Versagen» bei Geschäften mit faulen Hypothekenanleihen vor.

Goldman Sachs: Befremdlich, aber nicht illegal

Die E-Mails seien natürlich sehr befremdlich, räumte Goldman-Sachs-Sprecher Samuel Robinson ein. Aber Hinweise auf ein Fehlverhalten gebe es nicht. Die Bank verwies auch darauf, dass sie durch die faulen Hypotheken-Kredite 1,2 Milliarden Dollar verloren habe.

«Natürlich haben wir die Hypothekenkrise nicht verschwiegen», schrieb Goldman-CEO Blankfein schon im November 2007 in einer E-Mail. «Wir haben Geld verloren, dann haben wir mehr Geld verdient als wir verloren haben, wegen der Shorts.» Shorts sind Wetten auf fallende Kurse. Als der Markt zusammenbrach, liess sich mit diesen Zertifikaten Geld verdienen.

Die Anleihen, die Tourre verkaufte, sind auch Gegenstand der Klage der US-Börsenaufsicht SEC, in der Goldman Sachs Irreführung von Kunden vorgeworfen wird. Die Käufer der faulen Anleihen, darunter die deutsche IKB Bank und die niederländische ABN Amro, haben laut SEC knapp eine Milliarde Dollar verloren. (dapd)

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