Betrugsklage: Goldman zahlt Rekordstrafe
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BetrugsklageGoldman zahlt Rekordstrafe

Die Investmentbank Goldman Sachs & Co hat sich zur Zahlung von 550 Millionen Dollar bereiterklärt, um eine Klage wegen Betrugs beizulegen.

Durch ein Bussgeld in Rekordhöhe will die US-Investmentbank Goldman Sachs ein womöglich peinliches Gerichtsverfahren vermeiden. Nach Betrugsvorwürfen der US-Börsenaufsicht SEC hat sich die Bank in einem Vergleich zur Zahlung von 550 Millionen Dollar (426 Millionen Euro) verpflichtet. Es ist die höchste Geldbusse, die je ein Finanzunternehmen in der Geschichte der US-Börsenaufsicht zahlen musste, wie die SEC in Washington mitteilte.

Von der Einigung profitiert auch die deutsche Mittelstandsbank IKB. Als eines der Opfer der Affäre erhält sie 150 Millionen Dollar aus der Vergleichssumme.

Die Börsenaufsicht hatte Goldman Sachs vorgeworfen, Anlegern beim Kauf bestimmter hochkomplexer Finanzprodukte bewusst wichtige Informationen vorenthalten zu haben. Die Bank hatte die sogenannten synthetischen CDOs kurz vor dem Platzen der Immobilienblase auf dem US-Immobilienmarkt aufgelegt. Ihre Wertentwicklung war an Hypothekenkredite mit Subprime-Status gekoppelt.

Eine Lektion für die Wall Street

Was Goldman Sachs laut SEC den Kunden verschwieg: An der Auswahl der Immobilien war der Hedgefonds Paulson & Co beteiligt, der gleichzeitig auf den Wertverfall der Papiere wettete. Goldman habe die Investoren in die Irre geführt, meinte die SEC.

Goldman Sachs selbst räumte zwar keinen Gesetzesverstoss ein. Die Bank gestand aber zu, dass die Werbematerialen für das Produkt unvollständig gewesen seien. Es sei ein Fehler gewesen, die Beteiligung von Paulson am Auswahlprozess des Portfolios und den damit verbundenen Interessenkonflikt zu verschweigen.

Die Börsenaufsicht betonte, die Vereinbarung mit Goldman Sachs sei eine Lektion für die Wall Street. Kein Produkt sei zu komplex und kein Investor zu raffiniert, um einer Bestrafung zu entgehen, wenn er die fundamentalen Prinzipien der Ehrbarkeit und der Fairness verletze.

Goldman-Sachs-Aktie im Höhenflug

Von der 550 Millionen Dollar Geldbusse gehen 300 Millionen Dollar an den amerikanischen Staat, 150 Millionen Dollar an die IKB und die restlichen 100 Millionen Dollar an die Royal Bank of Scottland.

Goldman Sachs verpflichtete sich ausserdem, seine Geschäftspraktiken zu ändern und die Mitarbeiter entsprechend zu schulen. Ein New Yorker Gericht muss dem Vergleich noch zustimmen.

An der Börse sorgten schon Gerüchte über die Einigung zwischen Goldman Sachs und der SEC für einen Höhenflug der Goldman-Sachs-Aktie. Tatsächlich kann die Bank die Rekordgeldbusse problemlos verkraften. Denn die auf den ersten Blick hohe Summe entspricht weniger als 5 Prozent des Nettogewinns der Bank im Jahr 2009 in Höhe von 12,2 Milliarden Dollar. Anders gesagt: Der Gewinn von gut zwei Wochen reicht dem Geldinstitut aus, die Strafe zu zahlen.

Allerdings ist die Affäre mit dem Vergleich für die Bank noch nicht unbedingt ausgestanden. Trotz des Vergleichs können Investoren, die durch die Transaktion Geld verloren, nach wie vor Zivilklagen gegen Goldman Sachs anstrengen.

(dapd)

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