Schiesssport - Goldschützin Nina Christen kämpft mit «post-olympischer Depression»
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SchiesssportGoldschützin Nina Christen kämpft mit «post-olympischer Depression»

Die Wolfenschiesser Schützin Nina Christen machte öffentlich, dass sie eine «post-olympische» Depression habe.

von
Rochus Zopp
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Die Wolfenschiesserin Nina Christen gewann an den Olympischen Spielen eine Bronze- und eine Goldmedaille.

Die Wolfenschiesserin Nina Christen gewann an den Olympischen Spielen eine Bronze- und eine Goldmedaille.

Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa
Die Schützin gab in einem Instagram-Post bekannt, dass Sie an einer «post-olympischen» Depression leide.

Die Schützin gab in einem Instagram-Post bekannt, dass Sie an einer «post-olympischen» Depression leide.

AFP
Der 23-fache Goldmedaillengewinner Michael Phelps ist einer der bekanntesten Sportler, der mit seinen Depressionen an die Öffentlichkeit ging. 

Der 23-fache Goldmedaillengewinner Michael Phelps ist einer der bekanntesten Sportler, der mit seinen Depressionen an die Öffentlichkeit ging.

REUTERS

Darum gehts

  • Nina Christen, die an den Olympischen Spielen in Tokio zwei Medaillen gewann, hat laut eigenen Angaben eine «post-olympische Depression».

  • Deswegen tritt sie diese Woche nicht an den Schweizermeisterschaften an. In ihrem Instagram-Post schreibt sie, sie sei momentan nicht in der Lage zu schiessen.

  • Sportpsychologe Alain Meyer sagt, dass es wichtig ist, auch den mentalen Bereich zu trainieren. Dann könne man sich Strategien und Wege zurechtlegen, um mit schwierigen Situationen umzugehen.

  • Meyer betont aber: «Depressionen sind kein Zeichen von Schwäche.»

Gestern gab Olympia-Goldmedaillengewinnerin Nina Christen auf ihrem Instagram-Kanal bekannt, dass sie diese Woche nicht an den Schweizermeisterschaften teilnehmen wird. Die Nidwaldnerin erklärte, dass sie eine «post-olympische» Depression habe und sich darum nicht bereit fühle zu schiessen. Dies sei etwas, das viele Olympiateilnehmer und -teilnehmerinnen erlebten. Die Schützin leidet unter Schlaflosigkeit, Müdigkeit, Konzentrations- und Motivationsmangel sowie starken Stimmungsschwankungen, Migräne und Nackenschmerzen, schreibt sie. Zudem gingen ihr viele Gedanken durch den Kopf, die nicht aufhören wollen, sich zu drehen.

Nina Christen ist nicht die einzige Athletin, die nach den Olympischen Spielen eine Depression erlebt. Auch der US-Amerikaner Michael Phelps, mit 23 olympischen Medaillen der erfolgreichste Olympionike, geht offen mit seinen Depressionen um und sagt, dass auch er schon an «post-olympischen Depressionen» litt. Sportpsychologe Alain Meyer kann das durchaus nachvollziehen. Er will keine Ferndiagnose wagen, sagt aber: «Eine Depression kann aus ganz vielen unterschiedlichen Belastungsfaktoren entstehen. Sportlerinnen und Sportler müssen eine hohe Belastung und einen hohen Leistungsdruck über längere Zeit aushalten», und betont, «Auch Sportlerinnen und Sportler sind nur Menschen.»

Pläne für schwierige Situationen zurechtlegen

Meyer legt darum auch viel Wert auf den präventiven Bereich, wenn er mit Athletinnen und Athleten zusammenarbeitet. Er erklärt: «Man muss sich das wie Rückentraining vorstellen. Wenn der Rücken ständig belastet wird, ohne dass er trainiert ist, hat man früher oder später Probleme. Genau gleich verhält es sich im mentalen Bereich.» Meyer sagt, dass es wichtig ist, wie man auf gewisse Situationen reagiert und sich dann Pläne und Strategien zurechtlegt, wie man damit umgeht.

Sportpsychologe Meyer kann sich vorstellen, dass Athletinnen und Athleten nach Olympischen Spielen in ein Loch fallen, da sie dann nicht mehr gleich stark im Mittelpunkt stehen. «Wenn man sich im Vorfeld überlegt, was kritische Situationen sind, dann kann man sich auch besser darauf vorbereiten», sagt Meyer. Auch wenn man in letzter Zeit vermehrt von Depressionen im Spitzensport liest, glaubt der Psychologe aber nicht, dass Spitzensportlerinnen und Sportler anfälliger dafür sind. «Wegen des ständigen Leistungsdrucks durch Turniere und Wettkämpfe stehen sie aber unter höherer Belastung.», so Meyer.

Konkurrentinnen können mitfühlen

Wichtig ist gemäss Meyer, dass man die Situation nicht nur negativ einstuft. Der Psychologe sagt: «Es ist eine wichtige Erfahrung, aus der man die richtigen Schlüsse ziehen kann», sagt er. «Es geht auch wieder vorbei.» Meyer will die Menschen auch stärker für mentale Probleme sensibilisieren. Er betont: «Depressionen sind kein Zeichen von Schwäche.»

Auch Nina Christen weiss das. In ihrem Instagram-Post schreibt sie: «Ich erwarte nicht, dass ich die ganze Zeit stark bin.» Ihre Konkurrentinnen können mit der Nidwaldnerin mitfühlen. Die serbische Schützin Zorana Arunovic kommentiert zum Beispiel: «Halte durch, bessere Zeiten stehen hoffentlich bevor.» Und die Amerikanerin Ginny Trasher schreibt: «Du bist nicht allein und es wird besser.»

Hast du oder hat jemand, den du kennst, eine Depression?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Kinderseele Schweiz, Beratung für psychisch belastete Eltern und ihre Angehörigen

Verein Postpartale Depression, Tel. 044 720 25 55

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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