Analyse: Good-bye, Mr. Hello
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AnalyseGood-bye, Mr. Hello

Moritz Suter war ein Aviatik-Unternehmer der alten Schule. Nach seinem zweiten Grounding dürfte seine Zeit im Flugbusiness zu Ende sein. Der Gründer der gestrandeten Hello-Airline hat sich verrechnet.

von
Lukas Hässig

Moritz Suter war Flugkapitän, Crossair-Gründer, Swissair-Chef. Sein Herz schlug für die Aviatik, in seinen Adern pulsierte Kerosin. Sein Kurz-Präsidium beim Verlag der Basler Zeitung war nur ein Seitensprung.

In der Nacht auf Montag ist das Schweizer Flug-Urgestein hart auf dem Asphalt der geschäftlichen Realitäten aufgeschlagen. Sein letztes Aviatik-Baby, die Charter-Airline Hello, musste ihre Bilanz deponieren. Wenige Tage vor Umstellung auf den Winterflugplan ging ihr der Treibstoff aus.

Suters Versagen

Für Suter ist es das Ende einer stolzen Karriere. Obwohl die Schlagzeilen um seine Person zuletzt kleiner und unbedeutender geworden waren, galt der Basler bis heute als Patron der Lüfte. Die Meinung im Publikum war, dass Suter nicht überall ein Held gewesen war. Im Fliegen aber schon. Das entpuppt sich nun endgültig als Mär; wie so vieles in der Karriere des Moritz Suter. Schon beim Swissair-Debakel von 2001 war Suter ein Hauptakteur und trug seinen Anteil zum Misserfolg bei.

Als Anfang Oktober vor elf Jahren die Swissair-Flotte während 48 Stunden am Boden festsass und die Schweizer Airline-Branche in ihren Grundfesten erschüttert wurde, mimte Suter das Opfer. Einzig wegen der Misswirtschaft des Swissair-Managements sei seine Crossair, die mehrheitlich zum Swissair-Konzern gehörte, mit in den Strudel gerissen worden. Damit lenkte Suter vom eigenen Versagen ab. Dieses war ein Zweifaches. Erstens war ihm die Crossair aus den Fugen geraten, zweitens liess Suter die Swissair im Schicksalsjahr 2001 im Stich.

Aufstieg dank Swissair

Suters Crossair war in den 1980er- und 1990er-Jahren unter der Ägide des einstigen Swissair-Piloten vom Familienbetrieb zur Grossairline angewachsen. Geführt wurde das Unternehmen mit mehreren tausend Angestellten immer noch wie ein KMU. Ohne den Segen von Patron Suter geschah nichts.

Den Aufstieg zur Fluggesellschaft respektabler Grösse hatte Suter seiner Erzrivalin Swissair zu verdanken. Diese besass nach verschiedenen Aktienzukäufen ein komfortable Mehrheit an Suters Airline und übertrug ihr mehr und mehr Flüge im hart umkämpften Europamarkt.

Statt sich dafür zu bedanken und zu kooperieren, kochte Suter sein eigenes Süppchen. Er pochte auf Unabhängigkeit und gebärdete sich als Schatten-Herrscher der Swissair. Weitgehend unkontrolliert blähte er seine Crossair auf: Die Anzahl Maschinen schoss in die Höhe, mit ihr stiegen die Kosten.

Flucht nach 44 Tagen

Als Philippe Bruggisser mit seinem Swissair-Kartenhaus in finanzielle Schieflage geriet, kam Suter im Januar 2001 zum Handkuss. Als CEO sollte er die beiden wichtigsten Airlines innerhalb des verästelten und undurchsichtigen Konzerns, die Swissair und die Crossair, auf Vordermann bringen.

Die Hoffnungen waren gross. Sie platzten aber nach 44 Tagen, als Suter von Bord ging. Die Schuld suchte Mister Crossair bei allen Anderen, nur nicht sich selbst. Für das Grounding musste vor allem Nachfolger Mario Corti als Swissair-CEO den Kopf hinhalten.

Swiss-Macher wollten Suter nicht

Dass seine damalige Crossair die «gute» und die Swissair die «schlechte» Airline war, das wollten Suter aber immer weniger abnehmen. Als klar wurde, dass die Swiss ohne Milliarden vom Staat und den Multis nicht in der Luft bleiben konnte, wurde Suter von den neuen Geldgebern ausgebootet.

Verschnupft zog sich der Basler zurück. Dort hielt er es nicht lange aus. Als ihm die Idee mit der Hello kam, schien ihm dies wohl wie der Weckruf im seinem Kampf gegen alle Zweifler und Nörgler. Mit Hello konnte er zeigen, wer der wahre Flugpionier des Landes wäre.

Das Fehlkonstrukt

Doch Hello wollte nie richtig abheben. Es blieb eine Art Hobbyveranstaltung eines alternden Aviatik-Unternehmers. Den meisten Schweizern sagte der Name wenig.

Aufgeben war aber nicht Sache von Suter. Mit eigenem Geld und jenem von Investoren biss er auf die Zähne, senkte Kosten bis hin zum kürzlich bekannt gewordenen Fall, dass Piloten in Ausbildung gratis in den Hello-Cockpits schufteten. Genützt hat alles nichts. Zuletzt glich Hello einem dünnen Strohhalm, bei dem genügte, dass sich das Geschäft leicht eintrübte, schon knickte er um.

Der Schawinski der Lüfte

Das zweite Grounding als Flugunternehmer dürfte Moritz Suters letztes sein. Und obwohl es sich im Vergleich zum Crash von Swissair und Crossair um eine vergleichsweise kleine Geschichte ohne grosse Folgen für die Allgemeinheit handelt, wiegt der eigene Reputationsverlust schwer.

Mit Hello war Suter quasi zu seinen Anfängen als Aviatik-Pionier zurückgekehrt: eine kleine, übersichtliche Airline, die im Auftrag von Reisebüros und anderen Fluggesellschaften günstige Flüge in Europa anbietet. Es war sein Comeback im Kerngeschäft – eine Art Roger Schawinski des Flugbusiness.

Er bleibt ein Grosser

Trotz des bitteren Endes mit Hello bleiben Suters Leistungen für die Schweizer Flugindustrie in gewissen Teilen unerreicht. Er hatte den Mut, sich von der verhassten Monopolistin Swissair zu lösen und mit der kleinen Crossair eigene Wege zu beschreiten. Damit zwang er die Swissair, sich dem Wettbewerb zu stellen, was den Fluggästen tiefere Preise brachte.

So gesehen ist Moritz Suter mehr als nur ein Pionier. Sondern ein Pirat, einer, der sich nie unterkriegen liess. Das Problem mit Piraten im härter werdenden Wirtschaftsklima ist, dass sie oft nicht wissen, wann es Zeit ist, die Fahne einzuholen und das Entern anderen zu überlassen.

Berner könnten in die Bresche springen

Für die Berner Fluggesellschaft Skywork ist es nach dem Ende von Hello eine Option, ein Flugzeug in Basel zu stationieren. Dazu müsste aber zunächst die Wirtschaftlichkeit geprüft werden. Nach dem Hello-Grounding signalisiere Skywork, «dass wir helfen können und wollen», so Skywork-Chef Tomislav Lang zu Radio DRS. Skywork sei bereit, Anfragen von Reiseveranstaltern oder gestrandeten Passagieren entgegen zu nehmen und zu prüfen. D

Die Berner Airline gehört definitiv nicht zu den Kaufinteressenten von Hello, wie Lang festhielt. Er könne sich durchaus vorstellen, dass Skywork ab Basel, oder auch Zürich oder Genf operiere, sollten Reiseveranstalter Kapazitäten anmelden. Bern bleibe aber der Heimat-Standort. «Wir können darüber sprechen ein oder zwei Flugzeuge woanders zu stationeren», sagte Lang. Skywork hatte im Vorfeld lose Kooperationsgespräche mit Hello geführt.

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