Börseninsider: «Good News» für Biotech-Startup – und seinen CEO
Aktualisiert

Börseninsider«Good News» für Biotech-Startup – und seinen CEO

Letzte Woche schossen die Aktien der Biotechfirma Cytos steil in die Höhe. Davon profitierte auch der CEO, der sich nach der Publikation erfolgreicher Testresultate mit Aktien des eigenen Unternehmens eindeckte. Die aussenstehenden Investoren reagierten erst mit Verzögerung.

von
Lukas Hässig
Nach dem Interview der «Handelszeitung» mit dem Cytos-CEO explodierte der Aktienkurs um fast 20 Prozent. Die Nachfrage betrug ein Vielfaches des gewohnten Tagesvolumens.

Nach dem Interview der «Handelszeitung» mit dem Cytos-CEO explodierte der Aktienkurs um fast 20 Prozent. Die Nachfrage betrug ein Vielfaches des gewohnten Tagesvolumens.

Wolfgang Renner, 43, ist Mitbegründer und CEO der Cytos, einer Biotechfirma mit rund 80 Mitarbeitern in Schlieren bei Zürich. Der aus der ETH-Forschung entstandene Startup kam 2002 mit grossen Hoffnungen an die Börse.

Dort gings zuerst steil nach oben. Anfang 2007 erreichte der Titel mit 175 Franken sein Allzeithöchst. Dann aber folgte die grosse Ernüchterung, die den Cytos-Kurs bis Mitte Mai auf noch 10 Franken drückte. Dem Unternehmen drohte gar, das Geld auszugehen.

Good News im Zeitungsinterview

Endlich tauchte Hoffnung auf. Tests zeigten, dass ein neuer Cytos-Impfstoff gegen Asthma wirken könnte. Die zweite von drei Testphasen hatte erfreuliche Resultate gezeigt.

Cytos spürte neuen Aufwind. Am 21. Mai machte die Firma die gute Nachricht publik. «Plazebo-kontrollierte Phase II-Studie zeigt, dass CYT003-QbG10 sicher und wirksam ist zur Behandlung von allergischem Asthma», überschrieb sie eine Communiqué.

Der Kurs stieg rasch von 11 auf 13 Franken, und über 100 000 Stück wechselten den Besitzer, ein Vielfaches des üblichen Volumens. Die Umsätze blieben in den Folgetagen hoch, der Kurs mäandrierte zwischen 12 und 13 Franken.

Eine Woche später begann CEO Renner, seinen bestehenden Aktienanteil aufzustocken. In drei Tranchen – am 27. Mai, 2. Juni und 4. Juni – erwarb er Zehntausende von Cytos-Aktien im Gesamtwert von 842 000 Franken. Durchschnittlich bezahlte Renner 12,53 Franken pro Titel.

Ein Thema war Cytos zu diesem Zeitpunkt erst für wenige. Das änderte sich schlagartig mit einem Interview von Renner mit der Handelszeitung am letzten Mittwoch. Der Cytos-CEO stellte dabei neue Einnahmen von «deutlich mehr als 600 Millionen Franken» in Aussicht.

Plötzlich wollen alle Cytos

Seinen Optimismus begründete Renner nicht nur mit den positiven Testresultaten, sondern vor allem mit der potenziellen Nachfrage. «Fast 10 Prozent aller Kinder und 7 Prozent der Erwachsenen in den USA haben Asthma», meinte der Cytos-Chef. «Es besteht also ein grosses Interesse, Asthmatiker ursächlich zu behandeln.»

Nun stürzten sich die Investoren auf den Titel. Innert Stunden wurden gegen 200 000 Cytos-Aktien gehandelt, der Kurs schoss von 12.60 Franken auf 15 Franken hoch, ein Tagesplus um 19 Prozent (siehe Chart oben). In der Folge stieg der Titel weiter.

Insiderkäufe als Kaufsignal

CEO Renner ist ein Insider, der nur zu bestimmten Zeiten Aktien des eigenen Unternehmens erwerben darf. Indem er nach der Veröffentlichung der positiven Testresultate einige Tage mit Zukäufen wartete, hat er sich an die Regeln gehalten.

Interessant ist der Fall trotzdem. Es brauchte das Interview in der Handelszeitung, um die übrigen Investoren ohne Insiderkenntnisse aus dem Schlaf zu rütteln. «Wir sind an der Börse völlig unterbewertet», meinte Manager Renner in der Zeitung. Sein Aufruf blieb nicht ungehört. Damit bestätigt sich, dass Transaktionen von Insidern, die auf der Webseite der Schweizer Börse SIX publiziert werden, gute Signale für Käufe oder Verkäufe der jeweiligen Aktien geben können.

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