Aktualisiert 05.05.2010 10:14

Editions

Google startet eigenen eBook-Store

Noch in diesem Sommer will Google ins lukrative Geschäft mit den digitalen Büchern einsteigen und damit beginnen, eBooks zu verkaufen.

von
mbu
Mit Google Books konnte der Suchmaschienenriese im Bereich der eBooks bereits erste Erfahrungen sammeln.

Mit Google Books konnte der Suchmaschienenriese im Bereich der eBooks bereits erste Erfahrungen sammeln.

Wie ein Google-Mitarbeiter gegenüber dem «Wall Street Journal» erklärte, wird die virtuelle Buchhandlung für eBooks zwischen Juni und Juli an den Start gehen. Der Clou an der Sache: Die in der «Google Editions» angebotenen Bücher können auf unterschiedlichen eBook-Readern gelesen werden. Zudem sollen die eBooks direkt im Webbrowser konsumiert werden können. Im WSJ-Artikel wird die Vermutung geäussert, dass Google auch für einzelne Geräte wie etwa dem iPhone oder dem iPad eine optimierte Lösung anbieten könnte.

Verlage und Buchhändler sollen über die Plattform direkt ihre eBooks anbieten können. Ihre Erlös-Anteile sollen dabei deutlich höher ausfallen als bei der Konkurrenz. Unabhängigen Online-Händlern soll es ermöglicht werden, «Google Editions» direkt auf ihren Webseiten einzubinden.

Der Konzern will nur Bücher anbieten, die auch in gedruckter Form verfügbar sind. Weder über die Preise, noch über den Angebotsumfang wurden Details kommuniziert.

Noch dominiert Amazon mit dem eBook-Reader Kindle den Markt. Einen erstzunehmenden Konkurrenten haben sie mit dem iPad bekommen. Obwohl es erst seit April in den USA im Handel erhältlich ist, sollen darauf eigenen Angaben zufolge bereits 1,5 Millionen E-Books aus dem iBookstore geladen worden sein.

Mit Google Books konnte der Suchmaschienenriese im Bereich der eBooks bereits Erfahrung sammeln - wenn auch nicht immer angenehme. So wurde das Unternehmen unlängst von US-Fotografen und -Illustratoren wegen Urheberrechtsverletzungen verklagt (20 Minuten Online berichtete). Mit dem Dienst lassen sich Millionen Bücher durchsuchen und kostenlos ansehen, die Google vor allem aus Bibliotheken eingescannt hat. Dadurch sind dort auch Werke verfügbar, die nicht mehr im Laden gekauft werden können. Verleger und Autoren liefen gegen das Projekt allerdings Sturm: Umstritten war nicht nur die Vergütung der Autoren- und Publikationsrechte. Kritisiert wurde zudem, dass Google alleiniger Inhaber der Rechte für sogenannte verwaiste Bücher werden könnte - vergriffene Werke, deren Autoren oder andere Rechteinhaber sich nicht mehr ermitteln lassen.

Büchersterben noch kein Thema

Besitzer von eBook-Readern würden nach wie vor gedruckte den digitalen Büchern vorziehen, schreibt das «Wall Street Journal» und beruft sich dabei auf eine Studie der Codex Group (20 Minuten Online berichtete). Demnach kaufen Kindle-Besitzer lediglich 37 Prozent ihrer Bücher in digitaler Form. Bei den iPad-Usern sollen es immerhin 46 Prozent sein. Der Unterschied mag daher rühren, dass das iPad erst seit Anfang April im Handel und die Neugier der User noch entsprechend gross ist.

Für Download-Piraten sind eBooks ein gefundenes Fressen. Sie ziehen die digitalen Bücher gratis auf einschlägigen Internetforen runter. Wie einfach sich dies bewerkstelligen lässt, testete 20 Minuten Online im vergangenen Herbst. Allein für Dan Browns aktuellen Bestseller «Das verlorene Symbol», der mit einer deutschsprachigen Startauflage von 1,2 Millionen gedruckt wurde, fanden wir in drei Foren etwa 50 Links, von denen 40 noch aktiv waren.

Im Test wurde in Foren nach zehn Titeln der New York Times-Bestsellerliste gesucht. Binnen Sekunden gelangten die in der Regel nicht einmal zwei Megabyte grossen Bücher auf den Rechner. Der Kindle wird - wie ein USB-Stick - als externes Laufwerk erkannt und lässt sich einfach per Drag and Drop befüllen. Aber auch eBooks in anderen Formaten, die ebenfalls auf einer Vielzahl einschlägiger Seiten als Raubkopien zu finden sind, bereiten dem Kindle und seine Konkurrenten keine Probleme, wenn man nachhilft. Denn wie in der obigen Bilderstrecke zu sehen ist, lassen sich mit dem Gratis-Tool «Calibre» leicht und schnell Dateien umwandeln. In zehn Versuchen misslang dies nicht ein einziges Mal.

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