Aktualisiert 28.07.2014 12:03

Krebs früher entdecken

Google sammelt Daten gesunder Menschen

Wie sieht ein gesunder Mensch aus? Dieser Frage will Google nachgehen. Dafür sammelt der Konzern genetische Informationen von 175 Menschen. Tausende weitere sollen folgen.

von
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Google hat wieder einmal Grosses vor. Das Forschungsteam des Konzerns - Google X - plant eine Reise ins Innere des menschlichen Körpers. Ziel des Trips: das kompletteste Abbild eines gesunden Menschen schaffen. Dieses soll dereinst helfen, potenzielle Krankheiten wie Herzprobleme und Krebs deutlich früher zu entdecken. Damit könnten Mediziner mehr präventiv wirken, statt bereits ausgebrochene Krankheiten zu behandeln.

Für das Projekt Baseline Study sammelt das Team um den Molekularbiologen Andrew Conrad zunächst die genetischen und molekularen Informationen von 175 Menschen. Damit die persönlichen Daten nicht direkt an Google gelangen, kümmern sich Forscher der Universitäten Stanford und Duke um die Blutproben der Teilnehmer und untersuchen deren Spucke, Urin sowie Tränenflüssigkeit. Dies geschieht mithilfe aktueller Google-Entwicklungen wie der Blutzucker messenden Kontaktlinse.

Anschliessend gehen die Daten anonymisiert an den Internetkonzern. Zusammen mit den Krankengeschichten der Eltern soll dann ein genaues Bild der Probanden entstehen. Nach diesem Pilotversuch sollen sich tausende weitere Probanden auf die gleiche Weise durchleuchten lassen.

Auf der Suche nach Biomarkern

Anschliessend sollen Googles Rechnerkapazitäten eingesetzt werden, um in dem Datensatz bestimmte Muster - sogenannte Biomarker - aufzudecken. Mit deren Hilfe soll es Medizinern möglich sein, Krankheiten weitaus früher als bisher zu erkennen. So könnte die Studie beispielsweise Marker finden, die dafür sorgen, dass manche Menschen trotz fettigem Essen keine Probleme mit einem zu hohen Cholesterinspiegel haben. Sobald die dafür verantwortlichen Muster identifiziert sind, können Forscher prüfen, ob anderen Menschen diese Eigenschaft fehlt. Diese könnten dann ihr Verhalten entsprechend ändern.

Schon heute arbeiten Mediziner weltweit mit Biomarkern. Aber diese verweisen lediglich auf Krankheiten im Endstadium, denn die existierenden Studien konzentrieren sich meist auf kranke Patienten. Zugleich waren die Resultate mit diesen Markern hierbei allenfalls durchwachsen, so Forscher Sam Gambhir von der Stanford-Universität dem «Wall Street Journal».

Auch das neue Projekt sei kein Erfolgsgarant, da der menschliche Körper so komplex sei. Ziemlich wenig ist bekannt über das Zusammenspiel von DNA, Enzymen und Proteinen und darüber, wie Umweltfaktoren - zum Beispiel Diäten - hierauf Einfluss nehmen.

Angst vor der Datenkrake

Im Gegensatz zu anderen Google-X-Projekten zielt die Baseline Study nicht darauf ab, Gewinn einzufahren. Finanzielle Gründe sind dagegen dafür verantwortlich, dass die Studie erst jetzt möglich wird, denn bis vor Kurzem war solche Art der Forschung schlichtweg zu teuer. So kostete die Sequenzierung des menschlichen Genoms Anfang der 2000er-Jahre noch rund 100 Millionen Dollar. Heute sind es noch 1000 Dollar.

Trotz der von Google kommunizierten guten Absichten erschreckt viele der Gedanke, dass der Internetgigant so viel über die Struktur Tausender Menschen erfährt. Schliesslich könnten die Daten dereinst auch gegen sie verwendet werden - etwa von Versicherungen oder potenziellen Arbeitgebern. Doch die Verantwortlichen betonen: Die Informationen sollen anonym bleiben. Getreu Googles Motto: Don't be evil.

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