Aktualisiert 14.03.2013 10:54

Ärger im NetzGoogle killt den RSS-Reader

Trotz treuer Nutzerschar wird Google Reader dichtgemacht. Der Internet-Konzern verdient kein Geld mit dem praktischen Service und will sein soziales Netzwerk Google+ besser etablieren.

von
dsc
Auf den Google Reader greifen auch viele RSS-Apps für Smartphones und Tablets zurück. Nun müssen sich die Nutzer nach einer Alternative umsehen.

Auf den Google Reader greifen auch viele RSS-Apps für Smartphones und Tablets zurück. Nun müssen sich die Nutzer nach einer Alternative umsehen.

Millionen Internet-Nutzer, die auf den RSS-Dienst Google Reader als Nachrichtenticker vertrauen, werden sich zum Sommer eine Alternative suchen müssen. Google macht den 2005 gestarteten Service am 1. Juli dicht.

Spekuliert wurde schon lange darüber, nun haben sich die Befürchtungen bewahrheitet. Die Zahl der Nutzer sei gesunken, hiess es am Mittwoch zur Begründung in einem Blogeintrag von Google. Auf den Google Reader greifen auch viele RSS-Apps für Smartphones und Tablets zurück, um den Nachrichtenfluss zwischen verschiedenen Geräten zu synchronisieren. Beschwichtigend heisst es vom Internet-Konzern: Man werde die Daten exportieren können, um zu einem anderen Dienst umzuziehen.

Nach der Ankündigung schlugen die Wellen hoch im Internet. Die Enttäuschung der RSS-Fans ist riesig und sie verschafften ihrem Ärger via Twitter Luft. Mit einer Online-Petition soll Google aufgefordert werden, den Entscheid rückgängig zu machen.

Praktischer Nachrichtenticker

Mit RSS (Really Simple Syndication) kann man neuen Inhalten auf Websites folgen, ohne sie jedes Mal neu aufrufen zu müssen - die neuen Einträge tauchen in einer Art Nachrichtenticker auf. Google eroberte mit seinem kostenlosen Reader schnell einen grossen Teil des Marktes.

Mit der Ausbreitung von Twitter und Facebook wurden die RSS-Ströme allerdings für viele Nutzer weniger wichtig. Google versucht zudem, mit Google+ ein eigenes Online-Netzwerk zu etablieren. Gegenüber dem US-Blog The Next Web packte ein ehemaliger Google-Mitarbeiter aus. Google Reader sei schon immer stiefmütterlich behandelt worden innerhalb des Unternehmens. Geld habe man damit nicht direkt verdient, das sei auch nicht das Ziel gewesen. Mit dem Aufkommen von Google+ sollte das Teilen von Inhalten über das soziale Netzwerk erfolgen.

RSS hat aber gerade deswegen eine treue Anhängerschaft, weil man interessante Quellen im Internet verfolgen kann, ohne Social Media zu nutzen.

Es zeichnet sich eine Alternative ab

Wie das deutsche IT-Portal heise.de festhält, zeichnet sich eine Alternative zum Google Reader ab. Der RSS-Reader feedly, der bislang ebenfalls auf Google Reader gesetzt hat, könnte in die Lücke springen. Offenbar arbeiten die feedly-Entwickler an einem entsprechenden Service. Dies geht aus einem Blogeintrag hervor. So soll man die abonnierten RSS-Feeds auch nach dem 1. Juli ohne Einschränkungen weiternutzen können. Und zwar im Webbrowser, aber auch mit der Android-Plattform sowie Apples iOS.

Kommentatoren weisen darauf hin, dass es immer gefährlich sei, sich auf nur einen einzigen Anbieter zu verlassen. Das Ende von Google Reader dürfte viele Nutzer in dieser Ansicht bestärken. Fakt ist: Der Internet-Konzern könnte bei jedem seiner populären, durch Werbung finanzierten Gratis-Dienste den Stecker ziehen. Jederzeit. (dsc/sda)

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